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Kultur

Venus-Sonde auf ihrem langen Weg

Im zweiten Anlauf ist der Start der europäischen Sonde Venus-Express gelungen. Die Mission soll einige der vielen Rätseln des bisher nur wenig erforschten Nachbarplaneten lösen.

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Perfekt: Der Start in einer Animation

Die Raumsonde "Venus Express" der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) trat am Mittwoch (9.11.) vom russischen Raumfahrtbahnhof Baikonur in Kasachstan ihre Reise zum Nachbarplaneten der Erde an. Zwei Stunden später meldete das ESA- Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt, die Sonde habe sich planmäßig von ihrer Trägerrakete getrennt, und alle Bordsysteme funktionierten einwandfrei.

Esa startet Venus Express

... und so der Venus Express am Ziel

Der ursprünglich für Ende Oktober geplante Start war wegen einer Verunreinigung der Trägerrakete abgebrochen worden. Nach der Trennung von der Sojus-Fregat-Trägerrakete wird die Sonde von ESOC in Darmstadt über ihre gesamte Lebensdauer hinweg gesteuert. Die Planetensonde soll nach circa 160 Tagen Reise im April 2006 am Ziel ankommen.

450 Grad und enormer Druck

Die Venus ist der Erde mit minimal 40 Millionen Kilometern viel näher als der wesentlich besser erforschte Mars, der dem blauen Planeten höchstens auf 56 Millionen Kilometer nahe kommt. Venus ist fast genauso groß, dicht und schwer wie die Erde. Sie ist dank ihrer größeren Nähe zur Sonne oft auch sehr gut zu sehen, dichte Wolken verhindern jedoch den direkten Blick auf ihre Oberfläche. Bisher waren alle Versuche, die Schleier zu lüften, wegen der unwirtlichen Bedingungen auf dem Stern nur wenig erfolgreich: Der Atmosphärendruck ist 90 Mal so hoch wie auf der Erde, die Durchschnittstemperatur liegt bei etwa 450 Grad Celsius. Keine Raumkapsel, die jemals in diese Hölle hinab gestiegen ist, hat es lange darin ausgehalten. Den Rekord hält ein russisches Gerät, das 110 Minuten in der Hitze überlebte.

Zwei Venustage haltbar

Die 150 Millionen Euro teure Venus-Sonde soll deshalb nach seiner gut fünfmonatigen Reise in sicherer Entfernung auf eine elliptische Bahn einschwenken, die über die Venuspole führt. Wenn alles klappt, wird sie aus ihrer zwischen 250 und 66.000 Kilometern hohen Umlaufbahn die turbulente Atmosphäre vermessen und analysieren - für eine planmäßige Lebensdauer von etwa 500 Tagen. Dies entspricht wegen der sehr langsamen Eigenrotation des Planeten ganzen zwei Venustagen. Warum das so ist, bleibt den Astronomen ein Rätsel - eines von vielen. Eines der größten Geheimnisse ist, warum ein Planet, der der Erde so sehr ähnelt, im Laufe der letzten 4,6 Milliarden Jahre eine so unterschiedliche Entwicklung durchgemacht hat: Der wichtigste Bestandteil der Venusatmosphäre ist beispielsweise das Treibhausgas Kohlendioxid. Am Boden herrscht fast Windstille, doch in großer Höhe jagen Wolken aus Schwefelsäure mit 400 Kilometern pro Stunde in nur vier Tagen um den Planeten - in viel größerer Geschwindigkeit, als die Venus sich um ihre eigene Achse dreht: Ein im Sonnensystem einmaliges Phänomen.

"Wir haben große Erwartungen", sagte ESA-Generaldirektor Jean- Jacques Dordain. Um die Entwicklung des Klimas auf der Erde zu verstehen, gelte es, die allgemeinen Mechanismen von Planetenatmosphären zu entschlüsseln. Die Venus sei in dieser Hinsicht von besonderem Interesse, weil sie einmal große Ähnlichkeit mit der Erde aufgewiesen habe. "Wir müssen verstehen, warum und wie sie sich ab einem bestimmten Punkt so unterschiedlich entwickeln konnten, dass der eine Planet die Wiege des Lebens wurde, während sich der andere in eine wahre Hölle verwandelte", sagte er.

Die Venus

Unbekannte Nachbarin: Die Venus

Venus-Express wurde wie schon der Mars-Express von EADS-Astrium in Toulouse gebaut. Insgesamt sind 25 Unternehmen aus 14 europäischen Staaten beteiligt, darunter mehrere deutsche Firmen und Institute. So lieferten deutsche Töchter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS das Antriebssystem und die Stromversorgung. Das Venus-Projekt knüpft nicht nur mit dem Namen an den erfolgreichen Mars-Express an, der seit Weihnachten 2003 viele spektakuläre Bilder des Planeten geliefert hat. Die meisten Instrumente von Venus-Express sind mehr oder weniger verbesserte Nachbauten von Geräten aus der Mars-Sonde. Daher konnte die Sonde auch in der relativ kurzen Zeit von gut drei Jahren auf den Weg gebracht werden. (sams)

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