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Wirtschaft

Air France und KLM wollen zusammen fliegen

Air France und KLM schließen sich zu Europas größter Fluggesellschaft zusammen. Sie seien sich über ein Zusammengehen im Zuge eines Aktientauschs einig, teilten beide Unternehmen am Dienstag (30.9.2003) mit.

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Fliegen wie die Franzosen

Die Unternehmen erwarten, dass die Transaktion in den nächsten Wochen abgeschlossen wird und der Vertrag am 15. Oktober unterschrieben werden kann. Geplant sind nach den Angaben der Unternehmen aus Frankreich beziehungsweise den Niederlanden eine gemeinsame Gesellschaft sowie zwei Betriebsgesellschaften. Durch das Zusammengehen werde auch das Bündnis Skyteam gestärkt und zur weltweit zweitgrößten Allianz gemacht, hieß es. An der neuen Gesellschaft wird die französische Seite 81 Prozent halten, die KLM-Aktionäre bekommen nach dem am Dienstag veröffentlichten Übernahmeangebot 19 Prozent. Der Anteil des französischen Staates, der gegenwärtig noch 54 Prozent an Air France hält, beträgt 44 Prozent der neuen Airline.

Das Aktienkapital von KLM wird mit 784 Millionen Euro bewertet. Dies bedeutet einen Aufschlag um 40 Prozent auf den Schlusspreis vom Montag. Die Verwaltungsräte beider Fluggesellschaften gehen nach ihrer Mitteilung davon aus, dass dieses Zusammengehen im Interesse ihrer Kunden, der Aktionäre und der Angestellten sei und dabei eine "wirkliche Gelegenheit zur Entwicklung bietet".

Aktie legt zu

Die KLM-Aktie schoss unmittelbar nach Bekanntgabe der Fusion um knapp 17 Prozent auf 13,97 Euro hoch. Das Papier von Air France verlor dagegen 3,58 Prozent auf 13,20 Euro. Die Aktie der Lufthansa gab um 1,53 Prozent auf 11,55 Euro nach.

Der Zusammenschluss könnte für einige Aufregung in der europäischen Flugbranche sorgen, meint Heinrich Maaß von der Westdeutschen Landesbank. Er ist dort für die Transport- und Logistikbranche zuständig. "Es wäre die erste Übernahme einer nationalen Fluglinie durch eine andere", sagte Maaß im Vorfeld der Bekanntgabe der Fusion.

Bislang hat es untereinander jeweils nur geringe Beteiligungen gegeben wie zwischen British Airways und Iberia oder Air France und Alitalia. Der neue Flugkonzern würde aber auch die beiden bisher umsatzstärksten Linien in Europa, Lufthansa mit 17 Milliarden Euro und British Airways mit rund 13 Milliarden Euro jeweils in 2002, überholen. Air France und KLM brachten es im selben Jahr zusammen auf über 19 Milliarden Euro Umsatz. Bei den Passagierzahlen und den Personenkilometern liegen die deutsche, die britische und die französische Fluglinie etwa gleichauf. Gemeinsam rücken Air France und KLM auch hier nach vorne auf. Im weltweiten Vergleich würde das französisch-niederländische Bündnis womöglich ebenfalls die derzeitige Nummer eins, American Airlines mit ebenfalls rund 19 Milliarden Euro Umsatz in 2002, einholen.

Zu viele nationale Fluglinien in Europa

"Diese Fusion wäre der Durchbruch zur Konsolidierung des europäischen Flugmarktes", sagt Maaß. Derzeit gibt es nach Meinung von Branchenkennern zu viele nationale Fluglinien in Europa. Das Geschäft zwischen den Franzosen könnte eine Lawine los treten, Swiss, Alitalia und Iberia wären wohl die nächsten Kandidaten. "Ein wichtiger Markteffekt wäre, dass nicht mehr jedes Land aus Prestigegründen seine eigene Fluglinie hätte", sagt Robert Czerwensky, Aktienanalyst bei der Vereins- und Westbank.

Die Fusion macht die Airline-Allianz Skyteam nach eigenen Angaben zum zweitstärksten Luftfahrtbündnis der Welt machen. Neben den Franzosen gehört noch Delta Airlines dazu, die niederländische KLM würde ihre nordamerikanischen Partner Northwest und Continental in die Allianz mitbringen. Nummer eins der Luftfahrt-Bündnisse ist nach den Worten eines Lufthansa-Sprechers die Star Alliance, zu der auch die deutsche Lufthansa gehört.

Kurzfristige Kampfkonditionen

Die Kunden könnten sich über ein Zusammengehen von Air France und KLM zunächst freuen, denn der Wettbewerb am europäischen Markt würde dadurch erst einmal weiter in Gang kommen. Denn die Franzosen und die Niederländer steuern manches Flugziel doppelt an. Kapazitäten können nicht sofort aufeinander abgestimmt werden. Um sich nicht gegenseitig die Kunden wegzunehmen, sondern die Konkurrenz von Lufthansa und British Airways unter Druck zu setzen, ist kurzfristig mit einem Preiswettbewerb zu rechnen. "Um die neuen gemeinsamen Kapazitäten zu verkaufen, kann es auf manchen Strecken durchaus Kampfkonditionen der beiden neuen Partner geben", vermutet Aktienexperte Maaß.