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US-Wahl

"Trump ist 70, der ändert sich nicht mehr!"

Er ist skandalumwittert, polarisiert und verstößt absichtsvoll gegen Political Correctness. Nun wird er US-Präsident. Donald Trump bleibt, wie er ist, glaubt Korrespondentin Cindy Saine-Spang im DW-Interview.

Deutsche Welle: Frau Saine-Spang, im Wahlkampf haben wir Donald Trump als Großmaul erlebt. Wird das so bleiben?

Es wird nicht so schnell vergessen werden, was er als Wahlkämpfer so alles gesagt hat. Aber in seiner ersten Rede nach seinem Triumph hat er immerhin schon versöhnliche Töne anklingen lassen. Er hat sich bei Hillary Clinton sehr bedankt für ihren Einsatz, ihre Leistung. Über die gleiche Hillary Clinton hatte er noch kurz zuvor gesagt, man solle sie ins Gefängnis stecken.

Trotzdem, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dieser Mann noch ändert. Er ist jetzt 70 Jahre alt und die Menschen verändern sich in diesem Alter nicht mehr. Sein Vorgänger Barack Obama hat gesagt: "Auch wenn man Präsident ist, bleibt man die Person, die man ist."

Braucht er also viele gute Aufpasser und Berater?

Ja, das würde ich sagen.

Kann er nach allem, was er gesagt hat, überhaupt noch integrieren? Kann er die Nation wieder zusammenführen?

Cindy Saine-Spang (privat)

Cindy Saine-Spang, Korrespondentin im Weißen Haus

Ich denke, das wird sehr schwierig sein. Das Land ist gespalten. Die Großstädte haben überwiegend für Hillary Clinton gestimmt, die ländlichen Regionen waren für Donald Trump. Vor allem weiße Männer waren für Trump. Latinos, Schwarze und andere Minderheiten haben aber erst einmal Angst. Sie wissen nicht, was die Zukunft bringen wird.

Ab heute stellen wir uns alle sehr praktische Fragen. Zum Beispiel: Was plant Trump mit der NATO? Sollen die Deutschen demnächst kräftig bezahlen für Auslandseinsätze?

Das hat er immer wieder gesagt. Diese Ansicht hat er schon lange. Er scheint große Ressentiments zu haben gegenüber Deutschland, Südkorea, Japan. Das sind traditionell starke Verbündete der USA und das ist wirklich eine Position, die andere Republikaner nicht vertreten. Vor allem hat er gesagt - übrigens wie Putin auch -, dass die NATO nicht mehr notwendig ist, das sie überholt ist. Aber in der Siegesrede hat er sehr wenig über Außenpolitik gesprochen. Was er aber immer wiederholt, ist sein Credo "America First". Amerikas Interessen sollen immer an erster Stelle stehen. Trotzdem will er keine Konflikte, sondern fair mit allen Partnern umgehen. Das klingt schon anders als im Wahlkampf.

Interessiert ihn Europa überhaupt noch?

Eine schwierige Frage. Richtig ist, er hat mehrmals über den Zustrom von Migranten gesprochen und hat Angela Merkel dafür kritisiert, dass sie so viele Flüchtlinge ins Land gelassen hat. Er hat aber ein anderes Mal gestanden, dass er Merkel von allen Staatsoberhäuptern am meisten bewundere. Es bleibt also ungewiss, wie er wirklich zu ihr, zu Deutschland zu Europa steht. Er ist ja noch nicht im Amt. Aber grundsätzlich glaube ich, dass es um die jahrzehntelangen internationalen Partnerschaften derzeit nicht gut bestellt ist.

Was passiert wirtschaftlich? Trump ist Geschäftsmann, ist er dann nicht automatisch Pragmatiker?

Er sagt, er will das Wirtschaftswachstum verdoppeln. Er hat aber nicht gesagt wie er das machen wird. Nur soviel: Er will sich auf die US-amerikanische Infrastruktur konzentrieren. Er will wieder Stadtkerne aufbauen, Brücken, Flughäfen, Schulen und Krankenhäuser bauen. Er hat immer wieder beklagt, die USA seien wie ein Dritte-Welt-Land, und er will es wieder aufbauen. Dabei lautet sein Motto: "Make America great again" - wie er das hinkriegen will, davon ist noch nichts zu hören gewesen.

Cindy Saine-Spang ist Korrespondentin für die Voice of America im Weißen Haus in Washington. Sie hat lange auch in Deutschland als Journalistin gearbeitet. 

Das Gespräch führte Volker Wagener.

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