1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Tuberkulose: China und Indien finanzieren Forschung

Seit 2006 hat die Weltgesundheitsorganisation ein 20-Milliarden-Dollar-Programm zur Bekämpfung von Tuberkulose aufgelegt. Damit will die WHO mit Hilfe der Forschung bis 2015 die Aufwärtskurve der Krankheit stoppen.

Tuberkulosekranker wird untersucht (Quelle: dpa/epa)

Tuberkulose-Patient in Indien

Alle 20 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch an Tuberkulose. Jährlich fordert die Schwindsucht laut Angaben der Weltgesundheitsbehörde an die zwei Millionen Todesopfer, stecken sich neun Millionen Menschen neu an. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Erkrankten weltweit, häufig als Folge einer HIV-Infektion. Und es mehren sich Bakterienstämme, die resistent sind gegen bisherige Behandlungsmethoden. Die Weltgesundheitsorganisation hat 2006 ein 20-Milliarden-Dollar-Programm aufgelegt: Bis 2015 soll die Aufwärtskurve bei Tuberkulose-Erkrankungen zumindest gestoppt werden. Doch wie weit sind die Forscher und wohin fließen die Gelder tatsächlich?

Zu wenig Unterstützung

WHO (Quelle: AP)

"Stop TB!" - die WHO will auf das Problem Tuberkulose aufmerksam machen

Die Nichtregierungsorganisation Treatment Action Group (TAG) wurde eigentlich gegründet, um sich für bessere Aids-Therapien einzusetzen. Doch mittlerweile verstirbt die Mehrheit der HIV-Aids-Patienten an einer alten Seuche: Tuberkulose. So studiert die TAG auch bei der Tuberkulose-Bekämpfung seit 2005 alljährlich die Bedingungen im Bereich Forschung und Entwicklung. Neun Milliarden US-Dollar sollen dafür laut Weltgesundheitsbehörde bis 2015 im Rahmen des globalen Plans aufgebracht werden.

Die neueste Erhebung der TAG zeigt, dass man davon noch weit entfernt ist, sagt Geschäftsführer Mark Harrington: "Unsere Studie zeigt, dass die vierzig wichtigsten Geldgeber ihre Zuwendungen für Forschung und Entwicklung zwischen 2005 und 2007 insgesamt um lediglich 19 Prozent erhöht haben." Im vergangenen Jahr seien deshalb nur sechs Prozent mehr Geld zusammen gekommen. Das entspreche gerade einmal der Hälfte dessen, was im globalen Plan der Weltgesundheitsbehörde vorgesehen sei, so Harrington. "Wenn die Nichtregierungsorganisationen die angestrebten Investitionssummen nicht bekommen, reichen die Mittel nicht für mehr Grundlagenforschung, für neue Diagnoseverfahren, für neue Medikamente und neue Impfstoffe", betont Harrington. Dann könne die Tuberkulose nicht besiegt werden.

Neue Geldgeber

Tuberkulose-Kranke in China. Quelle: ap

China hat ein massives Problem mit TB

Die amerikanische Behörde für Allergien und Infektionskrankheiten ist der wichtigste Geldgeber, gefolgt von der Gates-Stiftung. Doch vielerorts fehle es laut Harrington am nötigen politischen Willen, genügend Mittel für die Bekämpfung der Tuberkulose bereitzustellen. Auch mangels einer wortgewaltigen Lobbygruppe: Tuberkulose ist eine Armenkrankheit. Dabei ist die Perspektive wenig erfreulich: Bei jeder zehnten Neuinfektion handelt es sich um einen multiresistenten Bakterienstamm. Und jeder 20. Patient erhält nicht die richtige Therapie, kann nicht geheilt werden. Das ist mehr als erschreckend angesichts der Tatsache, dass jeder dritte Weltbürger Tuberkulose-Erreger in sich trägt.

Aber es gibt auch eine gute Neuigkeit in der TAG-Studie: Neue Geldgeber wie Brasilien, Indien und China steigen in den globalen Plan ein. "Das sind einige der Länder mit der höchsten Tuberkulose-Quote", so Harrington. China wird im kommenden Jahr 100 Millionen US-Dollar in die Tuberkulose-Forschung investieren. Selbst Südafrika bringt nun Gelder für den globalen Fond auf. Brasilien gehört bereits zu den 20 größten Geldgebern, Indien spendet mittlerweile mehr als Frankreich für die Tuberkulose-Forschung. Das entbinde die reichen Länder jedoch nicht ihrer Verantwortung, betont Harrigton: "Wir müssen den armen Ländern weiterhin helfen, wir haben mehr Geld und bessere Forschungseinrichtungen und müssen dazu beitragen, dass sie bei sich die Seuche besiegen können, die uns alle bedroht."

Neue Impfstoffe geben Hoffnung

Pharma - Forschung. Quelle: AP

Pharmakonzerne entwickeln neue Impfstoffe und Medikamente gegen TBC

Die Entwicklung eines neuen Impfstoffs gegen Tuberkulose wird noch lange Jahre brauchen. Aber die Forscher studieren heute 14 Medikamenten-Kandidaten. Die Organisation Create, ein Wissenschaftler-Konsortium, das Tuberkulose bei Aidspatienten bekämpft, leistet dabei aktive Hilfestellung. Als vielversprechend gilt das Bayer-Präparat Moxifloxacin, das bislang als Antibiotikum gegen Atemwegserkrankungen verschrieben wird. Richard Chaisson vom Tuberkulose-Zentrum der John-Hopkins-Universität in Baltimore leitet die Forschungsabteilung bei Create:“Mehrere Studien haben schon gezeigt, dass das Medikament auch bei Tuberkulose sehr wirksam ist. In Großstudien wollen wir bei Create nun herausbekommen, ob sich damit auch die Behandlungszeit verkürzen lässt.“

Große Hoffnungen setzen die Forscher auch auf Rifapentin von Sanofi-Aventis. Das Medikament ist schon länger im Handel, aber erst jetzt verstehen die Wissenschaftler seine Wirkungsweise. Erste Labor- und auch klinische Studien zeigen: Mit dem Präparat lässt sich Tuberkulose innerhalb von drei statt wie bisher sechs Monaten auskurieren. Und nach den neusten Erkenntissen scheint Rifapentin auch sehr wirksam zu sein, um eine Therapie auf drei Monate zu verkürzen. Zudem scheint es einer Tuberkulose-Infektion bei HIV-Patienten vorzubeugen.

Unter Hochdruck arbeiten die Forscher gleichfalls an schnelleren Diagnose-Verfahren, um Tuberkulose-und Aids-Kranke ausfindig zu machen, bevor sie andere anstecken.

Die Redaktion empfiehlt