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Afrika

US-Truppen in Niger: GIs in heikler Mission

Seit bei einem Anschlag auf US-Truppen Anfang diesen Monats neun Soldaten starben, stehen die Militäreinsätze der USA in Afrika im Mittelpunkt einer Kontroverse. Die DW beantwortet dazu die drei wichtigsten Fragen.

Was genau ist bei dem Angriff auf US-Soldaten in Niger passiert?

Zwölf Mitglieder einer US-Spezialeinsatztruppe und 30 nigrische Soldaten wurden am 4. Oktober bei einer Aufklärungsmission nahe Nigers Hauptstadt Niamey von einer großen Gruppe mutmaßlich islamistischer Kämpfer überrascht. Es kam zu einem Feuergefecht, bei dem fünf nigrische und vier amerikanische Soldaten getötet wurden. Die Angreifer sollen Verbindungen zum Islamischen Staat (IS) haben.

Informationen zur Mission der US-Truppe sowie zum genauen Verlauf des Einsatzes sind bisher ungenau und könnten sich noch ändern, so der oberste General, Joseph Dunford, bei einer Pressekonferenz am Montag.

Viele Fragen sind noch offen. Unklar ist, warum die Truppen erst eine Stunde nach Beginn des Feuergefechts Verstärkung anforderten. Zuvor hatte das Pentagon behauptet, dies wäre bereits nach einer halben Stunde geschehen. Nicht geklärt ist bisher auch, warum französische Militärjets - die nächste Verstärkungseinheit in der Gegend - erst nach einer Stunde eintrafen und dann noch zögerten, Bomben auf die Angreifer zu werfen.

Die ungenauen und zum Teil fehlerhaften Informationen, die das Pentagon bisher herausgegeben hat, haben dem Verteidigungsministerium viel Kritik eingebracht. Experten wundern sich allerdings nicht darüber.

"Gefechte sind unübersichtliche, chaotische Ereignisse und es dauert fast immer länger als man vermuten würde, bis man versteht, was in einer kleinen Gefechtseinheit passiert ist", so Stephen Biddle. Der US-Militärexperte von der George Washington Universität hat schon Spitzengeneräle wie David Petraeus and Stanley McChrystal beraten.

Warum sind US-Truppen in Niger und Afrika im Allgemeinen im Einsatz?

Diese Frage stellen sich nicht nur viele amerikanische Wähler, sondern auch Spitzenpolitiker, seit über die Attacke in Niger berichtet wurde. US-Truppen sind schon länger in Niger aktiv. Das ist auch öffentlich bekannt, fand jedoch bisher wenig Beachtung. Unter Barack Obama wurden seit 2013 die Truppen dort aufgestockt, um Geheimdienstaktivitäten in der Region zu stärken und Frankreich zu unterstützen, das im Nachbarland Mali einen Militärstützpunkt hat.

Der wachsende Einfluss diverser Terrorgruppen in Afrika hat in der breiten US-Öffentlichkeit bisher kaum Beachtung gefunden. Das Pentagon jedoch hat kontinuierlich die Präsenz kleiner, spezialisierter Militäreinheiten in der Region ausgebaut.

Das Pentagon gab im vergangenen September bekannt, dass es auf Bitten der nigrischen Regierung für 100 Millionen US-Dollar (ca. 85 Million Euro) einen vorübergehenden Militärstützpunkt errichten werde, um Terroraktivitäten in der Region mit Drohnen zu überwachen. Laut Verteidigungsministerium sind derzeit 800 US-Soldaten in Niger stationiert. Etwa 6000 US-Soldaten seien insgesamt in Afrika aktiv, so General Dunford am Montag.

Einige US-Abgeordnete wie Senator John McCain, die dem Verteidigungsministerium nach dem Vorfall in Niger vorwarfen, den Kongress nicht ausführlich genug informiert zu haben, mögen Recht haben. Tatsache ist jedoch, dass sich die wenigsten Abgeordneten mit den Details solcher Missionen im weit entfernten Afrika regelmäßig beschäftigen, so Colby Goodman, Direktor des Security Assistance Monitor im Gespräch mit DW.

"Ich nehme an, dass Niger kein Thema ist, über das viele Senatoren sich regelmäßig Gedanken machen - sie arbeiten ja an vielen Baustellen und sind nicht unbedingt auf dem letzten Stand der Dinge".

Senegal Fluglotsen mit US Air Force Flugzeug (Getty Images/AFP/L. Gelfand)

Die USA haben insgesamt etwa 6000 Soldaten in diversen afrikanischen Ländern stationiert, 800 davon in Niger.

Gleichzeitig ist das Pentagon nicht unbedingt bemüht, den Kongress ausführlich über solche Einsätze von relativ kleiner Truppenstärke zu informieren.

"Ich glaube, es gibt eine massive Aufmerksamkeitslücke. Es gibt viele Informationen dazu, was los ist [in Afrika]", so US-Militärexperte Bibble. "Aber nicht viele Leute schenken dem Ganzen Beachtung."

Wie erfolgreich ist der amerikanische Militäreinsatz in Afrika?

Ähnlich wie in anderen Regionen zuvor ist Washingtons Militärstrategie in Afrika darauf ausgerichtet, den Terrorismus zu bekämpfen. Lokale Partnerregierungen sollen einen Großteil der Truppen stellen und die Militäreinsätze tragen.

Die USA stellen also ein relativ kleines Truppenkontingent in den afrikanischen Ländern, wo sie stationiert sind. Dennoch übersteige die Zahl der Militärangehörigen im Niger deutlich die Anzahl der Mitarbeiter von US-Entwicklungsorganisationen im Land, so Colby Goodman. Dies wird als eine zu einseitige Politik kritisiert.

Eine Studie von Militärexperte Biddle kam Anfang diesen Jahres zu dem Schluss, dass eine US-Strategie, bei der man sich mit einer relativ kleinen Truppe vor Ort vor allem auf das Training und die Beratung der Truppen von Partnerregierungen  konzentriert, problematisch sei. "Kleiner Fußabdruck heißt auch kleine Wirkung", resümiert Biddle.

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