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Kultur

Und was kommt nach der Evakuierung?

Während New Orleans mittlerweile zwangsweise evakuiert wird, drängt sich ein neues Problem auf: Das Schicksal einer Million obdachloser Flüchtlinge stellt die USA vor eine humanitäre Herausforderung.

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Leben auf engstem Raum: Hurrikan-Opfer im Astrodome in Houston

Hurrikan Katrina Louisiana Superdome Luftbild

Wie schwierig es ist, die Flüchtlingsströme zu koordinieren und deren Grundversorgung sicherzustellen, zeigt sich in New Orleans: Als beschlossen wurde, die Stadt zu räumen, musste mit einem Mal für Tausende Menschen eine neue provisorische Bleibe gefunden werden. Diejenigen, die im Superdome-Stadion der Stadt ausgeharrt hatten, sollten zunächst im Astrodome in Houston (Texas) untergebracht werden. Aber die Kapazitäten dort reichten nicht aus. Die Arena musste aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Mit Bussen wurden die erschöpften Neuankömmlinge zu Ausweichquartieren gebracht.

Auf Dauer kein Zustand

Texas, der größte der Nachbarstaaten Louisianas, fühlt sich mit den herbeiströmenden Menschen auf der Suche nach Obdach zusehends überfordert. Der Bundesstaat hat allein eine Viertel Million Menschen aufgenommen. Rund 15.000 Katastrophenopfer sind auf Klappbetten im Astrodome von Houston untergebracht. Weitere 100.000 Menschen haben in Gemeindesälen und Hotelzimmern Unterschlupf gefunden. Das kann jedoch auf Dauer kein Zustand sein. "Texas tut alles, um unseren Nachbarn zu helfen, aber wir wollen auch sicherstellen, dass wir alle, die kommen, ernähren und medizinisch versorgen und sie an sicheren Orten vernünftig unterbringen können", betonte Gouverneur Rick Perry und appellierte an andere Bundesstaaten, verstärkt Flüchtlinge aufzunehmen.

Hurrikan Katrina, zerstörtes Haus

Die Verteilung der Katastrophenopfer auf mehrere Bundesstaaten, die bereits angelaufen ist, hat aber nicht allein logistische Gründe. "15.000 Menschen auf einem Haufen – das ist psychologisch nicht gesund", warnte der Gemeindevorsteher von Harris County, Robert Eckels. Ähnlich sieht das Willi Streitz von der Katastrophenforschungsstelle an der Universität Kiel. "Die Menschen sind einfach aufgebracht. Wut ist eine normale Reaktion nach einer solchen Katastrophe", so der Wissenschaftler. Es sei jedoch problematisch, eine Vielzahl frustrierter Menschen monatelang unter sich zu belassen, da die Situation dann eskalieren könne.

Unterkünfte auf Kreuzfahrtschiffen

Eine ausgewogene Verteilung der Flüchtlinge auf die gesamten USA wird daher erwogen. Bereits jetzt haben 16 Bundesstaaten "Katrina"-Opfer aufgenommen oder treffen entsprechende Vorbereitungen. Behörden und Hilfsdienste richten Schulen, Kasernen, Einkaufszentren und weitere Gebäude als Notunterkünfte her. Die Regierung charterte zudem drei Kreuzfahrtschiffe mit Platz für 7000 Obdachlose. Die Solidarität ist auch unter den Privatleuten groß. Viele stellen Unterkünfte zur Verfügung.

Bildgalerie Katrina 12 Notdürftig richten sich die Menschen auf den Straßen ein

Dennoch wird noch lange keine Normalität einkehren, selbst wenn die Grundversorgung gesichert ist. Etliche haben alles verloren und sind zu stark traumatisiert, um in nächster Zeit einen Neuanfang in Angriff zu nehmen. Eine zusätzliche Belastung wird der absehbare, monatelange Aufenthalt in Notunterkünften werden, meint Katastrophenforscher Streitz. "Irgendwann könnte sich ein Lagerkoller einstellen", so der Wissenschaftler.

Langfristige Entwicklung schwer absehbar

Wie die Flutopfer auf lange Sicht mit dem Erlebten umgehen werden, lässt sich jetzt noch nicht vorhersagen. Sollten die verwüsteten Gebiete irgendwann wieder bewohnbar sein, rechnet Streitz mit unterschiedlichen Reaktionen: Manche würden möglicherweise jahrelang auf ihre Rückkehr warten, andere hingegen die Chance für einen Neuanfang ergreifen - irgendwo in den USA.

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