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Aktuell Europa

Ukrainer erinnern an Gewaltnacht auf dem Maidan

Im nachhinein betrachtet war es wahrscheinlich die Nacht, die die Wende in der Ukraine einleitete - damals fürchteten die Menschen um ihr Leben. Ein Jahr später kommen Tausende zum Gedenken auf dem Maidan zusammen.

In einer "Gedenknacht" haben Tausende Ukrainer auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz, im Zentrum der ukrainischen Hauptststadt Kiew an einen gewaltsamen Polizeieinsatz gegen prowestliche Demonstranten vor genau einem Jahr erinnert. Auf Großbildschirmen wurden Bilder der proeuropäischen Proteste des vergangenen Jahres gezeigt, die zum Sturz des Moskau-freundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch geführt und eine prowestliche Führung an die Macht gebracht hatten.

Auf einer Bühne vor dem Unabhängigkeitsmonument traten ehemalige Maidan-Aktivisten und Politiker auf, unter ihnen Ruslana, die Siegerin des Eurovision Song Contest 2004. Einige Teilnehmer der Veranstaltung zündeten Feuer in Metallfässern an. Mit solchen Feuern hatten sich die Demonstranten bei den monatelangen Maidan-Protesten im eiskalten Winter 2013/14 warm gehalten.

Brutaler Polizeieinsatz

In der Nacht zum 30.November 2013 hatten Spezialeinheiten der ukrainischen Polizei gewaltsam eine Demonstration von rund 10.000 Menschen aufgelöst, die den Rücktritt von Janukowitsch forderten. Zahlreiche Demonstranten wurden verletzt. Janukowitsch hatte wenige Tage zuvor ein bereits ausgehandelte Assoziierungsabkommen mit der EU scheitern lassen und sich stärker Russland zugewandt.

Massendemonstration auf dem Maidan am 8. Dezember 2013 (Foto: Reuters)

Massendemonstration auf dem Maidan am 8. Dezember 2013

Die Empörung über die Brutalität der Polizei gab der proeuropäischen Bewegung großen Auftrieb. Immer mehr Menschen beteiligten sich an den Protesten auf dem Maidan. Am 8. Dezember 2013 waren es mehr als eine halbe Million. Im Februar 2014 war Janukowitsch am Ende.

Klitschko versus Wirtschaft

Unterdessen teilte einer der Protagonisten des Maidan, der ehemalige Boxweltmeister und heutige Bürgermeister von Kiew, Witali Klitschko, kräftig gegen die deutsche Wirtschaft aus. Er unterstellt Soitzrnmanagern gegen die Russlandsanktionen zu sein. "All diejenigen, die Sanktionen gegen Russland infrage stellen, zeigen damit, dass ihnen die Opfer in der Ukraine in Wahrheit gleichgültig sind", sagte Klitschko der Zeitung "Bild am Sonntag".

"Es war die russische Regierung, die die Krim annektiert hat und danach tausende Soldaten in die Ostukraine schickte", betonte der frühere Box-Champion. "Das wird immer wieder vergessen, auch in Deutschland. Ich finde es unglaublich, dass einigen Wirtschaftsführern in Deutschland Geld offenbar wichtiger ist als Menschenleben." Die Sanktionen gegen Russland müssten noch verstärkt werden, forderte Klitschko.

wl/ml (dpa, afp)