1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Vereinigte Staaten von Amerika

Trump schlägt unter die Gürtellinie

Dass der US-Präsident wütende Tiraden über Twitter schickt, ist nichts Neues. Doch diesmal finden sogar führende Republikaner im Kongress, Donald Trump sei zu weit gegangen - mit einem "blutigen" Ausfall.

US Präsident Trump (Picture alliance/AP Images/J. Locher)

"Psycho-Joe und die verrückte Mika": Donald Trump (Archivbild)

Mit wüsten Beschimpfungen von zwei Fernsehjournalisten hat sich US-Präsident Donald Trump unverhohlene Kritik aus der eigenen Partei eingehandelt. Trump schmähte einen TV-Moderator als "Psycho-Joe" und dessen Kollegin als die "verrückte Mika mit dem niedrigen IQ (Intelligenzquotienten)".

Trumps Wutanfall war durch die Sendung "Morning Joe" des Senders MSNBC ausgelöst worden, die von Joe Scarborough und Mika Brzezinski moderiert wird. Brzezinski hatte am Donnerstag harsche Kritik an Trumps Führungsstil geäußert und ihm "nicht normales Verhalten" vorgeworfen, das Zweifel an seinem mentalen Zustand aufwerfe.

"Schlimm von Gesichtslifting geblutet"

Der Präsident der Vereinigten Staaten schlug daraufhin mittels zwei Kurzbotschaften im Internetdienst Twitter wild zurück. So kolportierte er, obgleich die beiden Moderatoren "schlecht über mich reden", seien sie um Neujahr herum an drei Abenden hintereinander in seinem Mar-a-Lago-Club im Bundesstaat Florida gewesen.

Brzezinski und Scarborough hätten "darauf bestanden, mit mir zusammenzukommen". Die Moderatorin habe damals "schlimm von einem Gesichtslifting geblutet", höhnte Trump. Er habe es abgelehnt, die beiden zu treffen.

"Bitte hören Sie auf - das ist nicht normal"

MSNBC konterte per Twitter mit dem Kurzkommentar: "Es ist ein trauriger Tag für Amerika, wenn der Präsident seine Zeit damit verbringt, zu mobben, zu lügen und schäbige persönliche Angriffe auszuspeien, statt seinen Job zu machen."

Amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei Paul Ryan (Picture alliance/AP Photo/C. Neibergall)

"Unwürdig": Republikaner Paul Ryan (Archivbild)

Auch republikanische Parlamentarier waren angesichts der Attacke bestürzt. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, nannte Trumps Attacke im Tonfall "unangemessen". Deutlicher wurden andere Parteikollegen des Präsidenten. Senator Lindsey Graham twitterte: "Mr. President, Ihr Tweet war des Amtes unwürdig, und er steht für das, was in der amerikanischen Politik falsch läuft." Senator Ben Sasse appellierte an den Präsidenten: "Bitte hören sie auf. Das ist nicht normal. Es ist unterhalb der Würde Ihres Amtes."

"Er bekämpft Feuer mit Feuer"

Präsidentensprecherin Sarah Huckabee Sanders verteidigte Trumps heftige Polemik hingegen als angebracht. Er sei ein Präsident, "der Feuer mit Feuer bekämpft". Trump werde nicht zulassen, dass er von linksliberalen Medien oder Eliten "gemobbt" werde.

Brzezinski hatte dem Präsidenten vorgehalten, über das äußere Erscheinungsbild von Menschen herzuziehen, "jeden Tag zu lügen", die Autorität seiner Mitarbeiter zu untergraben und sie als Bauernopfer zu missbrauchen. Wenn der Chef ihres Senders sich so verhielte, dann "würde diese Person gefeuert", sagte sie. Man wäre besorgt, dass "die Person, die das Unternehmen leitet, den Verstand verloren hat".

"Für kleine Hände gemacht"

Auf Trumps Gegenattacke reagierte Brzezinski unbeeindruckt. Sie stellte ein Video auf Twitter ein, das ein kleines Kind dabei zeigt, wie es nach Frühstücksflocken greift. "Für kleine Hände gemacht" steht dazu geschrieben. Seit dem Wahlkampf werden in den US-Medien ständig pubertär anmutende Witze über Trumps angeblich kleine Hände gerissen - eine Anspielung auf seine vermeintliche Penisgröße.

Joe Scarborough und Mika Brzezinski (Picture alliance/AP Images/A. Kropa)

"Er lügt jeden Tag": Mika Brzezinski mit Joe Scarborough (Archivbild)

Die 50-Jährige TV-Moderatorin Mika Brzezinski ist die Tochter des kürzlich verstorbenen Nationalen Sicherheitsberaters von Ex-Präsident Jimmy Carter, Zbigniew Brzezinski. Ihr 54-jähriger Ko-Moderator ist ein früherer Kongressabgeordneter der Republikaner. Brzezinski und Scarborough sind verlobt.

jj/vk (dpa, afp)

Die Redaktion empfiehlt