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Kultur

Wie der Fisch sich gegen das Fangen wehrt

Zu Ostern kommt traditionell Fisch auf den Tisch. Lange Zeit galten die Ozeane als Nahrungsreserve der Menschheit. Aber die Fische werden immer weniger - und immer kleiner.

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Und wieder einer zappelt im Netz

Klein zu sein, das kann für einen Fisch im Meer ein Vorteil sein. Denn die größte Gefahr, die einem Fisch heutzutage droht - egal in welchem Ozean - ist der Mensch mit seinen Fischernetzen. Kleine Fische schwimmen einfach durch die Maschen hindurch. Große bleiben hängen und enden auf irgendeinem Teller.

Natürlicher Fangschutz

Frischer Rotbarsch

Mund zu!

Je größer aber die Gefahr für eine Art, um so intensiver sucht die Natur nach Auswegen. Sie strebt danach, "dem Selektionsfakor auszuweichen", wie das in der Sprache der Evolutionsbiologen heißen. Für die Fische bedeutet das: klein bleiben, bloß nicht wachsen. In den Weltmeeren schwimmen deshalb von Jahr zu Jahr kleinere Fische.

"Es finden gewaltige Umbrüche in der Evolution statt. Populationen mit vielen großen fortpflanzungsfreudigen Fischen werden verdrängt", hat Jeremy Jackson beobachtet. "Jetzt dominieren die kleinen Fische, die sich nicht so gut fortpflanzen." Jackson arbeitet am Scripps-Institute in La Jolla, Kalifornien. Dass die Fische tatsächlich heute langsamer wachsen, konnten die Forscher im Aquarium zeigen. Auch unter kontrollierten Bedingungen wachsen die Fische heute langsamer als vor 20 oder 30 Jahren. Sie haben sich verändert. Ihr Erbgut sieht anders aus als das ihrer Vorfahren.

Evolution anders herum

Fischernetz

Steven Berkeley von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz hat bei den Fischen eine Art "Evolution im Zeitraffer" beobachtet. "Wenn der starke Druck auf die Population durch den Fang über viele Generationen anhält, dann ändert sich tatsächlich das Erbgut", hat er herausgefunden."Aus einer Gruppe von großen, schnell wachsenden Fischen werden kleine, langsam wachsende Fische." Das Problem daran ist: Weil es ein genetischer Prozess ist, lässt er sich nicht einfach umdrehen, sobald man mit der Fischerei aufhören würde. Der Vorteil für große Fische in einer natürlichen Umgebung ohne Fischfang ist vergleichsweise gering.

Um die Evolution wieder umzudrehen, müsste man einige Jahrzehnte nur die kleinen Fische fangen, und die größeren entkommen lassen. Das geht aber nicht. Denn wer die kleinen Fische fängt, fängt auch die Jungfische und vernichtet so den ganzen Fischbestand. Dennoch muss gehandelt werden, und zwar schnell. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, sagt Fischforscher Jackson. "Wir wissen, dass die Lage ernst ist. Das können wir mit tonnenweise Daten belegen", sagt er. Nur tut sich nicht viel.

Erst der Mensch, dann der Fisch

Es reicht nicht, die Fangquoten zu reduzieren. Das würde die Evolutionsfaktoren nicht verändern. Vielmehr müssen in großen, völlig ungestörten Schutzgebieten die natürlichen Lebensbedingungen der Fische wieder hergestellt werden.
In einer Welt ohne Fischernetze würden irgendwann die großen Fische ihre Vorteile wieder ausspielen können. Das aber wird Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte dauern.

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Wer das schaffen will, muss allerdings zuerst den Lebenswandel der Menschen beeinflussen. Erst dann haben die Ökosysteme eine Chance, sich anzupassen. "Wenn die Ökosysteme komplex sind, dann sind es soziale Systeme erst recht", versucht Larry Crowder von der Duke-University eine Erklärung. "Irgendwie müssen wir versuchen ein komplexes System mit einem anderen komplexen System zu beeinflussen." Die Wissenschaftler planen im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit. Wahrscheinlicher ist, dass die Fische auf dem Teller immer kleiner - und teurer - werden.

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