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Unbestechliche Klonzeugen

Verena von Keitz24. Februar 2003

Klon oder nicht Klon? Die Raelianer-Sekte hat mit ihrem angeblichen Klonbaby für Aufruhr gesorgt, entzieht sich aber bisher dem wissenschaftlichen Beweis. Dabei wäre ein Test schnell erledigt, sagen Genetiker.

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Ein Klon? Wandernde Moleküle können es zeigen

Sollte ein Klon ein echtes Klon sein, dann fänden das die Humangenetiker des Universitätsklinikums in Aachen leicht heraus. "Wir würden die Blutproben erhalten und daraus die Erbinformation isolieren. Anschließend hätten wir zwei verschiedene Proben vorliegen, die wir dann einer Analytik zuführen", beschreibt Genetiker Thomas Eggemann die Aktion. Die eine Probe sei vom Kind, die andere von der Mutter.

Das Testverfahren:

Eine Identifizierung von Klonen steht im humangenetischen Labor der Aachener Universitätsklinik nicht auf dem Plan. Doch die Methode ist unter Molekularbiologen fast schon ein alter Hut: Sie nutzt das gleiche Prinzip wie der Vaterschaftstest und wie der genetische Fingerabdruck. "Der Test wird in relativ kurzer Zeit gemacht", erläutert Klaus Zerres, Leiter des Instituts für Humangenetik. "So etwas könnte man an einem Tag problemlos schaffen."

Konkret sehe das Testverfahren folgendermaßen aus: "Man würde eine Vielzahl von Eigenschaften der DNA, die so genannten 'Marker', untersuchen, in denen sich die Menschen unterscheiden", erklärt Zerres. "Diese 'Marker' sind über das ganze Genom verstreut – an mehreren tausend fest definierten Stellen". Finde sich dabei kein Unterschied, sei der Beweis klar: "Wenn es ein Klon der Mutter ist, müsste die gesamte genetische Information absolut identisch sein."

Grundsätzlich ist das Erbmaterial bei allen Menschen zu mehr als 99 Prozent gleich. Trotzdem kann man aus einer Blutprobe ganz einfach die Teile der DNA herausfiltern, die bei jedem Menschen unterschiedlich sind. Heraus kommt ein individueller genetischer Fingerabdruck. Dafür werden die entsprechenden Stücke der DNA vervielfältigt und in einem so genannten Gel sortiert.

"Diese Gelmatrix entspricht ungefähr der, die man auch in roter Grütze hat oder in Sülze", sagt Thomas Eggemann. "Durch diese gallertartige Masse laufen die Moleküle." Die trennen sich dann nach ihrer Größe auf, denn die kleinen wandern schneller als die großen. "Diese Größenunterschiede sind individuell verschieden und von Vater und Mutter vererbt worden."

Mogeln muss ausgeschlossen sein

Die Menschen unterscheiden sich dadurch, dass die Bruchstücke ihrer DNA einmal größer und einmal kleiner sind. Diese unterschiedlich großen Stücke erzeugen individuelle Muster im Gel. Nur ein Klon kann genau das gleiche Muster haben wie der Mensch, aus dessen Erbmaterial er entstanden ist. Der Test gilt als sehr zuverlässig, wenn viele DNA-Abschnitte untersucht werden - und wenn im Labor sorgfältig gearbeitet wird, betont Eggemann. "Wir müssen uns natürlich bemühen, dass wir nachher nicht Mutter und Kind verwechseln oder unrein arbeiten."

Im Streit um das angebliche Klonbaby sorgen sich die Kritiker jedoch gar nicht darum, dass jemand die Proben durcheinander bringen könnte. Vielmehr fürchten sie eine absichtliche Manipulation von Seiten der Raelianer. "Wenn es dieser Sekte gelänge, zweimal eine Probe der Mutter zu untersuchen und als kindlich und mütterlich auszugeben, würde man natürlich eine Übereinstimmung feststellen", meint Zerres. So könnte eine Übereinstimmung vorgetäuscht werden, die gar nicht vorliegt. Der Knackpunkt sind also die Blutproben selbst. Sie müssten streng kontrolliert entnommen und untersucht werden, damit am Ende das richtige Ergebnis ans Licht kommt.