US-Angriffspläne gegen Syrien: Das Schweigen der arabischen Welt | Nahost | DW | 12.04.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Syrien-Krieg

US-Angriffspläne gegen Syrien: Das Schweigen der arabischen Welt

Während die restliche Welt laut über Ob und Wann des von US-Präsident Trump angekündigten Angriffs gegen Syrien rätselt, ist von arabischen Staaten wenig zu hören. Hintergrund sind diverse Interessen und Verflechtungen.

Einzig Saudi-Arabiens Kronprinz Muhammad bin Salman erklärte in dieser Woche während seines Frankreich-Besuchs, sein Land sei bereit, an einer Militäraktion teilzunehmen. Zwei Tage zuvor hatte Saudi-Arabiens Hauptverbündeter in Syrien, die islamistische Rebellengruppe Jaysh al-Islam, in Ost-Ghuta nahe Damaskus vor der syrischen Armee kapituliert. Riad selbst hat sein anfängliches Ziel, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen und durch eine pro-saudische Regierung zu ersetzen, längst aufgegeben. Das wichtigste saudische Ziel in Syrien besteht jetzt darin, den iranischen Einfluss in der Region zurückzudrängen.

Zwiespältige Interessen

Sollte es tatsächlich zu einem amerikanischen Angriff kommen, ist davon auszugehen, dass er von Saudi-Arabiens Verbündeten unterstützt wird, zumindest verbal. Als die USA im April letzten Jahres einen syrischen Flugplatz mit ca. 60 Marschflugkörpern angriffen, hatten - neben Saudi-Arabien - noch die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Kuwait und Jordanien den Schritt gutgeheißen. Katar, das den Angriff auch unterstützte, gehörte damals noch zu dieser Allianz, ist inzwischen aber mit Saudi-Arabien offen verfeindet. Weil Katar aber die größte Militärbasis der USA in der Region beherbergt und auf die Unterstützung Trumps gegen die von den Saudi-Arabien und den Emiraten verhängte Blockade angewiesen ist, dürfte das Emirat auch diesmal nichts gegen eine Militäraktion einzuwenden haben.

Frankreich und Saudi-Arabien schließen Wirtschaftsabkommen in Milliardenhöhe | Macron und Mohammed bin Salman (picture alliance/AA/Handout Saudi Kingdom)

Der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman erklärt in Paris seine Bereitschaft, an einem Angriff gegen Syrien teilzunehmen.

Komplizierter wird es da schon im Fall von Ägypten und des Irak: Dem Irak gelingt grundsätzlich der diplomatische Drahtseilakt, sowohl mit Iran als auch den USA verbündet zu sein. Gegenüber dem Krieg in Syrien verhält sich Bagdad deshalb offiziell neutral - hindert aber Tausende Iraker nicht daran, sich dort pro-iranischen Milizen anzuschließen, die maßgeblich daran beteiligt sind, den Kriegsverlauf zugunsten Assads umgedreht zu haben. Das ägyptische Regime wiederum ist für sein Überleben auf die Wirtschaftshilfe von Saudi-Arabien und der Emiraten angewiesen, kooperiert aber gleichzeitig in geheimdienstlichen Angelegenheiten mit Damaskus und unterhält eine strategische Partnerschaft mit Russland. Von beiden Staaten ist daher weder eine öffentliche Unterstützung noch eine Verurteilung eines erneuten Angriffs gegen Syrien zu erwarten. 

Araber irrelevant

Die offizielle Haltung des Libanon, in dem die Macht nach konfessionellen Sollbruchstellen aufgeteilt ist, ist nicht einheitlich. Der maronitische Präsident Michel Aoun fand ungewöhnlich klare Worte und bezeichnete Baschar al-Assad zuletzt als "legitimen Präsidenten" und "einzigen Repräsentanten Syriens". Der schiitische Parlamentspräsident, Nabih Berri, sagte, dass der Libanon die von einigen westlichen Ländern geplante Aggression gegen Syrien ablehne und jede Nutzung des libanesischen Luftraums eine "eklatante Verletzung der Souveränität des Libanon" darstelle. Demgegenüber bekräftige der sunnitische Regierungschef Saad al-Hariri, dass sich sein Land neutral gegenüber einem amerikanischen Angriff verhalten werde.

Von den insgesamt 22 arabischen Staaten könnte sich vielleicht noch Algerien zu einer kritischen Äußerung bezüglich eines Angriffs durchringen. Algier unterhält seit Anfang der syrischen Krise vor sieben Jahren exzellente Beziehungen zum syrischen Regime und verpasst keine Gelegenheit, um seine Ablehnung fremder Militärinterventionen kundzutun: Angefangen bei den Golfkriegen in 1990 und 2003 über den Nato-Angriff in Libyen bis hin zum saudischen Krieg im Jemen.

Für einen etwaigen Angriff gegen Syrien sind aber weder die Position der Arabischen Liga noch die der einzelnen arabischen Staaten relevant. Die Entscheidungen werden letztendlich in westlichen Hauptstädten getroffen und hängen maximal von den Reaktionen Moskaus ab.

Die Redaktion empfiehlt