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Aktuell Amerika

US-Polizei wegen verschollener Frauen in der Kritik

Nach der Befreiung dreier Frauen, die zehn Jahre lang in einem Haus in Cleveland gefangen gehalten wurden, treten peinliche Fragen auf. Neben dem Motiv ist völlig rätselhaft, wieso der Täter unbemerkt bleiben konnte.

Zwei Polizeifahrzeuge stehen vor dem Haus in Cleveland (Photo: Bill Pugliano/Getty Images)

USA Entführung in Cleveland

Der Fall erinnert an die jahrelange Gefangenschaft von Natascha Kampusch und die Pannen bei der österreichischen Polizei: Als die drei Entführten vor rund zehn Jahren zuletzt gesehen wurden, waren sie teils noch Teenager. Jetzt sind die drei junge Frauen in den USA nach jahrelanger Gefangenschaft unter spektakulären Umständen aus einem Haus in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio befreit worden. Eine von ihnen, die 27-jährige Amanda Berry, hat mittlerweile eine kleine Tochter, die sie womöglich in Gefangenschaft zur Welt brachte.

Die USA sind tief bewegt angesichts der Tortur, die die jungen Frauen all die Jahre erleiden mussten. Und auch kritische Fragen tauchen auf. Denn wie konnte es sein, dass die Entführungsopfer so lange gegen ihren Willen festgehalten wurden und unentdeckt blieben - von den Nachbarn und der Polizei.

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Ende eines Martyriums

Drei verdächtige Brüder wurden festgenommen. Berry hatte nach ihrer Befreiung angegeben, sie sei von Ariel Castro verschleppt worden. Die Polizei erklärte, der 52-Jährige sowie seine 50 und 54 Jahre alten Brüder Oneil und Pedro stünden unter Verdacht und befänden sich in Gewahrsam.

Nachbarn beschrieben Ariel Castro als freundlichen Mann. Er arbeitete früher als Busfahrer. Die Nachbarn dachten, er lebe allein in dem Haus. "Uns liegen bisher keinerlei Hinweise auf etwas Verdächtiges in dem Haus vor", erklärte die Polizei.

Nachbarn alarmierten die Polizei

Zeugen widersprachen dem jedoch in Fernsehberichten. Eine Nachbarin schilderte, sie habe zusammen mit Freundinnen eine nackte Frau im Garten des Hauses gesehen. Dies sei ihr merkwürdig vorgekommen und sie habe die Polizei angerufen. Dort jedoch habe man den Anruf nicht ernst genommen und für einen Scherz gehalten.

Andere berichten, zwei mal sei die Polizei vor Ort gewesen, habe aber das Haus nie betreten. Waren die Behörden zu leichtfertig? Wurde einfach nicht genau hingesehen? Das FBI will diese Fragen klären.

Bürgermeister Frank Johnson räumte ein, Vertreter des Jugendamtes seien 2004 in dem zweistöckigen Haus gewesen. Ariel Castro sei befragt worden, nachdem er ein Kind in einem Schulbus zurückgelassen haben. Die drei Frauen seien nicht bemerkt worden.

Vorwürfen, man habe nicht genau hingeschaut oder verdächtige Hinweise missachtet, wies der Bürgermeister zurück.

Nachbar Charles Ramsey, umringt von Jouranlisten, spricht in ein Mikrofon (Foto: AP Photo/The Plain Dealer, Scott Shaw)

Der Befreier Charles Ramsey wird als Held gefeiert

Der Nachbar Charles Ramsey war am Montag aufmerksam geworden, als eine der Frauen ihren Arm durch einen Riss in der Tür des Hauses streckte und um Hilfe schrie. Er sei zu ihr gegangen und habe die Tür eingetreten, und die Frau sei mit dem Mädchen ins Freie gekrochen.

Bei ihm wählte sie die Notrufnummer und flehte um rasche Hilfe. Die Zentrale sei erst unbeeindruckt geblieben, kündigte aber an, eine Streife zu schicken, "sobald ein Wagen verfügbar ist". Nein, habe Berry geschrien, "ich brauche sie jetzt, bevor er zurückkommt".

Spektakuläre Befreiung

Sie berichtete von den weiteren Gefangenen. Wenige Minuten später stürmte die Polizei das Haus und befreite auch Gina DeJesus und Michele Knight, die 23 sowie 32 Jahre alt sind.

Sie sind bei guter Gesundheit. Berry war laut FBI 16 Jahre alt, als sie im April 2003 nach der Arbeit in einem Fastfood-Restaurant verschwand. DeJesus verschwand ein Jahr später auf dem Heimweg von der Schule, sie war damals 14. Knight war nach Medienberichten 21 Jahre alt, als sie im August 2002 letztmals gesehen wurde.

Berrys Befreier Ramsey erzählte Reportern, dass er häufig mit Castro Salsa-Musik gehört und mit ihm gegrillt habe. Auch der Nachbar Charlie Czorb kann es nicht fassen: "Diese Mädchen waren buchstäblich in unserem Hinterhof eingesperrt."

Für Berrys Mutter kommt die glückliche Nachricht zu spät. Sie sei 2006 an Kummer über das Verschwinden ihrer Tochter gestorben, berichteten Verwandte im Fernsehen.

uh/SC (afp,rtr)

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