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Wirtschaft

Umbrella to go

Plötzlich fängt es an zu regnen. Kein Schirm zur Hand? Das soll es nach dem Willen zweier Jungunternehmerinnen nicht mehr geben. Ihre Idee: Regenschirm-Automaten.

Manche Idee zur Gründung eines Unternehmens liegt sprichwörtlich in der Luft. Etwa dann, wenn der Himmel die Schleusen öffnet und man keinen Schirm zur Hand hat. Mit ihren 30 Jahren ist die Bürokauffrau Rebecca Augustin schon viel in Deutschland und der Welt herum gekommen - und unerwartet nass geworden. Sowohl in Aachen und Hamburg als auch in Manila und Singapur. Sie zog daraus den Schluss: Mit Regenwetter lässt sich Geld verdienen.

Zusammen mit Daniela Wallraff gründete Rebecca Augustin ein Start-up-Unternehmen. Es heißt kurz und knapp: "Dry2go". Deutschland soll "trocken gelegt" werden - und zwar mit Regenschirmen aus dem Automaten. Die gibt es bisher schon für alles Mögliche, für Kaugummi, Getränke oder Handy-Karten. Aber nicht für das Rüstzeug für nasse Fälle: für Regenschirme.

Für vier Euro gut beschirmt

Auf einen mit Schirmen bestückten Automaten, davon ist Rebecca Augustin aus eigener Erfahrung überzeugt, haben nicht nur die Deutschen gewartet: "Das ist anders als ein Getränkeautomat, wo man sagen kann, da wartet man vielleicht noch einmal bis zum nächsten Restaurant oder Café. Sondern es ist dann wirklich so, wenn man durch den Regen laufen muss, dann ist man ja auch schon nass.“

Ein Regenschirmautomat der Firma Dry2go wird verladen. Quelle: Dry2go.

Der Retter für nasse Fälle auf dem Weg zum Standort

Von ihrem kleinen Büro in Bochum aus bestückt sie mit ihrer Partnerin Daniela Wallraff die Republik nun mit Automaten, die für vier Euro einen Regenschirm ausspucken. Die Schirme werden übrigens in Asien hergestellt. Im Programm haben die beiden Jungunternehmerinnen zwei Automaten-Typen. Typ 1, der mechanische Wandautomat, verfügt über ein Ladevolumen von 45 Regenschützern. Dieses Wandgerät, beschreibt Daniela Wallraff, "ist 120 Zentimeter lang, 40 Zentimeter breit und auch nur 20 Zentimeter tief. Also sehr platzsparend." Und es ähnelt im derzeit angesagten Retro-Look einem Kaugummi-Automaten von früher. Nach dem Einwurf der Münzen in einen Schlitz an der Seite liefert der Automat den Regenschirm.

Automaten bieten Werbeflächen

Das Wandgerät vom Typ 2 hat, wie Rebecca Augustin erklärt, noch ein bisschen mehr zu bieten. "Dieses Standgerät, was wir haben, ist 1,80 Meter hoch, hat ein LED-Display, über das man bewegte Bilder abspielen kann. Bilder, Filme. Und dieses Gerät hat den besonderen Komfort, dass man mit Geldscheinen und Münzen in jeder beliebigen Stückelung zahlen kann."

Gründerinnen der Firma Dr2go in Bochum, Rebecca Augustin und Daniela Wallraff.

4 Euro kosten die Schirme aus dem Automaten - und trocken halten sollen sie auch

Dieses LED-Display bietet den Start-up-Gründerinnen zusätzlich die Möglichkeit, durch verkaufte Werbefläche noch ein bisschen hinzuzuverdienen. Farblich festgelegt dürfen die Kunden allerdings nicht sein. Der Automat kann per Zufallsprinzip nur schwarz, rosa oder beliebig bunt anzeigen. Damit genug Geld in der Kasse klingelt, kommt es nach den Worten von Volkswirtin Daniela Wallraff vor allem auf geeignete Standorte an. Und das seien: "U-Bahn-Stationen und Parkhäuser, Kinos, Museen, Schwimmbäder, Sportstätten. Quasi überall da, wo Durchlauf ist, wo Veranstaltungen stattfinden, wo Leute einkaufen gehen."

Kein Schirm? Dann eben ein Cape!

03.08.2011 Bochum - Dry 2 go Firmengruendung mit Regenschirmen aus dem Automaten in Grossstaetten fuer 4 Euro durch die Firmeninhaberinnen Rebecca Agustin 29 J Brille und Daniela Wallraff 28 J - wir ziehen uns bei Regen mal eben schnell einen Schirm aus dem Automaten - eigene Konstruktion der Geraete durch Achim Schuck 52 J u John Agustin 34 J dem Ehemann von Rebecca - Lagerung und Fertigung der Automaten in Bochum und von dort geht es durch ganz Deutschland sowie nach Wien und vielleicht demnaechst auch in die Schweiz - auch Regenjacken sind in Planung - Copyright Stephan Schuetze - Autor Nr 4033007 Das Start-up-Unternehmen stellte Regenschirmautomaten auf. Quelle: Dry2go. Die Fotos haben Rebecca Ausustin und Daniela Wallraff der Deutschen Welle kostenlos zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Firma Dry2go

Schirm oder Cape - das ist keine Frage mehr

Da manche Menschen, wenn der Himmel die Schleusen öffnet, nichts mit einem ganz einfachen Schirm anfangen können, haben die Unternehmensgründerinnen auch an diese "Randgruppen" gedacht und einen Alternativ-Schutz im Automaten-Programm: Regenponchos für Radfahrer und auch für Touristen, die beim Städtebummel ihre Hände frei haben wollen.

Die Automaten für ihre Schirme bestellen die Schirmherrinnen nicht komplett, sondern nur die dafür notwendigen Komponenten. Die Montage übernehmen Mitarbeiter. Um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen, kalkulieren sie erst einmal vorsichtig an der low-line, also an der untersten Grenze. In Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München setzen die beiden Frauen außerdem auf das Franchise-System. Hier können Geschäftspartner eine Lizenz zum Betreiben der Automaten erwerben. Aber immer nur für eine Stadt.

In ihrem Bochumer Büro klingelt im europaweit nassen Sommer 2012 häufig das Telefon, stapeln sich Anfragen per Fax - auch aus dem Ausland. Aus Australien, Belgien, Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Rumänien und Tschechien. Ihre Geschäftsidee, sich gegen Regen mit einem Schirm aus dem Automaten zu schützen, beginnt sich allmählich auch international auszuzahlen. Ergiebige Regengebiete kennen nun einmal keine Grenzen.

Über Apps informieren

Und sollte auch der Herbst in diesem Jahr patschnass ausfallen, sei man logistisch bestens gerüstet, versichert Rebecca Augustin: "Wenn der Herbst ganz, ganz schlimm wird, dann können wir unmittelbar 30.000 Schirme wieder bereitstellen auch durch unsere Kooperationspartner. Im wöchentlichen Turnus."

Die Geschäftsfrauen haben übrigens nicht nur den Regen als Umsatz-Freund entdeckt, sondern auch die Zeichen der Zeit erkannt. "Wir sind nicht nur offline", sagt Daniela Wallraff stolz, "wir sind auch online. Über unterschiedliche Apps kann man sich den nächsten Regenschirm-Automaten anzeigen lassen.“

Dann ist es doch ganz egal, wo in Europa der Himmel einmal wieder unerwartet "weint". Einkaufen oder Sightseeing ist "gut beschirmt" möglich, denn der "umbrella to go" könnte dann gleich um die Ecke griffbereit sein.

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