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Aktuell Welt

UN-Gipfel gegen den Krisen-Berg dieser Welt

In Istanbul hat der erste Nothilfegipfel begonnen. Die vielen Krisen auf der Welt - sprich: die Flüchtlingsströme mit all ihren Problemen - lassen vor allem den besser gestellten Staaten keine andere Wahl mehr.

An dem zweitägigen Treffen in Istanbul - der offizielle Name lautet: Humanitärer Weltgipfel - nehmen rund 6000 Vertreter von Staaten und internationalen Organisationen teil. Zu den Gästen zählen außer UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie mehr als 60 weitere Staats- und Regierungschefs.

Zum Auftakt rief Un-Generalsekretär Ban die Weltgemeinschaft zu mehr Einsatz für notleidende Menschen in Krisengebieten auf. "Die Dringlichkeit ist gestiegen", sagte er. Es gebe heute eine Rekordzahl an Menschen, die Hilfe bräuchten, um überleben zu können.

Mit dem Gipfel reagieren die UN auf die weltweit stark gestiegene Zahl von Krisen und notleidenden Menschen. Laut UN brauchen weltweit 125 Millionen Menschen Hilfe, 60 Millionen sind auf der Flucht. Die UN rechnen in diesem Jahr mit einem Finanzbedarf von 20 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro). In vielen Krisengebieten reicht das Geld nicht aus, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen.

Bundesanzlerin Merkel auf dem UN-Gipfel in Istanbul, umringt von anderen Politikern (Foto: picture-alliance/dpa/M. Kappeler.

Gruppenbild mit Dame: Bundeskanzlerin Merkel auf dem UN-Gipfel in Istanbul

Appelle der Bundesminister Steinmeier und Müller

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief die internationale Gemeinschaft zur Solidarität auf. Der Gipfel habe sich zum Ziel gesetzt, das Gesamtbudget auf eine Milliarde US-Dollar (knapp 891 Millionen Euro) zu erhöhen, sagte Steinmeier der "Rheinischen Post". Deutschland werde seinen Beitrag in Istanbul um zehn Millionen Euro auf dann insgesamt 50 Millionen Euro aufstocken, kündigte der Ressortchef an.

Auch Entwicklungsminister Gerd Müller appellierte an die internationalen Geldgeber, ihre finanziellen Zusagen für die Nothilfe einzuhalten. "Es kann nicht sein, dass die Vereinten Nationen alle sechs Monate betteln gehen müssen“ und dafür dann jeweils ein Krisengipfel einberufen werde, sagte Müller der Deutschen Welle. "Die UN müssen im Bereich der humanitären Nothilfe handlungsfähiger sein und im Voraus agieren können." Der Minister sprach von einem Volumen von mindestens zehn Milliarden Dollar jährlich. Deutschland werde seine Versprechen halten. Die Bundesregierung will bis 2018 rund 2,3 Milliarden Euro zahlen, davon 1,2 Milliarden in diesem Jahr.

Ermahnungen von Diakonie und Welthungerhilfe

Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, forderte die Staaten auf, sich zu einer gesicherten Hilfsfinanzierung zu verpflichten. Sie müssten in Bargeldtransfers an Betroffene anstatt in Lagerhaltung, Transportflüge und Hilfspakete investieren, erklärte sie. Der Vorsitzende der Welthungerhilfe, Till Wahnbaeck, sprach sich dafür aus, lokale Hilfsorganisationen zu stärken. "Die Hilfe ist am besten, wenn sie so lokal wie möglich und so international wie nötig ist", sagte er.

Unter anderem soll bei dem Gipfel darüber diskutiert werden, wie Krisen von vornherein vermieden und Zivilisten in Notgebieten besser geschützt werden können. Außerdem drehen sich die Diskussion um eine stärkere Verzahnung von kurzfristiger Nothilfe mit längerfristiger Entwicklungshilfe. Allerdings gab es im Vorfeld auch Kritik. Viele Teilnehmer erwarten von dem Treffen keine konkreten Ergebnisse. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) sagte ihre Teilnahme in Istanbul ab, weil sie die Konferenz für ein "Feigenblatt" hält. Russland wiederum kritisierte, Hilfsorganisationen spielten bei dem Gipfel eine zu starke Rolle.

sti/cr (afp, dpa, epd, kna)