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Fokus Südosteuropa

Ungewollte ethnische Trennung an serbischer Schule

Eine Grundschule in Südserbien droht wegen des hohen Anteils an Roma-Kindern von serbischen Eltern gemieden zu werden. Schuld sind Vorurteile gegen die ethnische Minderheit im Land und ein neues Schulgesetz.

Schulkinder in ihrer Klasse in Leskovac, Südserbien (Foto: DW)

Minderheit in der Mehrheit

Die Grundschule "Petar Tasic" in Leskovac könnte bald die erste gemischt-ethnische Schule in Serbien werden, die mehrheitlich von Roma-Kindern besucht wird. Vier von fünf der 480 Schüler gehören bereits heute der Minderheit an – auch wenn in der Umgebung fast ausschließlich Serben leben. Doch die schicken ihre Kinder lieber auf andere Schulen.

Zurzeit werden in elf der insgesamt 24 Klassen ausschließlich Roma unterrichtet. Die restlichen Klassen sind ethnisch bunt gemischt. Noch. Denn zu Beginn dieses Schuljahrs wurden erstmals ausschließlich Roma eingeschult. Nicht ein serbisches Kind.

Der Schuldirektor der Grundschule, Goran Filipovic, gibt dafür auch den Eltern der serbischen Kinder die Schuld: "Seit die Eltern selbst entscheiden können, in welche Schule ihre Kinder gehen, geht die Zahl der serbischen Erstklässler stetig zurück." Grund dafür sind dem Direktor zufolge die Vorurteile der serbischen Eltern gegenüber den Roma. "Die Eltern fragen nicht mehr, welche Lehrer die Kinder unterrichten, sondern wie viele Roma-Kinder mit in der ersten Klasse sein werden", so Filipovic.

Massive Sprachprobleme

Roma-Mädchen mit einem Buch über Geschichte, Kultur und Tradition der Roma (Foto: DW)

Roma-Kinder sollen auch Serbisch lernen

Ein neues Schulgesetz besagt, dass Eltern ihre schulpflichtigen Kinder nicht mehr in die geographisch nächste Schule einschreiben müssen, sondern die freie Schulwahl haben. Seitdem treten laut Direktor Filipovic Fälle auf, in denen Kinder direkt gegenüber seiner Schule oder in unmittelbarer Nähe wohnen, aufgrund der freien Schulwahl aber einen viel weiteren Schulweg auf sich nehmen. Diese Praxis führt letztendlich zu einer Isolierung der Roma-Kinder. Zumal viele von ihnen kein Serbisch sprechen.

Zur Verständigung zwischen Lehrern und Schülern ist daher auch ein Assistent eingesetzt, der beide Sprachen spricht. Eine Person allein reicht aber nicht aus, um den Unterricht zu gestalten. Deshalb müssen die Lehrer häufig einige Wörter auf Romanes von ihren Schülern lernen. Die Grundschullehrerin Snezana Zivkovic erzählt: "Ich habe einige Wörter gelernt: Kundre heißt Schuh, bestele bedeutet Setz dich hin und avkari ist komm her. Im Prinzip verstehe ich die Sprache, spreche sie aber kaum. Das hier ist aber eine serbische Schule, in der die Kinder in Serbisch unterrichtet werden. Sie sollten daher auch die serbische Sprache lernen."

Amtshilfe gefordert

Lidija Nesic, Vertreterin des Bildungsministeriums in Leskovac, ist verantwortlich für die Schulbildung der Roma. Ihr zufolge stehen Treffen zwischen dem Bildungsministerium, der Kommune und den Schuldirektoren bevor. Sie erwartet aber keine großen Veränderungen. Dazu müsste die freie Schulwahl wieder eingeschränkt werden - damit die Schüler die Schulen in ihrer Umgebung besuchen und sich so die Zahl der serbischen Schüler denen der Roma an der betroffenen Schule angleicht. Eine weitere Möglichkeit für diese Schule sei, attraktive Programme anzubieten und so neue Schüler anzulocken, meint Nesic.

Der Schuldirektor Filipovic sagt dagegen, der Unterricht an seiner Schule sei längst modernisiert worden. "Es gibt zwei multimediale und ein ökologisches Klassenzimmer", so der Direktor. Darüber hinaus würde Förderunterricht und ein Ganztagsaufenthalt in der Schule angeboten, was Essen, Kleidung und Schuhe für die Kinder einschließe. Ungeachtet dessen werde die Schule weder vom Staat noch von der Kommune unterstützt, sagt er mit Bedauern.

Autorinnen: Milica Ivanovic, Tanja Spanovic

Redaktion: Mirjana Dikic

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