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Wissen & Umwelt

Twitter und die bösen Trolle

"Unser Umgang mit Trollen ist mies. schon seit Jahren," gab Twitter-CEO Dick Costolo in einer internen Notiz zu. Stimmt, denn bisher sind Mobbingopfer eigentlich auf sich allein gestellt. Nun gelobt Twitter Besserung.

Ob bekannten Persönlichkeiten oder 08/15-Surfer: Überall im Netz begegnen uns Trolle. User, die nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen als andere zu beleidigen, überflüssige Kommentare abzugeben oder regelrechte Shitstorms auszulösen. Was treibt sie an? Die Motivation von Trollen ist letztendlich egal, schreibt der Kommunikationsexperte Jens Scholz in

5 Tipps zum Umgang mit Trollen

, "…es steckt immer dasselbe Ziel dahinter, nämlich die Übernahme bzw. Zerstörung der eigentlichen Kommunikation. Es ist am Ende immer ein Machtspiel und es geht darum, dass ihr euch vom Troll vereinnahmen lasst."

Bisher standen Opfer der Hass- und Spottbotschaften in solchen Situationen immer relativ alleine da. Was soll man auch groß dagegen tun - in unserem anonymen Internet?

Aufmerksamkeit entziehen oder ignorieren mag, eine Möglichkeit sein. Was die Betroffenen trotzdem nicht vor den Aggressionen fremder Leute schützt. Denn von den Kommentaren bleiben sie ja trotzdem nicht verschont. Und die Anfeindungen gar nicht erst zu lesen, schaffen womöglich nur die wenigsten.

Der Sänger James Blunt hat mittlerweile seine ganz eigene Art gefunden, mit Trollen fertig zu werden. Er ignoriert nicht, er kommentiert. Nur ein Auszug aus seinem Alltag im Kampf gegen die Kritiker: "Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich James Blunt hasse". Antwort James Blunt: "Vielleicht kannst du es singen?". Punkt für Blunt! Aber der nächste Seitenhieb kommt bestimmt. Eine Never Ending Story.

Zwischen Witz und Kränkung

Manche dieser Kommentare mögen noch ganz lustig sein. Es geht aber durchaus auch bösartiger, wenn Rassismus und Sexismus mit einspielen.

Twitter-Chef Dick Costolo übernimmt nun ganz persönlich die Verantwortung dafür, dass Trolle bislang nicht effektiv genug bekämpft wurden.

"The Verge" berichtete

von den offenen Worten gegenüber seinen Mitarbeitern, in einer internen Stellungnahme. Anlass hierfür war die Frage eines Angestellten, ob man nicht mehr gegen Cybermobbing tun könnte. Er bezog sich auf den Vorfall, der kürzlich der amerikanischen Autorin Lindy West passiert ist.

West ist ein beliebtes Opfer bösartiger User in sozialen Netzwerken. Warum? Sie schreibt über kontroverse und feministische Themen.

Vergewaltigung zum Beispiel

. Gerade danach würden die dreisten und beleidigenden Nachrichten meist ein riesiges Ausmaß annehmen. "Dann wird mein Twitterfeed überflutet, meine Facebook-Seite, mein Mailfach… so schnell, dass ich nicht hinterherkomme", so West gegenüber dem Guardian, dem sie

die ganze Geschichte

erzählte.

Trolle und Reue - eine Seltenheit

Doch dann kam der Wendepunkt, von dem an sie die Anfeindungen nicht einfach mehr so hinnehmen wollte - auch wenn ihr Freunde dazu rieten, Kommentare einfach unbeachtet zu lassen oder die Social Media-Plattformen dazu aufrufen, "Beleidigungen einfach zu melden". Nachdem sich ein Troll einen Twitter-Account unter dem Namen ihres kürzlich verstorbenen Vaters zugelegt und bösartige Posts gegenüber West losgelassen hatte, war es genug für die Autorin.

Twitter CEO Dick Costolo (Foto: dpa).

Twitter-Chef Dick Costolo gesteht Fehler ein

Sie wandte sich öffentlich an den Verfasser - und bekam wider Erwarten erneut eine Nachricht. In der entschuldigte sich der Troll: "Ich glaube, durch ihr Glück ist mir die eigene Unzufriedenheit viel bewusster geworden. […] Ich kann mich nicht oft genug entschuldigen […]." "PawWestDonezo", so der Name des Accounts, wurde danach gelöscht. Er spendete 50 US-Dollar an die Krebsklinik, in der Lindy Wests Vater behandelt wurde.

Gegen Belästigungen, Beleidigungen, Bedrohungen

So aber gehen die Fälle selten aus. Immer häufiger würden Twitter-Nutzer sogar durch die Trolle ganz von der Plattform vertrieben, so Twitter-Chef Dick Costolo weiter.

Er scheint ehrlich beschämt darüber zu sein, wie lasch Twitter während seiner Amtszeit als Chef mit Cybermobbing umgegangen ist. Er übernehme die volle Verantwortung dafür. "Wir werden anfangen, diese Leute rauszuschmeißen und sicherstellen, dass niemand ihre lächerlichen Attacken mitbekommt", so Costolo.

Im Dezember hatte Twitter bereits eine Meldefunktion für missbräuchliches Verhalten in dem sozialen Netzwerk eingeführt - und hat sich auch mit einer Interessengruppe zusammengeschlossen, die die Belästigungen gegenüber Frauen auf der Plattform untersuchen soll. Eine weitere Stellungnahme zu der internen Debatte ist geplant.

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