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Kultur

"Vater des arabischen Romans" ist tot

Der ägyptische Nobelpreisträger für Literatur, Nagib Mahfus, ist am Mittwoch (30.8.) im Alter von 94 Jahren gestorben. Er war der erste und bislang einzige arabischsprachige Literatur-Nobelpreisträger.

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Nagib Mahfus ist tot

Seinen Tod bestätigte am Mittwoch ein Arzt im Polizei-Krankenhaus in Kairo, in dem der Romanautor seit Juli unter anderem wegen Nierenproblemen behandelt worden war. Er war Mitte Juli nach einem Sturz in die Klinik eingeliefert worden.

Mahfus hatte den Nobelpreis 1988 als erster und bislang einziger Schriftsteller der arabischen Welt erhalten. Etliche seiner Bücher wurden auch ins Deutsche übersetzt - so zum Beispiel die Romanserie "Kairoer Trilogie", die ihn weltweit berühmt machte.

Zunächst Beamtenlaufbahn

BdT: Thomas Mann

Mahfus' Vorbild: Thomas Mann

Der Schriftsteller wurde am 11. Dezember 1911 als Sohn eines Staatsbeamten in Kairo geboren. Er erhielt eine traditionelle Erziehung an einer Koranschule und studierte in den 1930er Jahren am Literatur- und Philosophiekolleg der Ägyptischen Universität von Kairo. Er schlug zunächst eine Beamtenlaufbahn ein, ging jedoch nebenher stets seiner Autorentätigkeit nach. Als literarische Vorbilder hatte er Taha Husain, Taufiq al-Hakim sowie die großen europäischen Schriftsteller John Galsworthy, Tolstoj oder Thomas Mann bezeichnet. 1939 debütierte Mahfus mit einer Novellensammlung.

Der als "Vater des arabischen Romans" bezeichnete Schriftsteller schrieb mehr als 40 Romane, Theaterstücke und Kurzgeschichten. Darin griff er fast alle Stilrichtungen vom Symbolismus bis zum Expressionismus und zur Allegorie auf. Sein internationales Ansehen als einer der wichtigsten ägyptischen Gegenwartsautoren begründete Mahfus in den 1940er Jahren mit sozialkritischen Gesellschaftsromanen, in denen das Leben im Bürger- und Kleinbürgermilieu von Altkairo detailliert geschildert ist.

Messerattacke

Kairo im Nebel

Mahfus' Heimat Kairo

Sein umstrittenstes Werk war der Roman "Die Kinder unseres Viertels" von 1959. Das Werk über Glaube und falsche Heilslehren wurde nicht nur auf den Index gesetzt, islamistische Kritiker stuften den Roman auch als "gotteslästerlich" ein. 1994 stach ein religiöser Fanatiker Mahfus nieder, der selbst ein liberaler und toleranter Muslim war. Der zuckerkranke und fast erblindete Autor überlebte den Mordanschlag, litt jedoch bis zu seinem Tod unter den gesundheitlichen Folgen dieser Messerattacke. Seit dem Anschlag las er nicht mehr und verließ auch nicht mehr sein Haus.

Mahfus erhielt unter anderem 1957 den Ägyptischen Staatspreis für Literatur, wohingegen er die Ehrendoktorwürde der Jerusalemer Universität 1992 ablehnte. Den Literaturnobelpreis, den seine Töchter für ihn entgegen nahmen, wurde 1988 als Auszeichnung der gesamten arabischen Gegenwartsliteratur verstanden und als kulturpolitisches Signal gewürdigt. Kritik gab es allerdings von arabischer Seite, die darauf verwies, dass Mahfus eigentlich nur ägyptische Themen aufgegriffen habe. (ina)

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