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Wirtschaft

"Ungesunde Gemengelage in Russland"

Profine ist ein deutscher Mittelständler, der Fensterprofile herstellt. Ein Fünftel des Umsatzes erzielt er in Russland und der Ukraine. Chef Peter Mrosik schildert im DW-Interview seine Eindrücke.

DW: Herr Dr. Mrosik, Sie haben zwei Fabriken in Russland und eine in der Ukraine. Wann waren sie das letzte Mal dort?

Mrosik: Ich bin momentan einmal im Monat in Moskau und etwa alle zwei Monate in der Ukraine, weil ich relativ nah an der augenblicklichen Situation dran sein möchte. Insofern habe ich ein sehr gutes Bild über die aktuelle Situation.

Wie ist die Stimmung dort?

Das muss man teilen. In der Ukraine ist einiges in den letzten Monaten geschehen. Da ist die Stimmung etwas gedrückt und angespannt durch die Geschehnisse auf dem Maidan und die Unsicherheit durch die Ereignisse auf der Krim. In Russland hingegen ist das Bild vollkommen anders. Da sieht man die Situation als Bürger und Mitarbeiter relativ entspannt.

Haben sich die Konflikte zwischen Russland und der Ukraine sowie zwischen Russland und dem Westen bereits auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Video ansehen 01:32

Deutsche Wirtschaft in Sorge (14.03.2014)

Nein, das ist Gott sei dank noch nicht der Fall. Die Gemengelage allerdings ist insbesondere in Russland eine durchaus gefährliche, weil der Markt dort stagniert bis rückläufig ist. 2013 ist kein einfaches Jahr gewesen, für unsere Industrie, aber auch für andere Industrien. Hinzu kommt, dass der Euro relativ stark und der Rubel relativ schwach war und ist. Das bedeutet, dass alle Unternehmen, die in Euro bilanzieren, mehr Umsatz in Rubel machen müssen, um denselben Euro-Umsatz zu erzielen. Das heißt, die Situation in Russland ist an sich schon angespannt. Das paart sich jetzt mit der Lage auf der Krim.

Ohne dass ich mich auf irgendeine Seite schlagen möchte: Aber hier ist eine relativ

ungesunde politische Situation

, die sich mit einer angespannten wirtschaftlichen Gemengelage paart. Das kann in der Tat sehr explosiv sein. Uns als Unternehmen ist es gelungen, in diesem schwierigen Markt noch wachsen zu können. Das ist auf die Leistung der Mitarbeiter zurückzuführen. Aber der Markt ist insgesamt, auch geprägt durch die aktuellen Ereignisse, sehr schwer einzuschätzen. In der Ukraine haben wir eine ähnliche Entwicklung, allerdings ist auch dort die Geschäftsbeziehung zu unseren Kunden ähnlich stabil wie das in Russland der Fall ist.

Was befürchten Sie für die nahe Zukunft?

Das hängt davon ab, wie die internationale Gemeinschaft und Russland jetzt agieren werden. Es gilt das Prinzip, dass

Sanktionen immer Gegensanktionen hervorrufen

. Das kann dann in der Tat, wenn es sich hochschaukelt, dazu führen, dass deutsche Unternehmen oder ausländische Unternehmen in Russland durchaus Schaden erleiden können. Das ist jetzt noch nicht erkennbar. Ich hoffe deshalb inständig, dass die Politiker einen Deeskalationsmechanismus finden werden.

Die FAZ berichtet, dass in Russland ein Gesetz geplant sei, das dem Präsidenten erlauben würde, das Eigentum ausländischer Unternehmen zu konfiszieren. Daraufhin haben schon einige Mittelständler ihre Lieferungen nach Russland gestoppt. Beunruhigt Sie das?

Ich kann das nicht bestätigen. Das habe ich auch über die Zeitung mitbekommen. Wir führen unsere Geschäfte fort wie geplant. Sollte sich das bestätigen, ist es natürlich beunruhigend. Das gebe ich zu. Aber ich habe derartiges noch nicht gehört.

Die deutsche Wirtschaft ist gegen Sanktionen. Den Wirtschaftsvertretern wird oft die Frage gestellt, ob das Geschäft der Moral vorzuziehen ist. Wie lautet Ihre Antwort?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es gibt engste Beziehung, insbesondere traditionell zwischen deutschen Unternehmen und der russischen Gemeinschaft. Insofern ist natürlich

seitens der deutschen Wirtschaft das Interesse groß

, dass die Deeskalation greift. Ich will mir aber nicht anmaßen, in irgendeiner Art und Weise zu urteilen, wie die politische Lage im Einzelnen zu würdigen ist.

Das Interview mit Peter Mrosik führte Zhang Danhong.

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