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Politik

Hurrikan-Opfer kritisieren US-Regierung

Trotz einer leichten Entspannung im Katastrophengebiet hält die Kritik am Krisenmanagement der Regierung von US-Präsident George W. Bush an. Bush besuchte erneut das Katastrophengebiet.

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Demonstration gegen Bush in New York

"Wir haben noch viel Arbeit vor uns", sagte der US-amerikanische Präsident während eines Aufenthalts in einer Notunterkunft in Baton Rouge (Louisiana) am Montag (5.9.2005). Die Stadt 130 Kilometer nordwestlich von New Orleans ist von Flüchtlingen überfüllt. Vor allem Familien mit Kindern sind dort untergekommen. Die Notunterkunft, die Bush besuchte, wird von der Baptisten-Kirche unterhalten. Vor diesem Hintergrund bedankte sich der Präsident für den großen Einsatz von Freiwilligen und verschiedenen Religionsgemeinschaften - "Kirchen, Moscheen und Synagogen". Bush reiste außerdem nach Poplarville in Mississippi, das schwer verwüstet wurde.

George W. Bush in Baton Rouge

George W. Bush mit Michael Chertoff (re) in Baton Rouge

Hilfsfonds der Alt-Präsidenten

Im Astrodome im texanischen Houston, wo 25.000 Flutopfer untergebracht sind, stellten die früheren Präsidenten George Bush und Bill Clinton ihren Hilfsfonds für die Opfer vor. "Es wird Zeit, dass wir die Ärmel hochkrempeln", sagte Bush sen. Die Gelder sollten den am meisten vernachlässigten Opfern des Sturms helfen, ergänzte Clinton. Die US-Behörden rechnen mit zahlreichen Spenden privater Firmen und von Einzelpersonen. Die Supermarkt-Kette Walmart sagte bereits Unterstützung in Höhe von 23 Millionen Dollar (etwa 18,3 Millionen Euro) zu.

Scharfe Kritik

Bill Clinton und George H.W. Bush, Katrina

Bill Clinton und George Bush sen.

Am Tag zuvor hatte sich die politische Auseinandersetzung über die Schuld am Rettungsdesaster verschärft. Der Präsident des Verwaltungsbezirks Jefferson südlich von New Orleans, Aaron Broussard, sagte dem Sender NBC: "Ich habe die Pressekonferenzen satt. Um Himmels Willen, haltet den Mund und schickt uns jemanden." Broussard kritisierte, den Hilfesuchenden sei jeden Tag gesagt worden: "Die Kavallerie kommt". Bislang beginne er höchstens die Hufe der Pferde zu hören, schimpfte der Chef des Verwaltungsbezirks mit fast einer halben Million Einwohnern.

Die Senatorin von Louisiana, die Demokratin Mary Landrieu, griff Heimatschutzminister Michael Chertoff scharf an. Chertoff hatte am Sonntag erklärt, die Notfallbehörden des Bundes hätten Schwierigkeiten gehabt, von den lokalen Behörden Informationen zu bekommen. So seien sie überrascht gewesen, dass ihnen am Donnerstag nichts von den dramatischen Zuständen im Convention Center von New Orleans berichtet worden sei. Dort hielten sich zehntausende Menschen auf, für die es keine Hilfsgüter gab. Chertoff sagte "Fox News": "Wenn man Fernsehberichte hört und dann vor Ort anruft und etwas anderes hört, dann ist das nicht, was der Minister für Heimatschutz möchte."

Senatorin droht mit Schlägen

Bildgalerie Hurrikan Katrina in New Orleans

Das zerstörte New Orleans

Landrieu erklärte, sie werde es nicht zulassen, dass Bundesbehörden die lokalen Bemühungen schlecht machten. "Wenn eine Person sie kritisiert, oder noch ein Wort sagt, und sei es der Präsident der Vereinigten Staaten, dann wird er von mir hören", sagte sie dem Sender ABC. "Noch ein Wort darüber nach dieser Sendung und ich würde ihm wahrscheinlich eine runterhauen - im wahrsten Sinne des Wortes."

Zuvor hatten mehrere schwarze Kongressabgeordnete der US-Regierung angelastet, dass die Schwarzen, die hauptsächlich von dem Unglück betroffen sind, wie Menschen zweiter Klasse behandelt würden. Einige Repräsentanten der Afroamerikaner erhoben den Vorwurf, die Regierung hätte schneller gehandelt, wenn die Betroffenen Weiße gewesen wären. "Wenn der Hurrikan eine Wohngegend der weißen Mittelschicht im Nordosten oder Südwesten getroffen hätte, wäre seine (Präsident Bushs) Reaktion viel stärker gewesen", schrieb der Kirchenratspräsident der Stadt New York in der britischen Zeitung "Observer".

Präsident George W. Bush mit Katrina- Flüchtlingen

Immerhin: Bush hörte sich die Sorgen und Nöte der Evakuierten in Baton Rouge an

"Bush kümmert sich nicht um Schwarze"

Der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson verglich die Lage der in Massenunterkünften untergebrachten Schwarzen aus New Orleans mit der von "Afrikanern unter Deck eines Sklavenschiffes". US-Außenministerin Condoleezza Rice verteidigte nach einem Besuch im Katastrophengebiet Bushs Krisen-Management. Es könne keine Rede davon sein, dass dem Präsidenten das Schicksal der Schwarzen in New Orleans gleichgültig sei, sagte die Außenministerin, selbst Afroamerikanerin, am Sonntag in einem seltenen Kommentar zur Innenpolitik.

Bildgalerie 2 Hurrikan Katrina New Orleans

Ein Mitglied der Nationalgarde mit Hurrikan-Opfern

Derweil erntete der Fernsehsender NBC heftige Kritik für seine Reaktion auf eine Attacke des Rappers Kanye West gegen US-Präsident George W. Bush. NBC hatte Vorwürfe von West wie "George W. Bush kümmert sich nicht um Schwarze" aus der Aufzeichnung einer Benefiz-TV-Show geschnitten und sich später für den Ausbruch des Rappers entschuldigt. Die "Los Angeles Times" empörte sich am Montag über die Zensur des Senders und lobte Kanye Wests Bush-Schelte als "den einzigen bewegenden und wichtigen Moment der ansonsten sterilen" Sendung. (stu)

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  • Datum 06.09.2005
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