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Welt

Schock und Trauer in Tunis

In Tunesiens Hauptstadt stürmen Terroristen ein beliebtes Museum - und richten ein Blutbad unter Urlaubern an. Wut und Empörung im Land sind groß. Aus Tunis berichtet Sarah Mersch.

"Das kann doch nicht wahr sein", ruft Ahmed, der zusammen mit einigen anderen Bürgern vor dem Fernseher eines Cafés die Nachrichten schaut. "Jetzt wird es ernst", murmelt er. Der Schock ist groß in Tunis nach dem Angriff auf das Bardo-Museum. Mehrere Angreifer waren zum Gebäudekomplex vorgedrungen, der sowohl das Museum als auch das tunesische Parlament beherbergt.

Wassel Bouzid ist Fremdenführer und kam gerade mit einer Gruppe Touristen aus dem Museum: "Rund 20 Meter von mir entfernt, auf dem Parkplatz, stand ein Junge - 20 bis 25 Jahre alt, in Jeans und Pulli." Als die Touristen in den Bus stiegen, fing er an zu schießen. "Da habe ich erst begriffen, dass das eine echte Kalaschnikow ist. Ich dachte erst, der spielt mit einem Plastikgewehr." Dann sei er weggerannt, berichtet Bouzid mit vom Weinen geröteten Augen. Einer der Angreifer wurde festgenommen, zwei weitere von der Polizei getötet. Man vermute aber, dass es Hintermänner gegeben habe, so die tunesische Regierung. Nach denen werde nun mit Hochdruck gefahndet. Der Hintergrund der Täter ist noch unbekannt, allerdings vermuten viele Tunesier, dass es sich um Islamisten handelte.

"Wir lassen uns nicht unterkriegen"

Der Anschlag hatte den Stadtteil Bardo über Stunden lahmgelegt. Die Straßenbahn hatte ihren Verkehr eingestellt, ein Helikopter der Armee kreiste durch die Luft. Auch mehrere Stunden nach dem Ende des Angriffs steht das Viertel noch unter schärfster Bewachung, Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen bringen Verletzte in umliegende Krankenhäuser.

Die Abgeordneten, die im angrenzenden Parlament in einer Ausschusssitzung waren, wurden im Verlauf des Nachmittags in Sicherheit gebracht. Auch sie standen sichtlich unter Schock, einige weinten. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", so die Ennahdha-Abgeordnete Yamina Zoghlami. "Es lebe Tunesien", ruft sie dann wie aus Trotz, und streckt die geballte Faust in die Luft. "Wir lassen uns nicht unterkriegen", sagt ein anderer Volksvertreter. "Das ist ein ganz herber Schlag für Tunesien." Ausgerechnet der Entwurf für ein neues Antiterrorgesetz wurde am Mittwoch im Ausschuss diskutiert.

Sorge um weitere Einbrüche im Tourismus

Zwar war es in der Vergangenheit immer wieder zu islamistischen Angriffen auf Sicherheitskräfte gekommen. Doch der Anschlag am Mittwoch ist der erste in der Hauptstadt und der erste auf Zivilisten seit dem politischen Umbruch im Jahr 2011. Vor allem über die durchlässige Landesgrenze zu Libyen gelangen große Mengen an Waffen nach Tunesien. Zum Teil werden sie über den Landweg weiter über Algerien nach Mali geschafft, viele bleiben aber auch in Tunesien. Immer wieder wurden auch in den letzten Tagen Waffendepots entdeckt und mutmaßliche Terroristen festgenommen. Premier Habib Essid bezeichnete den Kampf gegen den Terrorismus vor zwei Tagen in einer Fernsehansprache als Priorität der Regierung.

"Irgendwie wussten wir ja, dass so etwas passieren kann. Aber wir hatten eben gehofft, wir würden verschont", meint Ahmed und klammert sich an seinen Kaffee. "Die Touristen sind jetzt wohl endgültig weg", sagt er, bevor er wieder auf den Bildschirm starrt. Der tunesische Tourismus, der rund sieben Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht, leidet schon seit 2011 unter starken Einbrüchen.

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