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Politik

Uran made in Brasilien

Brasilien will künftig zum Eigenbedarf und Export selbst angereichertes Uran herstellen. Es soll nur zivilen Zwecken dienen, beteuert die Regierung. Dennoch sind die Pläne umstritten.

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Brasiliens Atom-Minister Roberto Amaral zeigt die Uran-Vorkommen des Landes

Am 10.11.2003 hat der Iran nach monatelangem Tauziehen im Atomstreit eingelenkt. Das Land stimmte dem von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) geforderten Stopp der Urananreicherung zu und verpflichtete sich, ein Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen. Das Medienecho war groß.

Nur begrenzte Aufmerksamkeit schenkten die Medien dagegen den ehrgeizigen Plänen eines Ministers auf der anderen Seite der Welt. Dort kündigte der Wissenschafts- und Technologieminister Brasiliens, Roberto Amaral, an, sein Land wolle künftig angereichertes Uran "in industriellem Ausmaß" herstellen. Das Projekt offenbare die "wissenschaftlichen Fortschritte" des Landes, fügte er hinzu. Schon im Jahr 2004 solle die Produktion beginnen. Dabei versicherte er, dass das Uran nur zivilen Zwecken dienen und nur bis zu 0,9 Prozent angereichert werden soll. Das Uran werde auch nicht zum Betrieb der für 2020 geplanten Atom-U-Boote verwendet werden. Für eine Atombombe benötigt man Uran mit einer Anreicherung von mehr als 90 Prozent.

Auch Brasiliens Unterschrift fehlt

Amaral sorgte schon einmal mit einer Äußerung für Irritationen. In einem Interview mit der BBC kurz nach dem Amtsantritt von Präsident Lula hatte Amaral gesagt: "Brasilien sollte zum Bau der Atombombe in der Lage sein." Zwar hatte sich damals das Präsidentenbüro von Präsident Lula beeilt, die Worte des Ministers zu relativieren. Dennoch sorgte die Äußerung für Missstimmung auf dem internationalen Parkett. Vor allem die USA beäugen die Pläne Brasiliens mit Misstrauen. Nun sind die politischen Verhältnisse in Brasilien und im Iran natürlich sehr unterschiedlich. Dennoch wäre Brasilien, sollte es dieses Programm umsetzen, zumindest theoretisch in der Lage eine Atombombe zu bauen.

Wie Mark Gwozdecky, Sprecher der IAEA, gegenüber DW-WORLD versichert, arbeitet die Organisation mit den brasilianischen Behörden zusammen, um das neue Uran-Anreicherungsprogramm unter die umfassende Kontrolle der IAEA zu stellen. "Wir ermuntern alle Staaten, das Zusatzprotokoll zu unterzeichnen und umzusetzen", sagt Gwozdecky und fügt hinzu: "Brasilien hat das Zusatzprotokoll noch nicht unterzeichnet."

Anreicherung nur wenigen Staaten möglich

Für Xanthe Hall, Abrüstungsexpertin bei der Organisation "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW), ist das Grund zur Sorge. "Wir nehmen diese Pläne sehr ernst", sagt sie zu DW-WORLD. Sie verweist dabei auf die Tatsache, dass Brasilien und Argentinien in den 1970er Jahren schon einmal geheime Atomwaffenprogramme vorangetrieben haben. In den 1980er Jahren hatten Brasilien und Argentinien dann aber die Pläne für den Bau der Atombombe aufgegeben.

Brasilien ist eines der sieben Länder weltweit, die über die Technologie der so genannten Ultrazentrifugation zur Herstellung von angereichertem Uran verfügen. Nur noch Russland, Japan, China, Deutschland, die Niederlande und Großbritannien können dieses Verfahren anwenden. Dagegen benutzen Frankreich und die USA das als "veraltet" geltende System der Gasdiffusion. Bis 2012 will Brasilien, das nach eigenen Angaben weltweit die drittgrößten Uranreserven besitzt, das gesamte Uran selbst produzieren, das als Brennstoff für die beiden Atomreaktoren Angra I und Angra II in der Nähe von Rio de Janeiro benötigt wird. 2014 soll dann überschüssiges Uran exportiert werden.

Pläne durchführbar?

Der Brasilien-Experte Dieter Gawora von der Dokumentationsstelle Brasilien in Kassel glaubt allerdings nicht, dass sich die Pläne umsetzen lassen. "Atomenergie ist viel zu teuer. Außerdem gibt es in Brasilien eine sehr gut organisierte außerparlamentarische Opposition, die sich diesen Pläne widersetzen wird", sagt Gawora im Gespräch mit DW-WORLD. Amaral vertrete in der Regierung Lula die Fraktion derer, die den traditionellen Weg der Industrialisierung repräsentieren. Dazu gehöre der Ausbau der Atomenergie, von Großwasserwerken und die Energiegewinnung aus Öl und Gas. Die größte Zukunft böte sich in Brasilien aber den regenerativen Energiequellen wie Wind, Biomasse oder Kleinwasserkraftwerken.

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