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Online-Vermittlungsdienste

Uber-Manager nehmen ihren Chef an die Leine

Um die Firmenkultur steht es beim Taxischreck Uber nicht gerade zum Besten. Und viele Vorwürfe richten sich direkt an den streitlustigen Mitgründer Travis Kalanick. Der soll nun, so heißt es, etwas kürzer treten.

Travis Kalanick Uber CEO (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Uber-CEO Travis Kalanick

Aggressive Unternehmenskultur, Sexismus, Mobbing und systematische Diskriminierung  – alle diese Vorwürfe an das Unternehmen Uber verbinden sich unmittelbar mit dem Namen des Mitgründers Travis Kalanick. Die Nachrichtenagentur Reuters will nun von einem Insider erfahren haben, dass der Konzernchef deutlichen Gegenwind vom eigenen Führungsgremium bekommt. Die Manager würden darüber diskutieren, ob der umstrittene Mitgründer eine Auszeit nehmen solle oder eine andere Rolle bekomme. Alternativ könnten Kalanicks Befugnisse eingeschränkt oder seine Aktivitäten stärker überwacht werden.

Bislang gibt es keine offizielle Bestätigung dafür, doch die Firmenkultur des Fahrdienstvermittlers sorgt regelmäßig für unschöne Schlagzeilen. Wichtige Manager haben den Konzern aus San Francisco deshalb schon verlassen. Außerdem hatten sich Beschwerden über sexuelle Belästigungen gehäuft. So musste die Wirtschaftskanzlei Perkins Coie gerade erst 215 Vorfälle prüfen. Dabei ging es zumeist um sexuelle Belästigung, Diskriminierung, Anschuldigungen wegen unprofessionellen Verhaltens und wegen Mobbings, aber auch um andere Fälle von Belästigung und sonstigem Fehlverhalten.

Fahrdienst Uber (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Auf einem Smartphone ist die App des Fahrdienstvermittlers Uber zu sehen

Im Rahmen dieser Ermittlungen wurden 20 Mitarbeiter entlassen. Weitere sieben Angestellte erhielten eine "letzte Warnung " und 31 wurden in Schulungen geschickt. Bei 100 geprüften Beschwerden hielt Uber keine Konsequenzen für nötig.

Unternehmensberater sollen aufräumen

Die Ermittlungen waren eingeleitet worden, nachdem eine ehemalige Programmiererin des Fahrdienst-Vermittlers in einem Blogeintrag von einer Unternehmenskultur voller Diskriminierung und Missmanagement berichtet hatte. Hinweise an Vorgesetzte seien folgenlos geblieben. Um die Vorwürfe aufzuklären, hat Uber zusätzlich den ehemaligen US-Justizminister Eric Holder und dessen Kanzlei Covington & Burling für eine unabhängige Untersuchung angeheuert.

Spanische Taxifahrer gegen Uber (picture-alliance/dpa/EFE/T. Albir)

Spanische Taxifahrer protestieren gegen Uber

Das Führungsgremium dürfte dem Insider zufolge die Vorschläge externer Berater annehmen. Die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit würden voraussichtlich am Dienstag über die Änderungen informiert. Das Unternehmen wollte sich nicht zu den Reuters-Informationen äußern.

Schnelles Wachstum, hohe Verluste

Trotz aller Negativ-Schlagzeilen wächst Uber weiter rasant. Im ersten Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Trotz anhaltender Verluste ist das Unternehmen fast 70 Milliarden Dollar wert, hat mehr als 12.000 Mitarbeiter und kooperiert mit über 1,5 Millionen Fahrern.

Uber hat das Taxigewerbe in vielen Ländern verändert, ist aber weltweit in Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Auch die Google-Schwesterfirma Waymo zog vor Gericht, weil Uber bei ihr gestohlene Roboterwagen-Technologie genutzt haben soll.

USA | Test des selbsfahrenden Uber-Mobils in San Francisco (picture-alliance/AP Photo)

Test des selbsfahrenden Uber-Mobils in San Francisco

Travis Kalanick gilt als aggressiver Manager. Arianna Huffington, Gründerin der "Huffington Post" und eine der sieben stimmberechtigten Mitglieder im Uber-Führungsgremium, sagte zuletzt, Kalanick müsse von einem streitlustigen Unternehmer zum Lenker eines Weltkonzerns heranwachsen.

rb/se (afp, ap, dpa, rtr)

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