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Aktuell Europa

Tsipras zu Gast bei Freunden

Griechenlands Ministerpräsident Tsipras kommt am zweiten Tag seines Antrittsbesuchs in Berlin mit Vertretern der Opposition zusammen. Mit der Linkspartei hat Tsipras treue Fürsprecher im Bundestag.

Alexis Tsipras und Gregor Gysi 2012 in Berlin (Foto: AP)

Alexis Tsipras und Gregor Gysi 2012 in Berlin

Nach dem Besuch von Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras in Berlin hofft die Parteichefin der Linken, Katja Kipping, auf mehr Verständnis für die Situation des hoch verschuldeten Landes. Die Menschen in Griechenland hätten "unter enormen sozialen Problemen zu leiden", sagte Kipping im ARD-"Morgenmagazin". Darauf versuche die Regierung in Athen zu reagieren. "Ich hoffe, dass es im Ergebnis dieses Gespräches mehr Verständnis für die Situation in Griechenland gibt", fügte sie mit Blick auf das Treffen von Tsipras mit der konservativen Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montagabend hinzu. "Ich glaube, eine gewisse sprachliche Abrüstung war sehr hilfreich."

Tsipras am Montag mit Angela Merkel (Foto: dpa)

Tsipras am Montag mit Angela Merkel

Am Vormittag trifft Tsipras zunächst Kipping und den Vorsitzenden der Linken-Bundestagsfraktion, Gregor Gysi. Am Nachmittag ist eine Begegnung des griechischen Regierungschefs mit den beiden Parteivorsitzenden der Grünen, Cem Özdemir und Simone Peter, sowie der stellvertretenden Vorsitzenden der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Ska Keller, geplant. Inzwischen kam Tsipras in Berlin mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier zu einem Meinungsaustausch zusammen.

Im Mittelpunkt der Gespräche mit der Opposition steht der Streit um die Reformpolitik des pleitebedrohten Landes und die Zukunft des Euro. Die Euro-Partner und der IWF haben ausstehende Kredite von 7,2 Milliarden Euro auf Eis gelegt, da Athen bisher nicht alle Reformauflagen erfüllt hat.

Reformliste bis Montag

Bei seinem Treffen mit Merkel lud Tsipras die Bundeskanzlerin offenbar zu einem Besuch in Griechenland ein. "Ja, Tsipras hat die Bundeskanzlerin eingeladen", sagte der Sprecher der Regierung, Gabriel Sakellaridis im griechischen Fernsehen. Ein Datum für den Besuch nannte er nicht. Bei den Gesprächen am Vorabend habe Tsipras Merkel keine genaue Liste der geplanten Reformen vorgelegt. Alle Themen seien aber angesprochen worden, hieß es. Die vollständige Reformliste wolle Athen bis Montag der Eurogruppe schicken, so Sakellaridis weiter.

Merkel und Tsipras sprachen am Montagabend bis kurz vor Mitternacht fast fünf Stunden lang miteinander. Bei einem einstündigen Treffen zuvor waren Merkel und Tsipras trotz versöhnlicher Töne in wesentlichen Fragen der Schuldenkrise nicht vorangekommen. "Die Bundeskanzlerin und der griechische Ministerpräsident hatten in guter und konstruktiver Atmosphäre eine umfassende Aussprache über die Situation Griechenlands, die Arbeitsweise der Europäischen Union und die künftige deutsch-griechische Zusammenarbeit", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert im Anschluss mit.

Nach wochenlangem Schlagabtausch zwischen Berlin und Athen hatte Tsipras Deutschland eine neue Form der Zusammenarbeit angeboten. "Es gibt keinen anderen Weg als den des Dialogs, um bestehende Schwierigkeiten zu überwinden", sagte er. Zugleich versprach der linke Regierungschef, dass Griechenland Vereinbarungen einhalten werde. Er forderte aber andere Prioritäten. "Wir brauchen einen neuen politischen Mix." Merkel drängte den Euro-Partner angesichts des drohenden Staatsbankrotts, Reformen auch umzusetzen. Forderungen nach weiteren Entschädigungen für Nazi-Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs wies die Kanzlerin zurück.

stu/kle (afp, dpa)

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