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Wirtschaft

UN: Ein Viertel aller Fischarten bedroht

Laut jüngstem Weltfischerei-Bericht ist ein Viertel der Bestände überfischt. Umweltverbände fordern eine radikale Umkehr der Fangpolitik.

Frisch gefangene Heringe liegen auf einem Fischkutter, Quelle: AP

Die FAO kritisiert die zu starke Ausbeutung der globalen Weltmeere

Am Montag (5.3.07) stellte die Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen den Sofia-Report in Rom vor. "Sofia" steht für "State of the World Fisheries and Aquaculture 2006". Insgesamt sei ein Viertel der Meeresfisch-Bestände gefährdet. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Bestände würden bereits heute derart intensiv ausgebeutet, dass keine Steigerung mehr möglich sei, heißt es im Bericht. Auch wenn diese Zahl seit Jahren etwa konstant sei, gebe vor allem die Lage stark wandernder Arten Anlass zu großer Sorge, dazu zählen auch mehrere Haifischarten. Bei jener Gruppe steige der Wert der überfischten oder aufgebrauchten Bestände auf etwa zwei Drittel.

Fangpotential an der Grenze

Zu den besonders gefährdeten Arten zählen laut FAO etwa Seehecht, Riesenhai, Kabeljau, Granatbarsch oder Roter Tunfisch. Diese repräsentierten zwar nur einen kleinen Teil der weltweiten Fischerei-Bestände, ihre Lage sei aber ein Schlüsselindikator für den Zustand des Meeres.

Als stark betroffene Regionen stuft der Bericht den Südostatlantik, den Südostpazifik, den Nordostatlantik und Tunfisch-Gebiete im Atlantik und Indischen Ozean ein. Dieser Trend bestätige die Annahme, dass "das Fangpotenzial der Weltmeere höchstwahrscheinlich seine Obergrenze erreicht hat", erklärte FAO-Sprecher Ichrio Nomura. Dies unterstreiche die Notwendigkeit eines umsichtigeren und umfassenden Fischerei-Managements.

Umweltschützer: Die Zeit zum Umsteuern wird knapp

Die Umweltschutzorganisation WWF ("World Wide Fund for Nature") nannte den FAO-Bericht alarmierend und forderte eine radikale Umkehr in der globalen Fischerei-Politik. Ihren Angaben zufolge kommen zu den rund ein Viertel überfischten Beständen noch mehr als 50 Prozent hinzu, die bis an ihre Grenzen ausgebeutet sind. "Wir müssen die Plünderung der Ozeane stoppen", erklärte WWF-Expertin Heike Vesper. Der UN-Report mache deutlich, dass die von Politik und Wirtschaft versprochene Trendwende ausgeblieben sei. "Wenn die Menschheit so weiter macht, könnten die globalen Fischbestände bis Mitte des Jahrhunderts komplett zusammenbrechen."

Viele Staaten hielten sich nicht an die vereinbarten Fangquoten. Etliche Fischereien müssten die Fangmengen deutlich reduzieren oder den Fang so lange einstellen, bis sich die Bestände erholen. Das gelte zum Beispiel für den Roten Tunfisch im Mittelmeer oder den Kabeljau in der Nordsee.

Dabei ließen sich die weltweit 200 kommerziell besonders interessanten Fischarten nach Expertenansicht nachhaltig befischen. Dafür müsse die Politik die Überwachung der Fischerei allerdings deutlich ernster nehmen als bislang, sagte der Generalsekretär des Internationalen Rates für die Nutzung der Meere (ICES), Gerd Hubold, am Montag in Kopenhagen. Die rund 1600 im ICES ("International Council for the Exploration of the Sea") zusammengeschlossenen Forscher geben Empfehlungen für die Fischerei im Nordatlantik.

Umstrittene Lösung "Aquafarming"

FAO-Sprecher Ichrio Nomura betonte deutlich die "die Notwendigkeit eines behutsameren und effektiveren ischmanagements". Ziel müsse es sein, "die erschöpften Bestände wieder aufzubauen und den Rückgang solcher Bestände zu verhindern, die derzeit zu stark ausgebeutet werden. Um die bedrohten Bestände der wandernden Fische zu schützen, müssten die bestehenden regionalen Überwachungs-Institutionen reformiert werden. Hier mangele es aber bisher am Handlungswillen der insgesamt 39 betroffenen Staaten. In solchen Organisationen regeln Fischernationen den Fang außerhalb ihrer nationalen Gewässer.

Der Sofia-Report betont ausdrücklich die Chancen der Fischzucht in Aquakulturen. Mit einer Jahresproduktion von weltweit 47,8 Millionen Tonnen sei das "Aquafarming" weiterhin der am schnellsten wachsende Sektor der Nahrungsmittelindustrie. Während im Jahr 1980 lediglich neun Prozent des Fischkonsums aus künstlichen Fischkulturen kamen, seien es heute bereits 43 Prozent. Für die Aquakultur allerdings werden vielfach Fische in einem Erdteil gefangen und als Fischmehl verarbeitet zu Fischfabriken transportiert - Umweltschützer kritisieren das als nicht nachhaltig.

Schutz für die Weltmeere

Mindestens zehn Prozent der Weltmeere sollten unter Fischereischutz gestellt werden, fordert die Organisation WWF. Die Umweltorganisation Greenpeace will sogar 40 Prozent der Weltmeere mit einem Fischfangverbot versehen. Vor allem die Wanderrouten der bedrohten Fischbestände müssten effektiver geschützt werden. (al)

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