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Digitales Leben

E-Book is reading you

Immer mehr Menschen lesen E-Books. Und das am liebsten in öffentlichen Verkehrsmitteln - das kann man beobachten. Doch die E-Book-Anbieter wissen noch mehr über ihre Nutzer. Denn sie lesen mit.

Wenn André K. morgens auf dem Weg zur Arbeit in der S-Bahn sitzt, sieht man ihn meist in eine Lektüre vertieft. Was genau er da liest, ob komplizierte Fachliteratur oder einen seichten Roman, das kann keine(r) der Mitreisenden genau erkennen; Andrés Lektüre hat keinen Schutzumschlag - und auch keine sichtbaren Eselsohren. Der 28-Jährige liest mit seinem E-Book-Reader, ein elektronisches Bücherregal zum Mitnehmen. Tausende von Büchern kann er auf dem Reader speichern, dabei wiegt er gerade mal so viel wie ein dünnes Taschenbuch, und größer ist er auch nicht.

Unterwegs mit dem elekronische Bücherregal

"Du steigst ein, klickst es an und bist direkt auf der Seite, wo du zuletzt aufgehört hast zu lesen. Anstatt zu blättern und zu suchen,“ meint André K. Außerdem schätzt er an E-Books, dass man direkt über den Reader Fremdwörter nachschlagen oder ganze Passagen übersetzen lassen kann.

So wie er denken viele. Eine Studie der Universität Hamburg besagt: Jeder vierte Deutsche hat bereits ein E-Book gekauft. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in Deutschland knapp 4,6 Millionen kostenpflichtige E-Books heruntergeladen. Das sind soviele wie im gesamten vergangenen Jahr.

Eine Hand hält ein Lesegerät für elektronische Bücher, im Hintergrund Bücherhaufen (Archivfoto: picture alliance/dpa)

Auch ein E-Book-Reader verbindet sich mit dem Internet. So kann man die E-Books direkt auf den Reader laden.

Der gläserne Leser?

E-Book-Reader, wie sie zum Beispiel "Amazon“, "Kobo" und "Sony“ auf den Markt bringen, sind ausschließlich zum Lesen von elektronischen Büchern gemacht. Aber auch mit herkömmlichen Computern, Laptops oder Smartphones kann man E-Books lesen.

E-Books haben zwar viele Vorteile, doch sie bringen auch Risiken mit sich, sagt Thilo Weichert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz. Vor allem, wenn man die E-Books von den großen Anbietern herunterlädt. Denn durch eingebaute Synchronisierungsfunktionen in den Leseprogrammen haben diese einen detaillierten Einblick in das Leseverhalten ihrer Kunden. Weichert erklärt auch, warum das so ist:

"Es ist für Amazon oder für andere E-Book-Anbieter total spannend zu erfahren, wer ich bin und für was ich mich interessiere. Wie ich lese, wie schnell ich lese, wo ich Anmerkungen mache und welche sonstigen Lesegewohnheiten ich habe. Alles das kann man zumindest indirekt aus den Nutzungsdaten ableiten.“

Was man weiß

Zum Beispiel hat man herausgefunden, dass der durchschnittliche Leser nur sieben Stunden braucht, um Suzanne Collins' letzten Teil der Romantrilogie "Die Tribute von Panem" auf einem Kobo E-Book-Reader zu lesen. Das sind 57 Seiten pro Stunde.

Oder: "In einer wirklich chancengleichen Gesellschaft ist jemand nur noch aus Gründen 'unten', die in seiner Person liegen“, ist der Satz, den die meisten Nutzer eines Kindle-Lesegeräts in der E-Book-Version von Thilo Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" markiert haben.

Alles das, so Datenschützer Weichert, könne man zumindest indirekt aus den Nutzungsdaten ableiten.

Erotik kauft sich leichter als E-Book

Erotik-Bestseller wie "Shades of grey" sind gerade als E-Book besonders erfolgreich. Doppelt so viele digitale wie gedruckte Ausgaben gingen über den virtuellen Ladentisch. Viele Leser fühlen sich mit dem elektronischen Lesegerät möglicherweise unbeobachteter für die Außenwelt – für die Hersteller sind sie dennoch sichtbar. Vielen ist das gar nicht bewusst.

Ein iPad Tablet mit einer Bücherwand auf dem Bildschirm, im Hintergrund ein Bücherregal (Archivfoto: picture-alliance/dpa)

iPad mit virtueller Bücherwand. Was dort gesammelt ist, wissen die E-Book-Anbieter natürlich detailgenau.

Inwieweit jetzt diese Lesegewohnheiten, die erfasst werden, auch ausgewertet und vermarktet werden, so Thilo Weichert, ist zumindest in Deutschland noch weitgehend unbekannt.

"Wir wissen nur, dass es gemacht wird. Und wir wissen auch, was für ein Potential darin steckt. Sicher ist, dass die US-amerikanischen Dienste so etwas machen, weil dort datenschutzrechtliche Regeln dem nicht entgegen stehen.“

Neue Herausforderungen für Verlage, Autoren und Leser

Da könnte es auch schon mal passieren, dass jemand, der sich viel Literatur über Terrorismus herunterlädt und sich außerdem für arabische Schriftsteller interessiert, Probleme bei der Einreise in die USA bekommen könnte.

Überwacht das E-Book seine Leser? In den USA jedenfalls beginnen E-Book-Anbieter damit, ihre Erkenntnisse mit Verlagen und Autoren zu teilen. So kann man noch einfacher Besteller auf dem Markt platzieren.

Doch wollen wir nicht einfach nur von einem Buch gefesselt werden, weil es schlicht und ergreifend ein gutes Buch ist? Eines steht jedenfalls fest, E-Books werden gerade Verlage, Autoren und Leser in Zukunft vor neue Herausforderungen stellen.