1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Berliner Startup will die Welt verbessern

Wer gibt schon einen guten Job als Unternehmensberater auf, um Kaffee zu verkaufen? Drei Jungunternehmer haben den Schritt gewagt, um Geld zu verdienen - und Gutes zu tun.

Berlin-Kreuzberg: Ein altes Industriegebäude, erster Hinterhof, vierter Stock. In einer ehemaligen Werkhalle haben sich vier Startup-Unternehmen mit Schreibtischen und Computern eingerichtet. Alles sieht recht provisorisch aus, einfache Holzregale trennen die Unternehmen optisch voneinander. Eines von ihnen ist der Online-Shop "Coffee Circle".

Büroaufnahme des Berliner Startup Unternehmens Coffee Circle. Robert Rudnick an seinem Schreibtsich. Copyright DW

Robert Rudnick an seinem Schreibtisch in Berlin

Es wäre wohl übertrieben, wenn man behaupten würde, dass Robert Rudnick die Geschäftsidee seines Unternehmens von Anfang an wirklich gut gefunden hätte. "Jungs, spinnt ihr? Fair Trade-Kaffee, den gibt es doch schon", erwiderte der heute 31-Jährige, als ihm seine beiden Geschäftspartner und Freunde vor zwei Jahren vorschlugen, Kaffee aus Äthiopien zu importieren und die Bauern am Erlös zu beteiligen. "Etwas Neues zu schaffen, das ist im Bereich des fair gehandelten Kaffees sehr schwierig, und da habe ich am Anfang gefragt, ob wir nicht noch mal drei Wochen über die Idee schlafen sollten."

Menschen hinter dem Kaffee kennenlernen

Bei näherem Hinsehen erfasste aber auch Rudnick das schlummernde Potenzial hinter der Idee. "Der Kaffeemarkt ist so groß, etabliert und verkrustet, dass man mit den Möglichkeiten des Online-Verkaufs und der Transparenz, die das Internet bietet, sehr viel neu machen kann", so der Unternehmer im Gespräch mit DW.

Auf dem Bild: Elwert und Waldstein-Wartenberg verkosten Kaffee in Äthiopien Rechte: Coffee Circle

Eine Frage des Geschmacks: Vor dem Einkauf verkosten die Chefs 90 Kaffeesorten pro Tag

"Coffee Circle" will zwischen Produzenten und Konsumenten eine Nähe herstellen, die es bisher noch nicht gab. Die Verbindung wird über die großen sozialen Netzwerke und natürlich über den Onlineshop geschaffen. Der Kunde entscheidet dort nicht nur, welchen der drei in äthiopischen Waldgärten angebauten Biokaffees er bestellt, sondern auch, welches Entwicklungsprojekt er mit seinem Einkauf finanzieren will. Von den 24 Euro, die ein Kilo Kaffee kostet, fließt ein Euro an die Produzenten zurück. "Der Kunde erfährt, dass wir nicht nur jedes Jahr die besten Kaffees einer Ernte einkaufen wollen, sondern dass wir die Projekte im Umfeld der Kaffeebauern und in den Bereichen Bildung und Gesundheit selbst umsetzen." Damit sich jeder Kunde ein Bild machen kann, stehen auf der Webseite zahllose Bilder, Videos und Dokumentationen bereit.

Trinkwasserbrunnen und Schulbücher

Die Kamera ist auch dabei, wenn Rudnicks Geschäftspartner Martin Elwert und Moritz Waldstein-Wartenberg zweimal pro Jahr für drei Wochen nach Äthiopien fliegen. Dort kaufen sie den Rohkaffee für elf Euro pro Kilogramm ein, was ungefähr dem dreifachen Weltmarktpreis entspricht. Gleichzeitig beraten sie mit den Bauern und ihren Familien, was in den Dörfern fehlt. Fünf Projekte in einer Größenordnung zwischen 800 und 1500 Euro sind bereits umgesetzt worden, angefangen vom Bau eines Brunnens über die Ausstattung einer Gesundheitsstation bis zur Möblierung einer Schule.

Foto: Coffee Circle

Ein Projekt von vielen: Bücher für eine Dorfschule



Seit November 2011 hat "Coffee Circle" einen Geschäftskunden, der so groß ist, dass er ein Projekt alleine finanzieren kann. Bis zu 1,5 Tonnen Kaffee nimmt das Sport- und Lifestyle-Unternehmen Puma pro Jahr ab und versorgt damit Mitarbeiter und Gäste in seiner Zentrale in Herzogenaurach. "Das ist etwas, wo alle etwas von haben", sagt Robert Rudnick. "Wir als Firma, weil wir mehr Kaffee verkaufen, und Puma, weil der Konzern das für die Außendarstellung nutzen und beweisen kann, dass man Corporate Social Responsibility (CSR) und den Gedanken der Nachhaltigkeit ganz stark in das Geschäftsmodell und in die Werte eines Unternehmens verweben kann."

Breakeven für Anfang 2013 angepeilt

Wenn sich Coffee Circle weiter so entwickelt wie im ersten Geschäftsjahr, dann könnte schon Anfang 2013 der Punkt erreicht sein, ab dem das Startup Gewinne abwirft. Noch lebt das Unternehmen von einem Förderkredit der staatlichen KfW-Bank, außerdem hält der Handelsriese Tengelmann mit seiner E-Commerce GmbH seit August 2011 einen Anteil von 29 Prozent an dem Kaffeehändler.

Unbegrenzt wachsen, so meint Betriebswirt Rudnick mit einem Blick auf das aktuell zwölf Köpfe umfassende junge Team, könne und solle das Unternehmen allerdings nicht. "Wenn ich mir so meine Mitarbeiter ansehe und wie wir miteinander umgehen, dann können wir da nicht noch 20, 30, 40 Leute mehr sitzen haben, dann gehen die Dynamik und das Teamgefühl irgendwann verloren."

Vom Unternehmensberater zum Kaffeehändler

Die Büroaufnahme mit der Beschreibung: Berliner Startup Unternehmen Coffee Circle, die Aufnahme von dem Mann: Robert Rudnick, Geschäftsführer des Berliner Startup Unternehmens Coffee Circle. Zugeliefert durch Sabine Kinkartz am 23.2.2012. Copyright DW

Viel größer soll das Team nicht werden: Büroalltag in Berlin-Kreuzberg

Geschlossene Büros und abgestufte Management-Ebenen statt flacher Hierarchien, das hatten die Gründer des Coffee Circle, bevor sie sich selbständig gemacht haben. Alle drei waren Unternehmensberater bei Roland Berger. "Bei uns ist es so, dass wir uns ganz bewusst gegen die Karriere in der Beratung oder auch in einem Konzern entschieden haben, weil wir gemerkt haben, dass Geld bei weitem nicht alles im Leben ist."

Wichtiger sei ihnen die Lust auf eine Aufgabe, die Spaß mache und die sie vor sich selbst gut vertreten könnten. "Wir haben es in der Beratung gesehen, wir haben es im Konzern gesehen und auch unter meinen Kommilitonen, die jetzt auch alle fünf, sechs, sieben Jahre im Beruf sind: die wenigsten sind wirklich glücklich", resümiert Rudnick. Auch wenn er jetzt auch nur noch ein Drittel dessen verdient, was er als Unternehmensberater bekam, so macht er doch einen zufriedenen Eindruck. Früher sei das Geld am Ende des Monats auch weggewesen, sagt Rudnick. Er habe es damals nur für andere Dinge ausgegeben als heute.

Autorin: Sabine Kinkartz
Redaktion: Insa Wrede

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema