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Politik

Tsunami-Opfer zwischen Wiederaufbau und Flucht

Zwei Jahre nach dem verheerenden Tsunami in Südostasien haben deutsche Hilfsorganisationen eine positive Bilanz ihrer Arbeit gezogen. Noch nie kamen in so kurzer Zeit so viele Spenden zusammen wie vor zwei Jahren.

Ein Mann aus Banda Aceh arbeitet am Dachstuhl eines neuen Hauses. (EPA)

Ein Mann aus Banda Aceh beim Bau eines neuen Hauses

Am 26. Dezember, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, ist es zwei Jahre her, dass die Tsunami-Katastrophe Südostasien heimsuchte, bei der 227.000 Menschen starben und 1,7 Millionen obdachlos wurden. Christoph Ernesti, Leiter des Koordinationsbüros der Aktion Deutschland hilft in Sri Lanka, erinnert an die Dimension dieses schicksalhaften Tages: "Dabei ist die Energie von 23.000 Atombomben freigesetzt worden." Die Küste von Westsumatra sei nach 20 Minuten von diesen unglaublichen Wellen erreicht worden. Und die Bilder aus Banda Aceh, so Ernesti, wird wohl niemand vergessen. Dort waren innerhalb von wenigen Minuten 120.000 Menschen ums Leben gekommen.

Eine Straße in Banda Aceh steht unter Wasser, Läden und Wohnungen sind völlig zerstört. (ZPress)

Banda Aceh nach dem Tsunami in Indonesien Anfang 2005

670 Millionen Euro spendeten die Deutschen, 128 Millionen erhielt das Aktionsbündnis Deutschland hilft, in dem zehn Hilfeorganisationen zusammengeschlossen sind. Manuela Rossbach, Geschäftsführerin des Bündnisses erzählt über den Stand der Hilfsmaßnahmen. Schwerpunktbereich sei in den ersten drei bis vier Monaten die Nothilfe gewesen. Danach begann langsam der Wiederaufbau. Dabei seien sehr viele Mittel in Strukturaufbau, Krankenhauswesen und Gesundheitsstationen investiert worden.

Rehabilitation von Dorfgemeinschaften

Nach Meinung der Experten wird der Wiederaufbau noch drei Jahre dauern. Dabei geht es nicht nur um die Bereitstellung von Notunterkünften, um Hygienemaßnahmen und den Wiederaufbau von Häusern. Es geht vor allem um die Rehabilitation ganzer Dorfgemeinschaften. Man wolle in der Arbeit Perspektiven für die Zukunft aufzeigen, sagt Ernesti. Man müsse den Menschen Maßnahmen anbieten, womit sie ihr Einkommen sichern können. Nur dann könnten sie ihre Zukunft sinnvoll gestalten.

Geholfen wird zum Beispiel bei der Rekultivierung von versalzenen Reisfeldern. Es gibt Ausbildungsangebote, Projekte, die die Existenz absichern sollen wie zum Beispiel Nähkooperativen. Nach dem Tsunami hat im indonesischen Aceh ein Friedensprozess begonnen, der den Wiederaufbau begünstigt hat.

Ganz anders als in Sri Lanka, wo der Waffenstillstand gebrochen worden sei, wie Rossbach erzählt: "In Sri Lanka ist im Moment der Bürgerkrieg wieder entfacht, die Arbeit unserer Hilfsorganisation ist in Teilen des Landes dadurch behindert."

Eskalation in Sri Lanka

Die Hilfsorganisationen berichten, dass die Situation in Sri-Lanka seit April extrem eskaliert. Die Menschen befänden sich dort wieder auf der Flucht, auf der Suche nach Nahrungsmitteln, nach Hilfsgütern, nach sanitären Anlagen, berichtet Edith Wallmeier, Leiterin der Auslandshilfe beim Arbeiter-Samariter-Bund. Zunächst seien die neuen Flüchtlinge in Tempeln und in Schulen untergekommen und konnten von den Hilfsorganisationen notdürftig versorgt werden.

Seit 20 Jahren leiden die Menschen unter diesem Bürgerkrieg, der allein in den letzten Monaten 3000 Menschenleben gefordert hat, berichtet auch Ernesti. Zwei Jahre nach der Katastrophe sei eine neue Nothilfesituation eingetreten mit 200.000 Binnenflüchtlinge im Land.

Die Hilfsorganisationen appellieren deshalb an die Konfliktparteien, den Zugang zu hilfsbedürftigen Menschen zu ermöglichen, damit sie mit Nahrungsmitteln und Wasser versorgt und medizinisch betreut werden können.

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