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Atomstreit

USA-Nordkorea: Die Provokationen gehen weiter

Wie viele Drohungen müssen ausgesprochen werden, bis eine Seite sie tatsächlich umsetzt? US-Verteidigungsminister Mattis warnt vor "Vernichtung" und Nordkorea plant den Guam-Angriff.

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USA-Nordkorea: Die Provokationen gehen weiter

Im Atomstreit mit Nordkorea hat US-Verteidigungsminister James Mattis die Führung in Pjöngjang vor der "Vernichtung" des eigenen Volkes gewarnt. Nordkorea sei den USA und ihren Verbündeten militärisch deutlich unterlegen, erklärte Mattis in Washington. Er rief die nordkoreanische Regierung auf, ihr Programm zur Entwicklung atomarer Waffen aufzugeben und warnte nachdrücklich vor allen "Aktivitäten, die zum Ende des Regimes und zur Vernichtung seines Volkes führen würden".

Auch US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mit starken Worten die Wirksamkeit der US-Streitkräfte gerühmt. Auf Twitter schrieb er, das Nuklearwaffenarsenal der Vereinigten Staaten sei "schlagkräftiger als je zuvor".

Angriff auf Guam Mitte August möglich

Nordkoreas Militärführung zeigte sich demonstrativ unbeeindruckt und sprach dem US-Präsidenten jegliches Verständnis für die "ernste Situation" ab. "Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen", hieß es in einer Stellungnahme der Streitkräfte, aus der die nordkoreanische Staatsagentur KCNA zitierte.

Gleichzeitig erneuerte Nordkorea seine Drohung mit einem Angriff auf die Pazifikinsel Guam, auf der sich ein US-Stützpunkt befindet. Bis Mitte August solle der Einsatzplan stehen, um vier Mittelstreckenraketen vom Typ Hwasong-12 auf Guam abzufeuern. Der Plan werde Staatschef Kim Jong Un vorgelegt, der dann über das weitere Vorgehen entscheiden werde.

Guam US-Lauftwaffe (Reuters/U.S. Air Force/Tech. Sgt. Richard P. Ebensberger)

Vom Luftwaffenstützpunkt Guam starten US-Bomber - hier am 8. August für eine Mission über der koreanischen Halbinsel

US-Außenminister Rex Tillerson äußerte sich in mäßigenden Worten. Bei einem Stopp auf Guam sagte er, er glaube nicht, dass es eine unmittelbare Bedrohung gebe, die Amerikaner könnten ruhig schlafen. Allerdings versuchte er auch, seinen Präsidenten zu erklären: Trump habe nur die nordkoreanische Rhetorik in gleicher Sprache beantwortet. Eine Sprecherin seines Ministeriums konnte in den unterschiedlichen Äußerungen der US-Regierung kein Problem sehen: "Wir sprechen alle mit einer Stimme."

Nun auch Südkorea - verbal - im Kampfmodus

Südkoreas Militär warnte unterdessen die nordkoreanische Führung mit ungewohnt deutlichen Worten vor einer weiteren Eskalation des Konflikts. Sollte der Norden seine "Provokationen" nicht unterlassen, werde das kommunistische Nachbarland "die harte und resolute Vergeltung der Alliierten" zu spüren bekommen, sagte der Generalstabschef der südkoreanischen Streitkräfte, Roh Jae Cheon. Man sei darauf vorbereitet, die "Provokationen" Nordkoreas umgehend zu kontern. 

Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua wiederum kritisierte den verbalen Schlagabtausch zwischen den USA und Nordkorea scharf. In einem Kommentar hieß es, ohne eine "Rückkehr zur Vernunft" werde "alles noch schlimmer". Nordkorea sollte sein Atom- und Raketenprogramm einstellen, während die USA und Südkorea ihre Militärmanöver aussetzen müssten, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Auch Japans Regierung rief zur Mäßigung auf, richtete ihren Appell aber ausschließlich an Pjöngjang.

Trotz Verboten des UN-Sicherheitsrates und Warnungen aus dem Ausland hatte Nordkorea am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern. Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

sti/fab/se (afp, dpa, rtr)

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