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Afrika

Vereint gegen sexuelle Gewalt

Vergewaltigung ist in vielen Weltregionen eine gängige Kriegswaffe. In London beraten Menschen aus mehr als hundert Ländern, was man dagegen tun kann.

Es wurde allmählich dunkel, als Hania Moheeb im vergangenen Sommer auf dem Tahrir Platz in Kairo demonstrieren ging. Plötzlich schob sich eine Gruppe von Männern in ihren Weg. Sie zogen sie aus, fassten sie an und demütigten sie - Moheeb konnte knapp einer Vergewaltigung entgehen. "Sexuelle Belästigung ist seit ungefähr 20 Jahren ein großes Problem in Ägypten. Und ungefähr die Hälfte der Bevölkerung, nämlich die Männer, wollen das nicht anerkennen", erzählt sie. Die Polizei kümmere sich nicht darum: "In solch einer Atmosphäre gedeihen politische Gruppen, die Frauen daran hindern wollen zu demonstrieren und am politischen Leben teilzuhaben."

Hania Moheeb (Foto: Birgit Maaß, DW)

Hania Moheeb

Die Journalistin wurde zur Aktivistin. Auf der

internationalen Konferenz zur Beendigung sexueller Gewalt in Kriegsgebieten

, ausgerichtet vom britischen Außenministerium, spricht sie vor rund 900 Menschen aus mehr als 100 Ländern. Sie sieht die Konferenz in London als Chance: Allein die Tatsache, dass so viele Politiker, Diplomaten, Überlebende, Hilfsorganisationen und Experten zusammenkämen und etwas unternehmen wollten, sei ein Durchbruch.

Ein Protokoll für verbesserte Strafverfolgung

Bei der Konferenz geht es sowohl um Unterstützung für die Opfer, als auch um die Verfolgung von Straftätern und die Prävention. Die Teilnehmer wollen ein Arbeitspapier verabschieden, in dem einheitlich festgelegt wird, wie Vergewaltigungen dokumentiert werden können, um vor Gericht Bestand zu haben. Experten vor Ort sollen geschult und vernetzt werden, damit den Frauen besser geholfen und mehr Täter verurteilt würden.

Monika Hauser

von der Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale hat an diesem Protokoll mitgearbeitet: "Hier ist wichtig, dass verschiedene Fachkreise zusammenkommen - medizinisches, psychologisches und juristisches Personal", erklärt sie. Außerdem müsse die Polizei geschult werden, die Vergewaltigungen in vielen Regionen der Welt als Lappalie behandle: "Wenn Frauen auf die Polizeistation kommen, um eine Vergewaltigung anzuzeigen, und sie dort ausgelacht oder erneut belästigt werden, ist das sehr dramatisch für die Frauen. Sie wissen, dass sie in dieser Welt keine Gerechtigkeit bekommen können."

Angelina Jolie beim Gipfel in London Foto: REUTERS/Lefteris Pitarakis/Pool

Stargast bei der Konferenz in London: Die Schauspielerin Angelina Jolie

Über Vergewaltigung zu sprechen, fällt den Opfern schwer. In vielen Ländern werden sie sie zudem von ihren Familien verstoßen. Wie groß das Problem ist, zeigt das Beispiel Kongo: Das American Journal of Public Health berichtete, dass dort jede Stunde durchschnittlich 48 Frauen vergewaltigt werden. "Unsere Körper sind Teil des Krieges geworden", sagt die Kongolesin Masika Katsuva in dem eindringlichen Dokumentarfilm der britischen Regisseurin Fiona Lloyd-Davis, "Seeds of Hope". Katsuva wurde selbst mehrfach vergewaltigt, ebenso ihre beiden Töchter. Nun kümmert sie sich um andere Opfer: Mithilfe von Spenden hat sie ein kleines Zentrum gegründet und nimmt Vergewaltigte und von ihrer Familie verstoßenen Frauen sowie deren Kinder bei sich auf. Gemeinsam bearbeiten die Frauen ein kleines Stück Land und leben von dessen Erträgen. Dass sie anderen Frauen ein neues Heim geben kann, hilft Katsuva, mit ihrem eigenen Schicksal zurechtzukommen.

Aufklärung für Jungen und Männer

Die Männer müssen mit einbezogen werden, damit das Übel an der Wurzel gepackt wird, glaubt die ägyptische Aktivistin Hania Moheeb. Und Emime Ndihokubwayo aus Burundi, die für die Nichtregierungsorganisation ActionAid arbeitet, ergänzt: Bereits in den Schulen müsste vermittelt werde, dass sexuelle Gewalt ein Verstoß gegen die Menschenrechte ist. Besonders die Jungen müssten aufgeklärt werden.

Es sei positiv, dass die internationale Gemeinschaft Druck auf Länder ausübe, in denen Vergewaltigungen an der Tagesordnung stünden, so die Aktivistinnen. Das geplante Protokoll müsse aber auch umgesetzt werden: In Zukunft würde es darauf ankommen, dass Projekte vor Ort langfristig unterstützt würden - nicht nur mit Absichtserklärungen, sondern auch finanziell.

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