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Politik

US-Truppen am Hindukusch brauchen noch Zeit

Der Oberbefehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan, Petraeus, hat den von Präsident Obama genannten Abzugstermin der US-Truppen in Frage gestellt. Der Kampf gegen die Taliban sei noch lange nicht vorbei.

David Petraeus (Foto: AP)

US-General Davis Petraeus ist anderer Meinung als Präsident Obama

Der Afghanistan-Krieg wird kein schnelles Ende finden. So lautet die klare Aussage des neuen Oberkommandeurs der ISAF-Truppen, David Petraeus, in einem Interview des amerikanischen Fernsehsenders NBC. Der General wurde sogar noch deutlicher. Es sei viel zu früh, um sagen zu können, wann der Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban in dem Land endgültig zum Erfolg führen werde.

Der Beginn eines Prozesses

US-Soldaten bei einem Einsatz in Mardschah (Foto: AP)

Der Abzug der US-Soldaten wird sich vermutlich noch hinziehen

Petraeus, der sich bereits bei seiner Ernennung Ende Juni vor dem US-Kongress in Washington ähnlich geäußert hatte, zog nun die Ankündigung von US-Präsident Barack Obama in Zweifel, die US-Soldaten ab Sommer 2011 nach Hause zu holen. Der Termin sei nicht in Stein gemeißelt, so der General. "Ich glaube, der Präsident hat klar gemacht, dass es sich um einen Prozess handeln wird, nicht um ein Ereignis, und dass dieser Prozess von den Rahmenbedingungen abhängen wird." Der Kampf gegen die Taliban sei nach wie vor von einem ständigen "Auf und Ab" geprägt. Und: Sollte es die Situation erfordern, würde er nicht davor zurückschrecken, von Obama eine Verschiebung des Abzugstermins zu fordern.

Im Übrigen sei das Thema zwischen ihm und dem Präsidenten bereits zur Sprache gekommen. Er habe mit Obama eine "gute Diskussion" darüber gehabt, so Petraeus weiter. Obama habe ihm verdeutlicht, dass er von ihm die "besten militärischen Ratschläge" erwarte. Das Ziel, Afghanistan nachhaltig zu befrieden und die Verantwortung zunehmend an die Regierung in Kabul zu übergeben, benötige Zeit, weil man dabei die Bevölkerung einbeziehen wolle.

Wo ist Osama?

"Wenn man nicht jeden Bösewicht in dem Land töten oder verhaften will, dann muss man diejenigen integrieren, die Teil der Lösung werden wollen, statt ein Teil des Problems zu bleiben", betonte Petraeus. Das Hauptziel des Krieges bleibe es, die Region nicht wieder zum sicheren Hafen für Terroristen werden zu lassen. Auch die Verhaftung des El-Kaida-Führers Osama bin Laden stehe weiter ganz oben auf der Agenda. Der Terrorist habe sich vermutlich tief in die Isolation begeben, um unauffindbar zu sein. Niemand wisse, in welcher Region er sich aufhalte.

Einsatz in den USA immer unbeliebter

Soldaten tragen einen Sarg mit US-Flagge aus einem Flugzeug (Foto: AP)

Im Juli wurden 66 US-Soldaten getötet

Keine guten Nachrichten für den US-Präsidenten, denn der hatte den Rückzug vom Hindukusch im Dezember vergangenen Jahres als eine Bedingung für seine Entscheidung genannt, 30.000 weitere Soldaten in den Krieg zu schicken. Derzeit ist der Einsatz in Afghanistan in den USA aber so unbeliebt wie nie zuvor - und im November stehen Zwischenwahlen an.

Mit 66 getöteten Soldaten war der Juli der bislang blutigste Monat für die US-Einsatzkräfte am Hindukusch. Wie die unabhängigen Website icasualties.org mitteilte, kamen seit dem Beginn des Einsatzes vor knapp neun Jahren mehr als 2000 ausländische Soldaten ums Leben, darunter 1226 US-Soldaten und 331 Einsatzkräfte aus Großbritannien, dem zweitgrößten Truppensteller. Allein in diesem Jahr wurden bislang 434 Einsatzkräfte der internationalen Schutztruppe ISAF getötet, im bislang blutigsten Jahr 2009 waren es 521.

Autorin: Eleonore Uhlich (dpa, afp)
Redaktion: Christian Walz

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