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Deutschland

Verbote bringen nichts

Die psychoaktive Kräutermischung "Spice" ist seit dieser Woche in Deutschland illegal. Doch solange Alkohol die Volksdroge Nummer eins ist, sollte man weiche Drogen nicht verteufeln, meint Silke Wünsch.

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Samstag früh, drei Uhr morgens. Die Vergnügungsmeile im Studentenviertel ist fast verwaist. In einem Hauseingang liegt ein Mädchen, vielleicht vierzehn oder fünfzehn Jahre alt. Sie hat keine Jacke an, ein Schuh fehlt. Die Haare sind verklebt. Ihre Augen sind halb geöffnet, doch sie sieht niemanden. Aus dem Mundwinkel läuft Speichel. Sie liegt in ihrem Erbrochenen. Neben ihr steht eine leere Flasche Wodka. Später wird ein Krankenwagen sie in die Notaufnahme bringen, wo ihr der Magen ausgepumpt wird.

Ein anderes Szenario könnte beschreiben, wie betrunkene Jugendliche einen Rentner anfallen, laut herumpöbeln und Flaschen zerwerfen, wie besoffene Männer ihre Frauen verprügeln, wie angeschiggerte Damen in der Eckkneipe randalieren.

Alkohol macht abhängig, Cannabis auch.

Pro Jahr sterben in Deutschland 16.000 Menschen an den direkten Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum - zehnmal mehr, als es Drogenopfer gibt. Unter den Drogentoten welche zu finden, die den so genannten weichen Drogen zum Opfer gefallen sind, gleicht der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Ernsthafte Argumente für den Alkoholkonsum und gleichzeitig gegen den Konsum von weichen Drogen gibt es nicht. Alkohol macht abhängig, Cannabis auch. Alkohol kann bei Überdosierung lebensgefährlich sein, Spice kann es auch. Nach einem Glas Sekt wird man lustig, nach etwas Gras wird man redselig. Nach einer Flasche Wodka kippt man um, nach zehn kräftigen Haschpfeifen klappt der Kreislauf zusammen.

Die Menge macht's

Egal ob es sich um ein Glas Bier oder um einen Joint handelt: Der richtige Umgang mit der richtigen Menge ist entscheidend. Das ist es, was man den Menschen vermitteln sollte - anstatt durch Verbote alles nur noch interessanter zu machen.

Denn gegen den Drang, sich "zuzudröhnen", kann kein noch so striktes Verbot etwas ausrichten. Machen wir uns doch nichts vor: Das tun wir doch alle mal gerne. Und solange wir feuchtfröhliche Feste feiern und dabei auch mal einen über den Durst trinken, solange es legales Komasaufen wie Karneval oder das Oktoberfest gibt, solange es Teenagern möglich gemacht wird, sich in die Bewusstlosigkeit zu trinken - so lange sollten wir uns nicht anmaßen, weitaus harmlosere Drogen wie Haschisch oder Marihuana zu verteufeln.

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