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Wirtschaft

Trump gegen Importeure

Strafzölle, Einfuhrsteuern, Ausstieg aus Freihandelsabkommen: Donald Trump hat viele Ideen, wie er die US-Wirtschaft stärken will. Auch die Steuern für Unternehmen hat er im Visier. Wer aber würde davon profitieren?

Vieles wurde als Wahlkampfgetöse nicht ganz so ernst genommen, aber gleich in den ersten Amtstagen hat Donald Trump einiges in die Wege geleitet. Per Dekret hat er den Ausstieg seines Landes aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP festgelegt und Regeln für die Finanzbranche gelockert. Auch das Thema Unternehmenssteuer steht auf seiner Agenda.

Konkretes verkündet oder beschlossen ist dazu allerdings noch nicht. Entsprechende Vorschläge kamen aber schon im vergangenen Jahr von den Republikanern und die könnten auch deutsche Unternehmen zu spüren bekommen. Auch wenn vieles, was dazu gesagt werden kann, ins Reich der Spekulation fällt, haben Analysten verschiedener Bankhäuser über mögliche Auswirkungen nachgedacht.

USA Black Friday in Atlanta (picture-alliance/AP Images/Atlanta Journal-Constitution/Bob Andres)

Produkte aus den USA werden vom Grenzsteuerausgleich bevorzugt.

"Border Adjustment Tax" benachteiligt Importeure

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Nach den Plänen der US-Republikaner sollen die Steuern für Unternehmen gesenkt werden - von 35 Prozent auf 20 Prozent. Und sie sollen außerdem reformiert werden: Der von ihnen vorgeschlagene Border Tax Adjustment (Grenzsteuerausgleich) bedeutet, dass nicht mehr die Gewinne besteuert werden, sondern der Cash Flow (Geldfluss) in den USA.

Damit würde eine Steuer auf alle verkauften Güter in den USA erhoben - unabhängig davon, ob sie von amerikanischen Unternehmen kommen oder aus dem Ausland importiert wurden. Gewinne, die US-Unternehmen im Ausland machen, würden dagegen nicht mehr besteuert.

Bei einer solchen Steuer dürften Unternehmen in den USA gezahlte Löhne und Gehälter, Anlageinvestitionen und in den USA gekaufte Vorleistungen als Kosten geltend machen. Die Kosten von Importen aber nicht. Bei in den USA produzierten Gütern werden somit nur die Gewinne besteuert, bei Importen der Umsatz. Damit sei die Wirkung - so Analysten der Deutsche Bank (DB) Research - vergleichbar mit der einer Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 20 Prozent.

Auch wenn US-Produzenten und Importeure dieselbe Steuer bezahlen, können Importeure ihre Vorleistungen nicht geltend machen und hätten dadurch einen Nachteil. Zumal ihre Gewinne im Heimatland zusätzlich besteuert werden. Firmen, die in den USA produzieren, hätten damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Importeuren.

Der Dollar wird reagieren

Ein solches Besteuerungssystem würde sich wahrscheinlich aber auch auf den US-Dollar auswirken. Durch die Verschiebung der Import- und Exportpreise rechnet man bei DB Research damit, dass der Dollar aufwertet und unter Umständen damit Wettbewerbsvorteile der US-Unternehmen durch veränderte Steuern wieder zunichte macht.

Außerdem weisen die Analysten daraufhin, dass die Regierung in den ersten zehn Jahren Einnahmeverluste von etwa sechs Prozent des aktuellen Bruttoinlandsproduktes haben würde. Dabei verweisen sie auf Schätzungen der unabhängigen Tax Foundation. Weniger Einnahmen könnten zumindest zum Teil durch mehr Wirtschaftswachstum wettgemacht werden.

Und Deutschland?

Für Deutschland hätte das neue Steuersystem Folgen, da es die deutschen Exporte in die USA relativ zu amerikanischen Produkten verteuert. Rund 10 Prozent der deutschen Exporte gehen in die USA. Den größten Teil davon machen mit 15 Prozent Autos aus. Aber auch andere Produkte wie Flugzeuge und Maschinen werden in die USA geliefert (sieben Prozent der US-Exporte). Etwas mehr als 15 Prozent der Exporte machen Maschinen aus und knapp 12 Prozent pharmazeutische Erzeugnisse.

Da US-Produkte im Hinblick auf den Preis durch die Steuerumgestaltung wettbewerbsfähiger werden, würden in den folgenden drei Jahren die realen Importe um vier Prozent zurückgehen und die Exporte um sieben Prozent steigen, das ergab eine Modellrechnung der US-Zentralbank. Somit würde das Handelsbilanzdefizit der USA durch eine Border Adjustment Tax vermutlich kleiner werden. Eine Aufwertung des Dollars würde die Exportvorteile aber teilweise konterkarieren.

Maschinenbau (picture-alliance/dpa)

Deutsches Knowhow im Maschinenbau ist nicht einfach zu ersetzen.

Spezialmaschinen oft nicht einfach zu ersetzen

In welchem Ausmaß die Deutschen ein geändertes Steuersystem zu spüren bekommen würden, hängt natürlich davon ab, in welchem Ausmaß der Steuersatz tatsächlich verändert wird, wie der Dollar darauf reagiert und wie sich die amerikanische Konjunktur entwickelt. Die DB Research-Analysten erwarten, dass es das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft beflügeln könnte. Entsprechend könnte auch die Nachfrage steigen. Die wiederum könnte den Verlust kompensieren, der sich durch die Verschlechterung der Wettbewerbssituation ergibt.

Den Deutschen kommt außerdem zu Gute, dass ihre Produkte oft nicht so einfach durch amerikanische ersetzt werden könnten. Häufig sind sie für Kunden speziell angefertigt wie Spezialmaschinen oder Fahrzeuge der Oberklasse.

Außerdem produzieren viele deutsche Unternehmen in den USA. Die Unternehmen, die dabei nicht so stark auf Importe aus Deutschland angewiesen sind, würden von den Steuerplänen profitieren. Auch wenn es somit positive und negative Effekte auf deutsche Exporteure gibt, werden die negativen wohl überwiegen, meinen die Experten bei DB Research.

Symbolbild VW in den USA Emblem und US-Flagge (picture-alliance/dpa/A. Burgi)

Bei VW werden die Kosten überdurchschnittlich steigen durch eine andere Unternehmensbesteuerung und auch bei Strafzöllen.

Folgen für die Autobauer

Mit Strafen hat Trump vor allem immer wieder den Autobauern angedroht, die in den USA verkaufen, aber nicht dort produzieren. Daher haben sich die Experten bei UBS Research die möglichen Folgen einer solchen Border Tax Adjustment speziell auf die Autobauer angeschaut. Berücksichtigt haben sie nicht nur, wo das Auto produziert wird, sondern auch woher die Autoteile stammen - sprich, ob sie importiert werden müssen. Das Ergebnis: Eine solche Steuer würde die Kosten im Schnitt um acht Prozent bzw. 2500 Dollar pro Fahrzeug erhöhen.

Das könnte dazu führen, dass im Jahr in den USA zwei Millionen Fahrzeuge weniger verkauft werden. Profitieren würden davon die drei großen Autobauer der USA, General Motors, Ford und Fiat/Chrysler, aber auch Honda und Toyota, denn sie beziehen wie die drei Großen viele Autoteile aus den USA und produzieren dort. Für sie ergäbe sich gegenüber den Konkurrenten ein Kostenvorteil von zwei Prozent bzw. 600 Dollar pro Auto.

Schlechter sieht es für die deutschen Autobauer aus. Sie exportieren Autos in die USA und ihre Autos beinhalten auch weniger in den USA gefertigte Teile. Dadurch erhöhen sich ihre Kosten im Vergleich stärker. Bei Audi um gut 16 Prozent, bei Daimler und BMW um gut 17 Prozent, bei VW sogar um über 18 Prozent.

Strafzoll für Mexiko ist Strafe für US-Firmen

Ein anderes bei Trump sehr bliebtes Thema ist ein Strafzoll für Produkte aus Mexiko. Würde er diese Einfuhren mit 35 Prozent Zoll belegen, würden sich die Kosten eines Autos im Schnitt um 4,6 Prozent erhöhen. Außerdem würde ein solcher Strafzoll die drei großen US Autobauer stärker treffen, da sie viele Teile aus Mexiko beziehen. Ihre Kosten würden um sechs bis 6,5 Prozent steigen. Besonders leiden würde VW, wo die Kosten um knapp 18 Prozent steigen würden und Nissan (knapp acht Prozent höhere Kosten). Das Center of Automotive Research (CAR) geht davon aus, dass durch einen Strafzoll die Nachfrage nach Autos in den USA um eine halbe Million sinken wird und 31.000 Jobs in der US-Autoindustrie verloren gingen.

Proteste gegen Trump vor der US-Botschaft in Mexiko (picture-alliance/dpa/ZUMA WIRE/El Universal)

Proteste gegen Donald Trump in Mexiko-Stadt

Vielleicht kommen sie auch gar nicht – die schwarzen Zeiten

Wird er oder wird er nicht? Das ist vor allem für US-Importeure die entscheidende Frage. Die Experten der UBS meinen, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Border Tax Adjustment eingeführt wird, liege bei unter 50 Prozent. Sie werde wohl im Senat blockiert werden, denn die Autoindustrie werde nicht tatenlos zusehen und ihre Lobbyisten auf die Senatoren losschicken, damit die gegen eine solche Unternehmenssteuerreform stimmen.