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Flüchtlingskrise

UN: Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Myanmar

Tötungen, Misshandlungen und Vergewaltigungen: Die Militäreinsätze gegen die Rohingya in Myanmar könnten laut UN-Experten als ethnische Säuberungen gewertet werden. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück.

Bangladesch, schwangere Rohingya Frau in Flüchtlingscamp (Getty Images/R.Asad )

Auch Frauen und Kinder der Rohingya-Minderheit sollen Opfer von Massakern geworden sein

Zwei Expertenkommissionen der Vereinten Nationen (UN) haben Myanmar Verbrechen gegen die Menschlichkeit an den Rohingya vorgeworfen. Auch Kinder und Frauen seien Opfer von Tötungen, Vergewaltigungen, Vertreibungen und anderer schwere Gewalttaten der Sicherheitskräfte geworden, betonten die Mitglieder der beiden UN-Kommissionen in Genf. "Solche Missachtungen können sich zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit summieren", hieß es in einer Stellungnahme.

"Paradebeispiel ethnischer Säuberungen"

Die beiden Kommissionen - der Kinderrechtsauschuss und der Ausschuss zur Abschaffung der Diskriminierung von Frauen der UN - forderten ein sofortiges Ende der Gewalt gegen die muslimische Bevölkerungsgruppe sowie Strafverfahren gegen die Verantwortlichen.

Bereits zuvor hatte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Rad al-Hussein, die Gewalt im Norden Myanmars, die mehr als eine halbe Million Rohingya zur Flucht ins Nachbarland Bangladesch getrieben hat, als "Paradebeispiel für ethnische Säuberungen" bezeichnet. Myanmars Regierung hat die Anschuldigungen zurückgewiesen.

Myanmar Luftaufnahme eines verbrannten Rohingya Dorfes in der Nähe von Maungdaw
(Reuters/S. Z. Tun)

Gewalt, Gegengewalt und Vertreibung: Luftaufnahme eines verbrannten Rohingya-Dorfes in Myanmar

HWR berichtet von Massaker nach Rohingya-Angriff

Neue Vorwürfe gegen die Militärmachthaber kommen zeitgleich auch von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Die Organisation teilte mit, es gebe Beweise, dass Soldaten am 27. August dutzende Bewohner eines Dorfes im Rakhine-Staat getötet hätten. Vorher seien die Opfer geschlagen und sexuell missbrauch worden, erklärte die Organisation. Das Massaker habe sich zwei Tage nach einem Angriff von Rohingya-Kämpfern auf einen Militärposten ereignet. Die Angriffe der Rohingya-Rebellen hatten die jüngste Militäroffensive in Rakhine ausgelöst.

Appell an die internationale Gemeinschaft

Laut den UN sind rund 520.000 Menschen in den vergangenen Wochen vor der Gewalt aus Myanmar ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Die Vereinten Nationen sprechen von der am schnellsten eskalierenden Flüchtlingskrise weltweit.

Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch (picture-alliance/dpa/AP/Dar Yasin)

Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch: Es fehlt an fast allem

Angesichts dessen bat die Internationale Organisation für Migration die internationale Gemeinschaft um 120 Millionen US-Dollar (etwa 102 Millionen Euro) für Hilfe für die Flüchtlingshilfe. Die geflohenen Rohingya lebten im bengalischen Bezirk Cox's Bazar unter schlimmen Bedingungen und brauchen dringend Hilfe, so die UN-Behörde. Es handle sich um einen dringenden humanitären Notfall.

cw/fab (dpa, epd)