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Globale Zusammenarbeit

Umweltschutz mit Gewinn

Landwirtschaft und Naturschutz gelten meist als Gegensätze: Das eine bringt Geld, das andere kostet etwas. Beim neuen Umweltschutz-Konzept "Payments for Ecosystem Services" ist das anders.

Wälder binden Kohlendioxid, sie reinigen die Luft, das Wasser und den Boden. Gleichzeitig sind sie auch ein Wirtschaftsfaktor: Werden sie gerodet, kann das Holz verkauft und die entwaldete Fläche für die Landwirtschaft genutzt werden. Das bringt oft große Summen Geld ein. Um profitable Landwirtschaft und den Kostenfaktor Umweltschutz zusammenzubringen, aber auch, weil die Zerstörung der Natur negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft hat, fragen sich Fachleute: Welchen Wert hat etwa die "Dienstleistung" des Ökosystems Wald - also beispielsweise die saubere Luft - für den Agrarsektor? Kann man ihn in Euro und Dollar messen? Und: Ist eine solche ökonomische Betrachtung der Natur überhaupt sinnvoll?

"Was nichts kostet, ist nichts wert"

Ansicht von drei Papageien aus Guatemala (Foto: dpa)

Was bringt eine ökonomische Betrachtung der Natur?

Der Begriff für diesen Ansatz ist Payments for Ecosystem Services (PES), also die Honorierung für den Erhalt von Dienstleistungen eines Ökosystems. Thomas Fatheuer, freier Berater und ehemaliger Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Brasilien, beschreibt den Ansatz so: "In der ökonomischen Betrachtung der Natur ist die Tatsache, dass diese Dienstleistungen umsonst sind, die Wurzel des Übels. Denn was wir umsonst bekommen, wissen wir nicht zu schätzen." Der Weg für eine neue Ökonomie der Natur könne sein, diese Dienstleistung teilweise auch monetär zu bewerten.

Positive Beispiele für den PES-Ansatz habe Fatheuer in Costa Rica gefunden, dem "Pionierland von Ökosystem-Dienstleistungen". Dort gebe es etwa einen privaten Wasserversorger, der einen "Öko-Pfennig" auf seine Wasserrechnung erhebe. Dieses Geld leite er an Landwirte in der Umgebung weiter, damit sie das Grundwasser nicht verschmutzen. Die Entlohnung dieser Bemühungen ist aber nicht immer unproblematisch: "Viele Praktiken, die sowieso illegal sind - beispielsweise die Verschmutzung des Grundwassers in verschiedenen Bereichen - werden damit nicht unterbunden, sondern ökonomisch kompensiert", gibt Fatheuer zu bedenken.

Hilft der Handel mit Zertifikaten der Natur?

Ansicht des Zuckerhuts und der Jesus-Statue in Rio de Janeiro (Foto: AP/dpa)

Brasilien hat das System der Bolsa Verde eingeführt

Die Wald- und Klimaexpertin Jutta Kill ist eine scharfe Kritikerin dieses Kompensationsprinzips. Die Probleme, die der Handel mit Ökosystem-Dienstleistungen aus ihrer Sicht bringt, verdeutlicht sie am Beispiel der Bolsa Verde in Brasilien. Dort ist gesetzlich festgelegt, dass ein Landbesitzer einen bestimmten Prozentsatz seiner Grundstücke ökologisch schützen muss. Die Bolsa Verde ist eine Handelsplattform, auf der Landbesitzer, die mehr als die gesetzlich vorgeschriebene Fläche schützen, dieses Plus an jene verkaufen können, die die Vorgaben nicht erfüllen.

"Die Idee der Gründer dieser Handelsplattform ist, Finanzinstrumente zu nutzen, um die Einhaltung oder Umsetzung der Natur- und Umweltschutzgesetzgebung in Brasilien zu fördern", sagt Kill. Sie sieht aber die Gefahr, dass genau dadurch Gesetze ausgehebelt werden.

Denn auf der Plattform hätten sich bis jetzt vor allem Großgrundbesitzer, Vertreter der Agroindustrie, Viehzüchter und Sojaproduzenten angemeldet. Diese würden sich dann ausrechnen, ob es sich überhaupt finanziell lohne, das Gesetz einzuhalten, oder ob es profitabler sei, Umweltbelastungen einfach durch den Kauf der Zertifikate an der Börse zu kompensieren.

"Ohne Gesetze geht es nicht"

Unter den Umweltbelastungen würden dann vor allem die Menschen in den betroffenen Gebieten leiden, gibt Kill zu bedenken. "Diejenigen, die jetzt schon die Auswirkungen der industriellen Nutzung spüren, werden sie in Zukunft noch stärker spüren." Und das Gesetz, das auf dem Papier den Schutz oder eine Reduzierung der Belastung vorsieht, würde ihnen nicht genug helfen.

Grundsätzlich sei es richtig, dass Landwirte, die über gesetzlich festgelegte Mindestanforderungen hinaus nachhaltig wirtschaften, belohnt werden, sagt Kill. Doch gleichzeitig sind aus ihrer Sicht Strafen für die Übertretung der Gesetze unbedingt nötig.

Thomas Fatheuer sieht das ähnlich. Regenwald werde gerodet, weil er weniger ökonomischen Nutzen bringe als die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Fläche: "Und ich glaube, es ist ein Irrweg zu meinen, man könne diese Logik im ökonomischen System kippen, indem man die Dienstleistungen des Waldes oder anderer Ökosysteme in Geld misst, damit sie wettbewerbsfähig werden im Vergleich zur Landwirtschaft."

"Ökonomische Anreize sind manchmal die einzige Option"

Der Leiter des Wirtschaftsbereichs beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Bernd Hansjürgens, verteidigt den PES-Ansatz. Zwar stimmt er mit Fatheuer und Kill darin überein, dass Marktmechanismen nicht eine Ordnungspolitik ersetzen können. "Aber sie ergeben vielleicht dort Sinn, wo sie sie ergänzen und wo es vielleicht kein Ordnungsrecht gibt", sagt er.

"Ökonomische Anreizsysteme bieten Möglichkeiten, wo wir sonst keine Alternative haben", erklärt Hansjürgens weiter. Bisweilen seien die wirtschaftlichen Kräfte so bestimmend, dass Verbote allein nicht genügten.