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Aktuell Afrika

Tunis will "gnadenlosen" Kampf gegen Terror

Nach dem blutigen Angriff auf das Nationalmuseum will die tunesische Führung mit aller Härte gegen den Terror vorgehen. Experten vermuten, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida hinter dem Attentat stecken könnte.

Präsident Béji Caïd Essebsi sagte, das Land werde "bis zum letzten Atemzug" gegen seine Gegner kämpfen. Der Kampf gegen den Terror werde "gnadenlos" geführt. "Diese grausamen Minderheiten jagen uns keine Angst ein", sagte der Staatschef des nordafrikanischen Landes an die Adresse der Angreifer gerichtet. "Wir müssen mit einer Generalmobilmachung beginnen und die Terroristen endgültig ausschalten", sagte er beim Besuch von Verletzten im Krankenhaus. Bei einer Fernsehansprache versprach Essebsi, Tunesiens Bürger würden "über diese kriminellen Minderheiten" siegen.

Bewaffnete Angreifer in Militäruniformen waren am Mittwoch mit Schnellfeuerwaffen auf das Gelände des Nationalmuseums in Tunis gestürmt. Das Bardo, das direkt neben dem Parlamentsgebäude liegt, ist das meistbesuchte Museum des Landes, beliebt auch bei den vielen ausländischen Besuchern. Einen Tag nach dem Anschlag auf das Museum in Tunis ist die Zahl der getöteten ausländischen Touristen nach Regierungsangaben auf 20 gestiegen. Bisher war von 17 Ausländern die Rede. Insgesamt wurden nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums 25 Menschen getötet, 47 wurden verletzt.

Zwei der mutmaßlichen Attentäter wurden erschossen. Mittlerweile wurden nach offiziellen Angaben vier Personen festgenommen. Es gebe eine direkte Verbindung der Verdächtigen zu dem Attentat. Nach weiteren Komplizen wird noch gefahndet.

Unter den ausländischen Todesopfern waren mehrere Japaner, Italiener und Kolumbianer sowie Touristen aus Frankreich, Polen und Spanien. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes war jedoch kein Deutscher unter den Toten. Die tunesische Regierung hatte zunächst von einem deutschen Opfer gesprochen. Aufatmen können die Angehörigen eines spanischen Paares. Gemeinsam mit einem Tunesier habe das Paar nach dem Angriff die ganze Nacht im Museum ausgeharrt, berichtete der tunesische Radiosender Mosaique.

Drahtzieher Al-Kaida?

Zu dem Anschlag auf das Museum bekannte sich zunächst niemand, jedoch trägt er die Handschrift radikaler Islamisten. In Tunesien sind mehrere islamistische Extremistengruppen aktiv, darunter Ansar al-Scharia. Am Dienstag war eine Tonaufnahme eines der führenden Mitglieder der Al-Kaida-nahen Gruppe aufgetaucht, darin wird Tunesien zum "Land des Dschihad" erklärt. Im Nachbarland Libyen versucht zudem die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) an Boden zu gewinnen. Nach Schätzungen der Behörden haben sich 3000 Tunesier dem IS in Syrien oder dem Irak angeschlossen. Die Regierung ist in Sorge, dass Rückkehrer im Land Anschläge verüben könnten.

International löste die Bluttat Entsetzen aus. Unter anderem die USA, die EU, Frankreich und Deutschland verurteilten den Angriff auf das Schärfste. Die Bundesregierung erklärte, der Angriff habe "ohne Zweifel der jungen tunesischen Demokratie" gegolten. Der UN-Sicherheitsrat zeigte sich ebenfalls entsetzt und forderte, dass die Verantwortlichen der "unbeschreiblichen Terrorakte" sowie deren Finanzierer zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Anschlag ist ein schwerer Rückschlag für das nordafrikanische Land. Während in vielen Ländern nach dem "Arabischer Frühling" genannten Umbruch chaotische Zustände herrschen, blieb Tunesien von Turbulenzen weitgehend verschont und befindet sich auf dem Weg neue stabile politische Strukturen zu etablieren.

qu/sp (afp, dpa, rtr)