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Politik

Unternehmer wird US-Botschafter in Berlin

US-Präsident George W. Bush hat den Unternehmer William Timken als Botschafter in Berlin nominiert. Der kann zwar weder diplomatische Erfahrung noch Deutschkenntnisse vorweisen, hat dafür aber Bushs Wahlkampf finanziert.

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William Timken empfahl sich mit 200.000 Dollar Wahlkampfhilfe

George Bush Wahlkampf Karte

Schon frühere Präsidenten ernannten Spender zu Botschaftern

Viel mehr als "Guten Tag" und "Dankeschön" dürfte William Robert Timken noch nicht auf Deutsch sagen können. Und statt in der Kunst der Diplomatie kennt sich der Unternehmer aus Ohio vor allem mit Kugellagern und anderen Stahlprodukten aus. Seinen künftigen Job als Botschafter in Berlin hat der 67-Jährige also nicht unbedingt seinen Qualifikationen zu verdanken, sondern eher seinem direkten Draht zu George W. Bush. Der US-Präsident nennt Timken bei dessen Spitznamen "Tim" und ist ihm zu Dank verpflichtet. Denn der Millionär aus jenem Mittelweststaat, wo sich im vergangenen November die Wahl entschied, gehört zu den großzügigsten Spendern des Präsidenten. Weil er für die Bush-Kampagne mehr als 200.000 Dollar eintrieb, verliehen ihm die Republikaner den Ehrentitel eines "Rangers".

Aus der Provinz aufs internationale Parkett

Dan Coats USA Botschafter in Deutschland

Der scheidende US-Botschafter Dan Coats bei seiner letzten Pressekonferenz in der Botschaft in Berlin

Ein Karriersprung aus der amerikanischen Provinz in die Welt der Diplomatie ist aber in den USA nichts Ungewöhnliches: Schon so mancher Gönner, der die Kampagne eines Kandidaten großzügig unterstützte oder Spenden eintrieb, wurde später vom Präsidenten mit einem Botschafterposten belohnt. Etwa jede dritte Gesandte im Dienste Washingtons sei kein Profi-Diplomat, sagt Professor Robert Lieber von der Georgetown-Universität in Washington. In seiner ersten Amtszeit ernannte Bush acht Botschafter, die sich mit Spenden von mehr als 100.000 Dollar empfohlen hatten - unter anderem für London und Paris. So sorgte es auch nicht für allzu viel Wirbel, als David Wilkin, der neue Botschafter in Kanada, freimütig zugab, er habe den nördlichen Nachbarn zuvor nur einmal besucht - in den 70er Jahren bei einem Trip zu den Niagara-Fällen. Auch Wilken ist ein "Ranger"der Republikaner.

Grünes Licht nur noch Formsache

Das amerikanische Außenministerium teilte am Mittwoch (19.7.2005) mit, angesichts der wirtschaftlichen Probleme Deutschlands sei bewusst ein Unternehmer nominiert worden, der die Situation bestens analysieren könne. Schon im Mai wurde Timken in der deutschen Presse als Nachfolger von Daniel Coats genannt, der im Februar als Botschafter in Deutschland ausgeschieden war. Die formelle Bekanntgabe aus dem Weißen Haus kam nun am Dienstag. Noch muss Timken zwar grünes Licht vom Senat bekommen, aber dies dürfte nicht mehr als eine Formsache sein.

Enge Bindung zur Bush-Familie

Timken kann immerhin familiäre Wurzeln in dem Land vorweisen, in dem er die US-Interessen vertreten soll. Sein Urgroßvater Henry, der Begründer der Timken-Werke, war ein Bauernjunge aus Bremen, der 1838 als Siebenjähriger mit den Eltern in die Vereinigten Staaten auswanderte. Urenkel William Robert trat nach einem Studium der Geschichte und Wirtschaft an den Elite-Unis Stanford und Harvard in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Fast drei Jahrzehnte lang leitete er das Unternehmen. Die Führung gab Timken vor zwei Jahren ab, um sich mit dem Posten als Aufsichtsratschef zu begnügen.

Waffen für das Pentagon

Die Firma Timken verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,5 Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro) und hatte 26.000 Beschäftigte in 27 Ländern. Zu den wichtigsten Kunden gehört das Pentagon, das Timken mit Teilen für Kampfflugzeuge und -hubschrauber beliefert. Die Verbindungen des Unternehmens zur Bush-Familie sind von jeher eng. Bei einem Besuch des Firmensitzes in Canton im April 2004 pries der Präsident den Kugellagerbauer als Beispiel für die Produktivität der US-Wirtschaft. Timken seinerseits dankte Bush im Namen der Beschäftigten für die Führungskraft, mit der er "unsere Familien vor dem Terrorismus schützt". (stu)

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