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USA

Trump und die toten GIs

Eine Lüge ist bei US-Präsident Trump eigentlich nichts Besonderes. Aber die Aussage, er hätte sich um alle Angehörigen von Gefallenen gekümmert, ist gewagt. Sein Stabschef Kelly verteidigt jedoch den Präsidenten.

In einer jener schon fast klassischen Pressekonferenzen am Donnerstag behauptete der US-Präsident, er habe sie angerufen, alle, und immer. Gemeint waren die Hinterbliebenen der Opfer, die die US-Armee auf den Schlachtfeldern der Welt zu beklagen hat. Seine Amtsvorgänger hätten sich ja nie oder nur selten bei Hinterbliebenen von Gefallenen gemeldet.

Doch diese Unwahrheit sollte sich rächen. Hier hat Trump ein emotionales Minenfeld betreten. Über Tage meldeten sich immer mehr Mütter, Väter und Witwen in US-Medien zu Wort, die sagten: Stimmt nicht. Das ist gelogen. Trump hat sich nie gemeldet. So wie Whitney Hunter, die auf CNN sagte, als ihr Mann gefallen sei, habe sie von vielen gehört, aber sicher nicht vom Präsidenten.

Armee ist geachtet

Dumm nur für Trump ist, dass gerade dieses Themenfeld in den USA emotional stark besetzt ist. Das Thema hat in den USA Nordkorea von Platz eins verdrängt, den Iran-Deal ebenso, sogar den erbitterten Streit um "Obamacare". Denn die gesellschaftliche Stellung der Soldaten ist in Amerika eine ganz besondere, völlig anders als zum Beispiel in Deutschland.

Hier verschmelzen Patriotismus, Geschichte, Respekt, Dankbarkeit und Stolz auch mit einer Liebe zu Stärke und Zeremonie. Wildfremde danken auf offener Straße Uniformierten: "Thank you for your service", Danke für Ihren Dienst. Mit dem Militär treibt man keine Scherze. Auch Erzliberale und Altlinke achten Soldaten. Gefallene werden bedingungslos geehrt. Angehörige des Militärs erhalten Rabatte und werden bevorzugt behandelt, am Flughafen gehören sie zu den ersten, die einsteigen dürfen.

"Medien sind Schuld"

Die unselige Pressekonferenz des US-Oberbefehlshabers Trump hatte prompt einen Schub Mehrarbeit für seine Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung zur Folge. Sprecherin Sarah Sanders machte, wie so oft, die Medien verantwortlich: Die hätten wieder einmal alles unverhältnismäßig aufgeblasen und die Sache "politisiert". Dabei machte Trump aber diesen Fehler ohne Not und ganz alleine. Die "Washington Post" hatte zuvor 13 Familien von Soldaten erreicht, die seit Trumps Amtsantritt im Einsatz getötet wurden. Von ihnen wurde die eine Hälfte von Trump angerufen, die andere Hälfte hat nie etwas gehört. Trump hatte aber gesagt: "Meine Haltung ist, sie alle anzurufen."

US Soldat La David Johnson starb am 4. Oktober 2017 (imago/Zumapress/Us Army)

Der US-Soldat La David Johnson starb am 4. Oktober 2017 beim Einsatz im Niger

Angeblich hatte Trump sofort nach seiner Pressekonferenz die Witwe von La David Johnson angerufen, Witwe eines getöteten Soldaten.

Die Abgeordnete Frederica S. Wilson sagt, sie sei im Wagen der Witwe Johnsons gewesen und habe Trump auf dem Lautsprecher des Telefons gehört. Der Präsident habe gesagt, Johnson habe ja gewusst, worauf er sich dort eingelassen habe - aber er vermute, es schmerze gleichwohl. Ob das so stimmt, weiß man nicht. Trump widersprach sofort und vehement, ebenso einer weiteren Zeugin, das sei alles eine glatte Erfindung.

Frederica Wilson (picture-alliance/AP Images/A.Diaz)

Widerspricht dem Präsidenten: Die Abgeordnete Frederica Wilson

Mitte der Woche deckte die "Washington Post" dann dieses auf: Wenige Wochen nach dem Tod seines 22-Jährigen Sohnes Dillon in Afghanistan habe Trump ihn angerufen, sagte Chris Baldridge dem Blatt. Er habe dem Präsidenten erzählt, wie enttäuscht er von den Hinterbliebenenzahlungen des Militärs sei. Trump habe daraufhin einen Scheck über 25.000 US-Dollar aus eigener Tasche angeboten. Das ist schon für sich genommen bemerkenswert. Baldridge sagte, er habe das Geld nicht bekommen. Das Weiße Haus sagte nun, der Scheck sei versandt.

Kelly verteidigt Trump

Unterdessen versucht John Kelly, Stabschef im Weißen Haus, den Präsidenten gegen Kritik am Umgang mit gefallenen Soldaten zu verteidigen. In einem emotionalen Auftritt vor der White-House-Presse in Washington sagte Kelly, er sei fassungslos über manche Kritik der letzten Tage. Er habe gedacht, dass zumindest dieser Vorgang heilig sei: der Anruf des US-Präsidenten bei den Hinterbliebenen von Gefallenen.

Kellys Auftritt lässt sich so interpretieren, dass das Weiße Haus versucht, den von Trump verursachten Schaden durch einen seiner besten Leute einzudämmen. Ex-General Kelly hat dafür eine besondere Glaubwürdigkeit. Sein Sohn fiel 2010 in Afghanistan, und als ehemaliger Kommandeur der US-Marines hat er breite Erfahrung mit dem Tod von Soldaten.

John F. Kelly (Picture-Alliance/AP Photo/S. Walsh)

John Kelly, Stabschef des US-Präsidenten

Kelly sagte, er habe Trump zunächst geraten, nicht bei den Familien Gefallener anzurufen. Es sei nicht immer das, worauf Familien sich freuten. Er bestätigte, dass Barack Obama ihn beim Tod seines Sohnes nicht angerufen habe. Das sei aber keine Kritik gewesen, sondern nur ein Fakt. Er glaube nicht, dass alle Präsidenten immer zum Hörer gegriffen hätten. Interessanterweise bestritt Kelly die inhaltliche Kritik an Trump nicht. Es reklamierte einen angemessenen, würdigen Umgang der Medien mit dem Thema.

Dubioser Einsatz im Niger?

Die ganze Geschichte hatte einen aktuellen Hintergrund: Im Niger wurden am 4. Oktober vier US-Soldaten bei einem Einsatz getötet. Trump wurde zum Einsatz gefragt, das sei ja nun zwölf Tage her, ob er sich mittlerweile bei den Hinterbliebenen gemeldet habe? Trump wich aus, er werde das zu gegebener Zeit tun - und griff dann seine Vorgänger an.

Dabei berichtete "Politico", Trumps Stab habe ihm sofort eine Stellungnahme zum Niger vorbereitet. Trump habe sie aber nie verwendet. Warum nicht, ist sein Geheimnis. Das Ganze führt nun auch dazu, dass die Umstände dieses US-Einsatzes im Niger sehr genau hinterfragt werden. 

Afghanistan Mattis und Stoltenberg bei Ghani PK in Kabul (Reuters/O. Sobhani)

US-Verteidigungsminister James Mattis verwart sich gegen Spekulationen über den Niger-Einsatz

Dementsprechend hat Verteidigungsminister James Mattis vor Spekulationen über den Vorfall gewarnt. Der Tod der Soldaten werde untersucht, sagte der Pentagon-Chef. "Wir haben noch nicht alle genauen Informationen dazu. Wir werden sie rasch veröffentlichen, sobald wir sie haben." Mattis verwehrte sich gleichzeitig gegen die Darstellung, einer der Soldaten sei zurückgelassen worden.

Das US-Militär lasse seine Soldaten nicht zurück, sagte er. Bei dem Anti-Terror-Einsatz am 4. Oktober waren vier amerikanische und fünf nigrische Soldaten getötet worden. Ihre Militärpatrouille war rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Niamey nahe der Grenze zu Mali in einen Hinterhalt geraten. Die USA machen eine Gruppe mit Verbindungen zur Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" für die Attacke verantwortlich. Zu dem Vorfall gibt es noch viele offene Fragen. So wurde einer der getöteten Soldaten erst nach zwei Tagen gefunden.

USA Senator John McCain in Washington (Reuters/Aaron P. Bernstein)

Hat viele Fragen: US-Senator John McCain

McCain ist frustriert

Der republikanische Senator John McCain zeigte sich in den vergangenen Tagen zunehmend frustriert über die Informationspolitik des Weißen Hauses in dieser Sache. Er sagte, der Verteidigungsausschuss des Senats werde möglicherweise eine eigene Untersuchung einleiten. McCain ist Vorsitzender des Gremiums.

cgn/ml (ap, dpa)