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Sanktionen und Gegensanktionen

US-Diplomat in Moskau einbestellt

Neue Runde im diplomatischen Schlagabtauch zwischen den USA und Russland: Das Moskauer Außenministerium lässt dem US-Geschäftsträger einen offiziellen Protest übergeben. "Harte Reaktionen" hatte man bereits angedroht.

USA Anthony F. Godfrey (U.S. Embassy & Consulates in Russia)

Wurde ins russische Außenministerium vorgeladen: US-Diplomat Anthony F. Godfrey

"Natürlich werden wir hart reagieren auf diese Dinge, die uns schaden und von dem Wunsch getragen sind, unsere Beziehungen zu den USA zu beschädigen", hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow jüngst seinen Studenten in der Diplomaten-Kaderschmiede MGIMO zum Semesterbeginn mit auf den Weg gegeben. Lawrow war frustriert, denn die USA hatten Russland aufgefordert, das Konsulat in San Francisco sowie zwei diplomatische Abteilungen in New York und Washington zu schließen.

Das war die Antwort auf die russische Anordnung, die Zahl der US-Botschaftsbediensteten um mehr als die Hälfte auf maximal 455 zu reduzieren. Der Kreml wollte neue US-Sanktionen nicht einfach hinnehmen. Und der diplomatische Hickhack geht weiter. 

In Moskau wurde demonstrativ ein ranghoher US-Diplomat vorgeladen. Geschäftsträger Anthony F. Godfrey sei im Außenministerium offiziell eine Protestnote übergeben worden, wurde mitgeteilt. Darin werde insbesondere Widerspruch eingelegt gegen die geplante Durchsuchung der russischen Handelsvertretung in Washington.

Geheimdienst-Aktion?

Ohne das Beisein russischer Vertreter sei diese Inspektion "illegal", erklärte das Ministerium. Die Drohung, notfalls die Tür aufzubrechen, sei ein "nie dagewesener, aggressiver Akt". Zudem mutmaßte Moskau, US-Geheimdienste könnten bei der Durchsuchung "zu anti-russischen Provokationen" greifen, zum Beispiel "kompromittierende Materialien" in der russischen Vertretung platzieren.

Die Handelsvertretung in Washington ist eine von drei russischen Adressen, die auf US-Anordnung bis Samstag geräumt werden sollten. Im russischen Generalkonsulat in San Francisco war bereits am Freitag schwarzer Rauch aus dem Kamin aufgestiegen. Vermutet wurde sofort, dass die Russen dabei seien, dort noch rechtzeitig brisante Unterlagen zu verbrennen.

USA San Francisco - Russisches Generalkonsulat (Getty Images/J. Sullivan)

Teil des schwelenden diplomatischen Konflikts: Schwarzer Rauch steigt auf über dem russischen Generalkonsulat in San Francisco

Dass wegen des Rauchs aus dem Schornstein die Feuerwehr anrückte, bezeichnete die Moskauer Außenamtssprecherin Maria Sacharowa als "Zirkus". Die Konsulatsmitarbeiter seien lediglich bemüht, das Gebäude zu sichern und zu verriegeln, um "die russisch-amerikanischen Beziehungen zu erhalten - für bessere Zeiten". Der US-Sender CNN zitierte einen russischen Beamten mit den Worten: "Kein Grund zur Beunruhigung", und: "Sie sind nicht dabei, einen Papst zu wählen". 

Diplomatischer "Breakdance"?

Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja betonte, Moskau wolle bei den Vereinten Nationen in New York weiter eng mit Washington zusammenarbeiten. Auch Chefdiplomat Lawrow betonte, Moskau sei zu Kompromissen mit den USA bereit. "Aber wie Sie wissen, braucht man zwei für einen Tango. Bislang scheint mir, dass unsere Partner immer wieder einen individuellen Breakdance aufführen", fügte er genüsslich an. 

SC/jj (afp, rtr, dpa, CNN)