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Wirtschaft

US-Airline Delta versucht Trendwende

Nach 5,2 Milliarden Dollar Rekordverlust hat die drittgrößte US-Fluggesellschaft Delta Air Lines reagiert: Halbierung der US-Flugpreise und eine internationale Wachstumsstrategie. Jetzt heißt es anschnallen.

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Fehler darf Delta jetzt nicht machen

Zurücklehnen und Entspannen kann sich Jorge Fernandez in der nächsten Zeit kaum. Der Exilkubaner ist bei Delta verantwortlich für die internationale Expansion. In seinem Büro im Hauptquartier der US-Fluggesellschaft, einem 1970er Jahre Backsteinbau direkt am Heimatflughafen Atlanta, hat der ehemalige Air Force Pilot maßstabsgetreue Flugzeug-Modelle aufgebaut. Darunter knobelt der 53jährige Manager seit Monaten an den neuen Routen nach Lateinamerika, Asien und Europa. Auch Deutschland hat Fernandez im Blick:"Deutschland ist unser zweitgrößter Markt nach Frankreich. Frankreich ist nur deshalb so wichtig, weil Air France unser Partner im Skyteam ist. Aber alle Flüge nach Deutschland werfen Gewinn ab."

Knapp an der Pleite vorbei

Flugzeug von Delta Air Lines

Internationale Konkurrenz: in der Luft und am Boden

Der Aufbruch zu neuen Ufern ist nicht ganz freiwillig. Auf dem Heimatmarkt ist Delta in heftige Turbulenzen geflogen. Allein in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres flog die Airline Verluste von 2,2 Milliarden US-Dollar ein. Die Ursache: hohe Treibstoffkosten und explodierende Personalkosten. Nur knapp segelte Delta an der Pleite vorbei. Die Expansion nach Übersee geht auf Kosten der Inlandsstrecken. Maschinen, die bisher nach Dallas flogen, steuern künftig Berlin, Rom oder London an. Ein notwendiger Jonglierakt sagt Robert Mann, unabhängiger Berater für Fluggesellschaften.

Gehaltskürzungen

Für Delta ist es nicht der erste Kraftakt, der den Sinkflug aufhalten soll. Ende des Jahres war es der Fluggesellschaft gelungen, die Piloten zu einer Gehaltskürzungen von 32,5 Prozent zu bewegen. "Wir haben uns auf Gehaltskürzungen in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar über fünf Jahre eingelassen. Jetzt muss das Management dieses Geld in eine gute Strategie anlegen. Der Ball liegt eindeutig auf Seite der Geschäftsführung" sagt Chris Renkel, Sprecher der Delta-Piloten.

Stewardessen als Putzkolonne

Stewardess mit Servierwagen

Beruf Stewardess: Lächeln und den Müll wegräumen

Delta hat als US-Traditionsunternehmen viele gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer und Milliarden Verpflichtungen gegenüber den Pensionären. Die neuen Billigflieger wie JetBlue haben keinen solchen Ballast. Um nicht länger hinterher zu fliegen, startete Delta mit Song eine eigene Discount-Tochter und senkte die Preise im Rahmen des sogenannten SimpliFares-Programm um bis zu 50 Prozent. JetBlue wirbt mit Ledersesseln, Song dagegen mit Designer-Uniformen für die Stewardessen. Um die Kosten zu drücken, müssen die chic-gekleideten Song-Flugbegleiterinnen jedoch die Putzkolonne ersetzen: Sie sammeln nach dem Flug Zeitungsmüll ein und räumen Kopfkissen auf. Wird Delta damit nicht zum Billigflieger-Imitat?

Riskantes Manöver

"Unsere Kunden legen Wert auf guten Service. Es sind keine Schnäppchenjäger, sondern auch Geschäftskunden. Mit SimpliFares schaffen wir den Spagat zwischen diesen Kundensegmenten", erklärt Fernandez. Ein riskantes Manöver: Massive Preissenkungen im Inland und gleichzeitig Ausweitung der Flugrouten nach Übersee. Fehler darf Delta nicht machen. 600 Millionen Dollar Schulden muss die Airline dieses Jahr zurückzahlen. Da müssen sich nicht nur die Passagiere anschnallen.

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