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Amerika

US-Reporter als Spielfigur im Atomstreit?

Auch nach dem ersten Prozesstag gegen Jason Rezaian in Teheran bleibt unklar, was der US-Reporter im Iran ausspioniert haben soll. Seine Kollegen von der "Washington Post" halten die Vorwürfe ohnehin für erfunden.

Jason Rezaian (Foto: Reuters)

Jason Rezaian

"Wir wissen kaum etwas über den Ablauf des Verfahrens, alles wird geheim gehalten", erklärte der leitende Außenpolitik-Redakteur der "Washington Post", Douglas Jehl, im DW-Interview. Der Prozess gegen Rezaian, dem in Teheran Spionage und "Zusammenarbeit mit feindlichen Regierungen" vorgeworfen wird, wurde am Dienstag (26.05.2015) nach nur drei Stunden vertagt. Wann er fortgesetzt wird, ist noch unklar. "Wir wissen, dass der Richter seine Anklage vorgelesen hat. Doch nicht einmal der Anwalt darf sich öffentlich äußern", so Jehl.

Rezaian und seine iranische Frau Yeganeh Salehi waren im Juli 2014 in ihrem Haus in Teheran festgenommen worden. Salehi wurde im Oktober gegen Kaution freigelassen. Im Prozess gegen ihren Mann wurde ihr der Zugang zum Gerichstsaal verwehrt. "Wir sind im Kontakt mit Yeganeh und mit Rezaians Mutter. Keine von ihnen weiß jedoch, wie es weitergeht", berichtete Jehl.

Douglas Jehl und Miodrag Soric (Foto: DW)

In Sorge: Douglas Jehl im Gespräch mit DW-Korrespondent Miodrag Soric

"Die Welt muss diesen Prozess hinterfragen"

Rezaians langjähriger Kollege zeigte sich besorgt um den US-iranischen Reporter. "Wir hoffen, dass nach dem heutigen Prozessauftakt die Welt Druck macht und das Verfahren gegen Jason hinterfragt", sagte Jehl im DW-Interview. "Wir hofften, heute mehr zu erfahren - vergebens".

Auch die US-Regierung forderte den Iran auf, die "absurden Anschuldigungen" gegen Rezaian fallen zu lassen und ihn umgehend auf freien Fuß zu setzen. Dass Rezaian nun hinter verschlossenen Türen der Prozess gemacht werde, zeige das "völlige Fehlen von Transparenz und Rechtsstaatlichkeit" in dem Fall, erklärte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Bernadette Meehan. Sollte Rezaian für schuldig erklärt weden, drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.

"Spielfigur" Rezaian

Das Verhältnis zwischen dem Westen und dem Iran ist seit Jahrzehnten angespannt, auch wenn sich die Führung in Teheran zuletzt mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland auf Eckpunkte für ein Abkommen verständigte, das den Atomkonflikt beilegen soll. Dieses Abkommen stößt allerdings bei radikalen Kräften im Iran auf Widerstand.

Die "Washington Post" mutmaßt, Rezaian sei zu einer "Spielfigur" in den internen Machtkämpfen im Iran geworden. "Zwar versichern die Beteiligten an den Atomgesprächen, dass Jasons Fall nichts mit den Verhandlungen zu tun habe", so Jehl. Dennoch zeigt er sich davon überzeugt: Der Iran versuche, mit dem Prozess Druck auszüben.

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