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Afrika

Vereint im Kampf gegen Boko Haram?

Boko Haram mordet, plündert und vergewaltigt im Westen Afrikas. Eine afrikanische Eingreiftruppe soll dem ein Ende setzen, so will es die Afrikanische Union. Doch noch ziehen nicht alle Beteiligten an einem Strang.

Goodluck Jonathan fehlt auf dem Gruppenbild vor weißer Marmorwand. Der nigerianische Präsident ist auf Wahlkampftour in seiner Heimat unterwegs und deshalb nicht dabei beim Gipfel der Afrikanischen Union in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Und das, obwohl dort kein Thema so heiß diskutiert wird wie der Kampf gegen die Terrorgruppe Boko Haram, die Nigeria und seine Nachbarn bedroht.

Während in Addis Abeba UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon von einer Gefahr für die regionale und sogar internationale Sicherheit spricht, verbreitet Jonathan in Nigeria Siegesgewissheit. Zum Beispiel auf einer Wahlkampfveranstaltung in Yola im Osten des Landes.

"Unsere furchtlosen Truppen haben die Stadt Michika zurückerobert", rief er dort seinen Anhängern von einer Bühne zu, geschmückt mit Stoffbahnen in den Parteifarben rot, grün und weiß. "Bald werden wir unser gesamtes Land zurückerobert haben!", so der Präsident weiter. Wenn es nach Jonathan geht, dann sollte die nigerianische Armee diesen Job möglichst ohne Einmischung von außen erledigen.

Nigerianischer Präsident Goodluck Jonathan (Photo: AP)

Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan im Wahlkampf

Gefahr im Grenzgebiet

3000 Kilometer weiter östlich scheint die versammelte Polit-Elite des Kontinents die Lage anders einzuschätzen. Mit einer 7500-Mann starken afrikanischen Eingreiftruppe will die Afrikanische Union Boko Haram besiegen. Die nigerianische Armee sei zu schlecht ausgerüstet und zu korrupt, um der Terrorgruppe Einhalt zu gebieten, sagen Kritiker. Und trotz aller Erfolgsmeldungen des Präsidenten und seiner Generäle: Seit ihren Anfängen zu Beginn der 2000er Jahre hat sich Boko Haram nicht nur im Nordosten Nigerias ausbreiten können, wo sie die Bevölkerung terrorisiert und Polizei und Armee attackiert. Spätestens seit dem Jahr 2013 greifen Boko-Haram-Kämpfer auch Ziele in den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad an. Rund 13.000 Menschen hat Boko Haram bislang ermordet, bis zu eine Million Menschen sind vor den Kämpfern geflohen.

"Zunächst schien Boko Haram eine Gruppe zu sein, die nur lokal agiert", sagte AU-Chefin Nkosazana Dlamini Zuma zum Gipfel-Auftakt in Addis Abeba. "Aber jetzt sehen wir, dass sie weiter vorrückt in West- und Zentralafrika." Deshalb sei nun die Zeit zum Handeln gekommen. "Wir müssen gemeinsam vorgehen gegen diese Bedrohung. Wenn sie nicht eingedämmt wird, dann wird sie für uns alle zur Gefahr."

Boko Haram Kämpfer (Photo: AP)

Die Kämpfer von Boko Haram verbreiten in Westafrika Angst und Schrecken

Wer soll das bezahlen?

Deshalb sollen möglichst bald Soldaten aus dem Tschad, aus Niger, Kamerun und Benin den großen Nachbarn im Kampf gegen Boko Haram unterstützen. Sie sollen zunächst für ein Jahr gemeinsam kämpfen und auch den Auftrag erhalten, alle Geiseln der Boko Haram zu befreien. Auch die USA würden sich an dem Einsatz beteiligen, sagte eine Vertreterin des US-Außenministeriums. "Wir sind bereit, technische Hilfe zu leisten, Trainings anzubieten und Material zu liefern", so Linda Thomas-Greenfield, Staatssekretärin für Afrika im US-Außenministerium.

Wie genau der internationale Einsatz finanziert werden soll, ist allerdings noch offen. Das sei einer der kritischen Punkte, die auf dem Gipfel in Addis Abeba noch geklärt werden müssten, so Solomon Ayele Dersso vom Institut für Sicherheitsstudien in Addis Abeba gegenüber der DW. "Und die Staaten müssen sich noch einig werden, wie sie den Einsatz mandatieren. Sie werden die Sache wohl an den UN-Sicherheitsrat weitergeben, damit das höchste UN-Gremium die Mission autorisiert."

Kamerunische Soldaten an der Grenze zu Nigeria (Photo: Reinnier KAZE/AFP/Getty Images)

Kamerunische Soldaten bekämpfen Boko Haram - bislang nur auf dem eigenen Staatsgebiet

Angriff aus der Luft

Bereits seit dem Jahr 2003 arbeitet die Afrikanische Union am Aufbau einer eigenen Krisen-Eingreiftruppe, der "African Standby Force". "Das ist eine der dringendsten Angelegenheiten für den Kontinent, um mit terroristischen Bedrohungen wie in Nordostnigeria oder Mali umgehen zu können", so Derrso. Der Aufbau einer speziellen regionalen Truppe zum Kampf gegen Boko Haram zeige jedoch, dass die afrikanischen Staatschefs selbst nicht daran glaubten, bald eine gemeinsame Krisenreaktionskraft in den Einsatz zu schicken.

Unterdessen bombardierte laut Augenzeugenberichten am Donnerstag ein tschadisches Kampfflugzeug Boko-Haram-Kämpfer im nigerianischen Grenzort Malam Fatori. Die Augenzeugen berichteten, am Freitagmorgen seien die Straßen des Ortes von Leichen gesäumt gewesen. Es wäre das erste Mal, dass ausländische Soldaten Boko Haram auf nigerianischem Gebiet angegriffen haben. Schon bald könnte dies zur Routine werden.