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Afrika

UN rufen Hungersnot in Somalia aus

Zwölf Millionen Menschen hungern am Horn von Afrika. Die UN haben die Lage im Süden Somalias nun offiziell zur Hungersnot erklärt. Bisher lief internationale Hilfe nur langsam an, jetzt gewinnt sie an Fahrt.

Eine Menschenschlange wartet auf Lebensmittel in Mogadishu (Foto: AP)

Essensausgabe in Mogadischu

Die Vereinten Nationen (UN) haben offiziell eine Hungersnot in den zwei somalischen Distrikten Bakool und Unter-Shabelle ausgerufen. Von einer Hungersnot spricht die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), wenn mehr als 30 Prozent der Bevölkerung an akuter Mangelernährung leiden und wenn von 10.000 Menschen pro Tag mehr als zwei Personen an Hunger sterben. In den beiden somalischen Gebieten sterben derzeit laut UN-Kinderhilfswerk im Schnitt sechs Kinder pro Tag, mehr als die Hälfte der Kinder sind akut mangelernährt.

Die offiziell erklärte Hungersnot ist die höchste von fünf Alarmstufen in einem Frühwarnsystem der FAO mit Sitz in Rom. Sie etablierte das System unter dem Eindruck der Hungerkatastrophe 1984/85 in Äthiopien. Damals starben mehr als eine Million Menschen, weil Hilfslieferungen zu spät kamen. Akute Versorgungskrisen sollen so rechtzeitig erkannt werden. Die höchste Alarmstufe soll die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wecken. Politische Vollmachten sind damit nicht verbunden.

Die Hungersnot in Somalia wird sich nach Einschätzung der Vereinten Nationen in den kommenden Wochen auf alle Landesteile ausweiten. In Somalia brauchen schon jetzt 3,7 Millionen Menschen dringend Nahrungsmittelhilfe. Insgesamt sind fast zwölf Millionen Menschen in Somalia, Kenia, Äthiopien und Dschibuti auf Nothilfe angewiesen.

2-jähriges abgemagertes Kind (Foto: AP)

Abgemagert, hilfsbedürftig: Zweijähriges Kind im Norden Kenias nahe der somalischen Grenze

Kritik an mangelnder Unterstützung

Für die Bewältigung der dramatischen Lage in Ostafrika werden nach Einschätzung der Hilfsorganisationen mehr als eine Milliarde US-Dollar benötigt. Bislang sei nur ein Fünftel dieser Summe bereitgestellt worden. Die Organisationen appellieren an Regierungen und private Spender, die Mittel aufzustocken.

Die Industriestaaten hätten mit der Hilfe zu lange gezögert, kritisierte Geschäftsführer der Hilfsorganisation Oxfam, Paul Bendix. "Die Beiträge aus Europa müssen deutlich aufgestockt werden", sagte Bendix. Auch Länder in Afrika und im arabischen Raum würden ihren Beitrag leisten müssen.

Deutsche Hilfe für Ostafrika

Karte von Somalia mit dem Horn von Afrika und der arabischen Halbinsel (Foto: AP)

Horn von Afrika

Deutschland stellte bis jetzt sechs Millionen Euro für die Opfer der Hungerkatastrophe bereit. Die Bundestagsfraktion der Grünen hält das für zu wenig. Sie forderte die Bundesregierung auf, die finanzielle Hilfe zu erhöhen. Die Partei habe eine Sondersitzung des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur aktuellen humanitären Lage am Horn von Afrika beantragt, sagte der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Thilo Hoppe.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel wies die Kritik zurück, die Bundesregierung habe zu wenig Geld für die Opfer der Dürre bereitgestellt. "Wir beobachten die Situation weiterhin sehr genau", sagte Niebel.

Internationale Hilfe für Afrika

Menschen in der Wüste (Foto: AP)

Grund für die Hungersot in Ostafrika ist die schlimmste Dürre seit 60 Jahren

Am kommenden Montag (25.07.2011) soll in Rom ein internationales Ministertreffen zur Hungerkatastrophe am Horn von Afrika stattfinden. Regierungsvertreter der 191 Mitgliedstaaten des UN-Welternährungsprogramms, internationale Organisationen, Entwicklungsbanken und Nichtregierungsorganisationen werden über Hilfen beraten.

Auch auf der EU-Ebene wird über die Unterstützung für Afrika demnächst diskutiert. Der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, rief dazu auf, eine koordinierte europäische Antwort auf die Hungersnot zu geben. Jede Stunde zähle, weil der Mangel an Hilfe den Tod zusätzlicher Menschen bedeute, erklärte Buzek.

Autorin: Olga Kapustina (kna, epd, dpa, rtr, afp)
Redaktion: Reinhard Kleber

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