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Aktuell Europa

Trotz Sanktionen wirbt Russland um westliche Investoren

Die Strafmaßnahmen der USA und der EU wirken sich drastisch auf die russische Wirtschaft aus. Dennoch will der Kreml das Geschäft mit Europa nicht einschränken, wie Wirtschaftsminister Uljukajew versichert.

Ungeachtet der verhängten Sanktionen wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im März und der Unterstützung der prorussischen Separatisten in der Ostukraine bemüht sich Moskau weiter um westliche Investoren. Es gelte, das generelle Umfeld für Unternehmen "freundlicher" zu gestalten, machte Russlands Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew in einem Interview der Zeitung "Frankfurter Allgemeine" (F.A.Z.) deutlich. "Wir werden unser Geschäft mit China ausweiten, aber das mit Europa nicht einschränken", unterstrich er.

"Wir spüren die Sanktionen"

Uljukajew wies darauf hin, dass die westlichen Strafmaßnahmen zu einem Rückgang der Auslandsinvestitionen in Russland geführt hätten. "Wir spüren die Sanktionen." Das betreffe den Zugang zum weltweiten Kapitalmarkt, den Abfluss von Kapital, den Wechselkurs, die Inflation. "Aber wir versuchen unseren Partnern zu erklären, dass die Sanktionen negative Auswirkungen auf alle haben", sagte der Minister der F.A.Z..

Die Strafmaßnahmen, die sich vor allem gegen die wichtigen Energie- und Rüstungsindustrien richten, haben den Rubel einbrechen lassen und die Inflation in die Höhe getrieben. Uljukajew bezifferte die Inflation durch den Kursverfall des Rubel auf "rund neun Prozent bis Ende des Jahres". Zudem leidet Russland, dessen Einnahmen zum Großteil aus dem Öl- und Gasexport stammen, unter dem Einbruch des Ölpreises, der in der vergangenen Woche in London erstmals seit vier Jahren wieder unter 80 Dollar pro Barrel sank. Seit dem Streit um die Einverleibung der Krim zogen Investoren laut der Moskauer Zentralbank 128 Milliarden Dollar aus Russland ab.

"Die Lawine rollt"

Russland habe "auf einige dramatische Ereignisse im Ausland" wie "den Staatsstreich in der Ukraine" reagiert, erklärte Uljukajew die Politik des Kreml. "Jetzt rollt die Lawine, und man kann sie nur schwierig anhalten. Man kann nur versuchen, sich irgendwie zu schützen."

Zuvor hatte sich die Moskauer Regierung erstmals offiziell zu den dramatischen Auswirkungen der Ukraine-Krise und des Ölpreissturzes geäußert. Danach verliert das Land in diesem Jahr insgesamt rund 140 Milliarden Dollar (knapp 113 Milliarden Euro), wie ein Sprecher mitteilte. Das entspricht ungefähr 6,7 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung.

An diesem Dienstag fliegt der russische Wirtschaftsminister in die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart. Er will in der Region deutsche Unternehmen besuchen.

se/haz (afp, dpa, rtr, FAZ)