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Politik

Tschetschenen nehmen Theaterbesucher als Geiseln

Ein Moskauer Theater ist seit Mittwoch (23. Oktober 2002) Schauplatz einer spektakulären Geiselnahme. Rund 50 schwerbewaffnete Tschetschenen stürmten eine Musicalvorstellung und nahmen bis zu 1000 Zuschauer als Geiseln.

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Ein Polizist vor dem Theater, in dem das Stück "Nord-Ost" spielte

Die tschetschenischen Kidnapper bekannten sich am Abend zur Geiselnahme in dem Musical-Theater. Auf ihrer Internet-Seite www.kavkaz.org teilten sie mit, das Kommando werde von Mowsar Barajew angeführt, dem Neffen des tschetschenischen Rebellenführers Arbi Barajew, der nach
russischen Armeeangaben im Juni vergangenen Jahres getötet worden war.

Ende des Tschetschenien-Kriegs gefordert

"Es sind 40 bis 50 Terroristen, und ihre einzige Forderung ist eine Beendigung des Kriegs in Tschetschenien", sagte Polizeisprecher Waleri Gribakin in einer ersten Stellungnahme. Unter den Geiselnehmern seien auch 14
Frauen, hieß es. Russische Einheiten waren am 1. Oktober 1999 in die abtrünnige Kaukasus-Republik Tschetschenien einmarschiert und kämpfen seitdem gegen die nach Unabhängigkeit von Moskau strebenden Rebellen.

Die Unbekannten erlaubten den Geiseln, mit ihren Mobiltelefonen Verwandte und Bekannte anzurufen. Kurz danach seien Kinder und Moslems freigelassen worden, berichtete der Fernsehsender NTW. Um Mitternacht (Ortszeit) wurden nach Angaben der Polizei weitere 150 Geiseln freigelassen.

Deutsche in Geiselhaft

Unter den von tschetschenischen Rebellen festgehaltenen Geiseln in Moskau befinden sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch drei deutsche Staatsbürger. "Nach den Informationen, die uns bis jetzt vorliegen, sind es drei Deutsche", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin der Nachrichtenagentur dpa. Angaben zur Identität könne er nicht machen.

Schüsse und Sprengsätze

Nach Angaben von Geiseln, die telefonisch Kontakt zur Polizei herstellen konnten, gaben sich die Geiselnehmer als Tschetschenen zu erkennen. Sie nannten sich demnach "Selbstmordkommando der 29. Division". Die Männer hätten zunächst in die Luft gefeuert und Sprengsätze in dem Theater gelegt, berichteten Geiseln laut einer Meldung von Interfax der Polizei. Sie drohten bei einem Sturm auf den Konzertsaal mit einer Sprengung des Gebäudes. Zuvor seien die Geiselnehmer in mehreren Autos vorgefahren, hätten die Eingänge blockiert und das Gebäude mit automatischen Waffen gestürmt, berichtete eine Interfax-Reporterin.

Polizisten und Angehörige der Alpha-Spezialeinheit begaben sich sofort nach dem Alarm zu dem Theater, das in einem Arbeiterviertel im Südosten Moskaus steht. Die Gegend rund um den Konzertsaal wurde von der Polizei weiträumig abgeriegelt und Präsident Wladimir Putin wurde sofort über die Geiselnahme informiert.

Beliebtes Musical

Zur Zeit des Überfalls wurde in dem Theater ein Musical aufgeführt. Das Stück "Nord-Ost" ist eine der populärsten Produktionen der letzten Jahre in Russland. Nach Angaben der Produktion haben bislang mehr als 350.000 Menschen das Musical besucht. (mik)

Letzte Aktualisierung: 22.30 UTC

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