1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Wirtschaft nach Krim-Referendum zwischen Hoffen und Bangen

Nach dem umstrittenen Referendum auf der Insel Krim hat die EU erste Sanktionen gegen Russland verhängt. Die Wirtschaft hofft, dass damit keine Spirale in Gang gesetzt wird.

Das Referendum auf der Krim und seine Folgen werden Börsianern zufolge das Geschehen an den Finanzmärkten bis auf Weiteres bestimmen. Deutschland und Österreich stehen dabei im Fokus. Sie sind wegen ihrer starken wirtschaftlichen Beziehungen die Brückenländer der Europäischen Union nach Osteuropa.

Während Politiker fordern, die EU solle mit Sanktionen ein deutliches Signal an Russland senden, hoffen Ökonomen darauf, dass es bei den eher symbolischen Maßnahmen wie Einreise-Beschränkungen und die Sperrung von Konten bleibt. "Die westlichen Länder haben gar keinen Anreiz, wirtschaftlich in einen Konflikt mit Russland zu gehen", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, zur DW. "Daher werden sie wohl Sanktionen beschließen, die allenfalls Nadelstiche darstellen."

Volker Treier (Foto: DW)

Volker Treier: "Schon jetzt genug Schaden"

Solche Nadelstiche müssten nicht unbedingt eine Negativspirale aus immer neuen Sanktionen und Gegensanktionen in Gang setzen, so die Hoffnung. Die Krise habe auch jetzt schon genug Schaden angerichtet, sagt Volker Treier, Außenwirtschaftsexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag DIHK. "Die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen haben schon gelitten", so Treier zur DW. "Große Investments werden jetzt zunächst auf Eis gelegt und der eine oder andere Vertrag, den man in der Pipeline hatte, bleibt jetzt erst mal liegen."

Video ansehen 01:24

Wintershall-Gazprom: Deal trotz Ukraine-Krise (17.03.2014)

20 Milliarden investiert

Die Sorgen der deutschen Wirtschaft in Russland seien sehr groß, so Treier weiter. "Wir haben über 20 Milliarden Euro dort investiert." Allerdings scheinen nicht alle deutsch-russischen Geschäfte gefährdet zu sein. So will die BASF-Tochter Wintershall Geschäftsanteile mit dem russischen Giganten Gazprom tauschen. Wintershall-Chef Rainer Seele sagt, alle Genehmigungen lägen vor, es gehe jetzt um die operative Umsetzung. Danach will sich Wintershall vom deutschen Gashandels- und Gasspeichergeschäft trennen.

Jörg Krämer (Foto: Commerzbank)

Jörg Krämer: "Hoffentlich bleibt es bei Nadelstichen"

Deutsche Gasspeicher in russischer Hand – nicht jedem ist bei diesem Gedanken wohl. "Andererseits ist es auch in dieser Situation gut, wenn unsere wechselseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeiten steigen", sagt Treier. Das erhöhe den Druck, sich immer eine Tür für Verhandlungen offen zu halten.

Gaslager gut gefüllt

Auch Commerzbank-Chef Jörg Krämer sieht die Lage entspannt. Er glaubt nicht, dass die Russen den Gashahn zudrehen werden: "Deutschland bezieht ein Drittel seiner Gasimporte aus Russland. Es scheint damit sehr abhängig zu sein. Auf der anderen Seite gibt es andere Länder, die auch Gas anbieten: Aus dem Nahen Osten, aus Nordafrika. Und die Gaslager hier in Deutschland sind auf Grund des milden Wetters sehr, sehr gut gefüllt."

Trotzdem befürchten viele Beobachter, Russland könne im Fall von härteren Sanktionen seine Gaslieferungen als Druckmittel einsetzen. Alles Unfug, sagt dagegen Johannes Teyssen, Chef des Energieversorgers Eon. Russland liefere seit 40 Jahren pünktlich und zuverlässig Gas. Es habe in dieser Zeit keinen einzigen Tag gegeben, an dem Gas als strategische Waffe eingesetzt worden sei.

Geschäfte laufen weiter

"Sie haben Gas schon als Waffe eingesetzt", widerspricht Krämer. "Aber gegen die Staaten, die in ihrem unmittelbaren Einflussbereich liegen, zum Beispiel die Ukraine. Gegenüber den westlichen Ländern, das stimmt, haben sie immer zuverlässig geliefert." Das sei auch kein Wunder, schließlich sei Russland von seinen Gasexporten abhängig: "70 Prozent der Exporterlöse Russlands stammen aus dem Export von Energie. Und Russland ist wirtschaftlich schwach und will sich seine Energiekundschaft im Westen nicht vergraulen."

Und so kommt es, dass viele Geschäfte trotz der Krim-Krise erst mal weiter laufen. Erst am Sonntag (16.03.2014) wurde bekannt, dass der angeschlagene Energiekonzern RWE seine Öl- und Gasfördertochter Dea an eine Investorengruppe unter der Führung eines russischen Milliardärs verkaufen will - für über fünf Milliarden Euro. Dieses Vorhaben dürfte vor dem Hintergrund der Krim-Krise auch von der Politik genau unter die Lupe genommen werden. Die Bundesregierung, so hieß es am Montag in Berlin, erwarte zwar keine Einschränkungen der Versorgungssicherheit, eine Prüfung der Verkaufspläne behalte man sich allerdings vor. RWE bleibt entspannt und erwartet nach eigenen Angaben von der Politik keine Ablehnung des geplanten Deals - Krim-Krise hin oder her.

Audio und Video zum Thema