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Politik

Trotz internationalem Aufruf gehen die Proteste weiter

Die Entwicklung um die Mohammed-Karikaturen wird von einem weltweiten Aufruf zum Ende der Gewalt und neuen blutigen Zusammenstößen in Afghanistan bestimmt.

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Aufgebrachte Muslime in der afghanischen Hauptstadt Kabul

Die Vereinten Nationen, die EU und die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) haben im Karikaturenstreit eindringlich zu Zurückhaltung und Ruhe aufgerufen. An die Behörden aller Staaten appellierten die Organisationen, diplomatische Vertretungen und Ausländer zu schützen. Mit den jüngsten Gewalttaten seien die Grenzen friedlichen Protests überzogen worden, heißt es in einer am Dienstagabend (8.2.2006) in Brüssel und New York veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Die beklagenswerten Angriffe auf diplomatische Vertretungen in Damaskus, Beirut und anderswo würden scharf verurteilt. "Der Angriff auf Leben und Eigentum kann nur das Bild eines friedlichen Islam beschädigen."

Gleichzeitig verurteilten UNO-Generalsekretär Kofi Annan, EU-Chefdiplomat Javier Solana und OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu die "beleidigenden Karikaturen". Der Ärger über diese Veröffentlichungen in der arabischen Welt werde von allen Personen und Gemeinschaften geteilt, die verstünden, wie sensibel man mit tief gefühltem Glauben umgehen müsse. Das Recht der Meinungsfreiheit müsse voll geachtet werden. Allerdings gehörten dazu Verantwortung und der Respekt des Glaubens jeder Religionsgemeinschaft.

Bereits zehn Tote in Afghanistan

Bei andauernden Protesten gegen die in Europa veröffentlichten Mohammed-Karikaturen sind in Afghanistan am Mittwoch am dritten Tag in Folge mehrere Menschen ums Leben gekommen. Bei Ausschreitungen in der süd-afghanischen Stadt Kalat seien vier Demonstranten getötet worden, sagte Armeegeneral Abdul Razak. Nach Angaben des Innenministeriums eröffneten Polizisten das Feuer, als Randalierer unter den mehr als 300 Demonstranten versuchten, die Polizeizentrale in Kalat zu stürmen. Die Zahl der Toten in Afghanistan bei den seit Montag andauernden Protesten hat sich damit auf mindestens neun erhöht.

Wieder Angriffe auf Botschaften

Im Westjordanland griffen hunderte Palästinenser das Hauptquartier der internationalen Beobachtertruppe in Hebron (TIPH) mit Steinen an. Scheiben gingen zu Bruch. Die Angreifer zerstörten auch mehrere Autos. Nach Zusammenstößen drängte Polizei die Randalierer ab. Wie ein norwegischer Sprecher mitteilte, wurden alle 71 TIPH-Beobachter, von denen 21 aus Norwegen kommen, abgezogen und nach Tel Aviv gebracht.

Auch in der iranischen Hauptstadt Teheran gab es erneut
Ausschreitungen. Demonstranten zogen vor die britische Botschaft und warfen Steine. In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo protestieren mehr als 200 Muslime von der Vertretungen Norwegens, Dänemarks und Frankreichs und verbrannten Nationalflaggen der Länder. Im Jemen wurde zwei Wochenzeitungen die Lizenz entzogen, die die zunächst in
der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" erschienenen Zeichnungen nachgedruckt hatten.

Bush: Gewalt muss gestoppt werden

US-Präsident George W. Bush hat zu einem Ende der gewaltsamen Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen aufgerufen. "Wir lehnen Gewalt ab als Mittel, Unmut über etwas zum Ausdruck zu bringen, das in der freien Presse gedruckt wurde", sagte Bush am Mittwoch in Washington." Ich rufe die Regierungen in der Welt auf, die Gewalt zu stoppen, respektvoll zu sein, das Eigentum zu schützen, das Leben unschuldiger Diplomaten zu schützen, die im Ausland ihren Ländern dienen." Bush äußerte sich nach einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. Abdullah rief die Demonstranten auf, ihren Protest auf friedlichem Wege kund zu tun.

Chamenei: "Diese Wut ist heilig"

Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen, in dessen Land die Mohammed-Karikaturen zuerst veröffentlicht worden waren, forderte Muslime in aller Welt zum Dialog auf. "Dieser Konflikt hat sich von einem Streit um die Zeichnungen zu einer internationalen Krise entwickelt", sagte Rasmussen in Kopenhagen. US-Präsident George W. Bush habe ihm seine volle Unterstützung zugesichert.

Der russische Präsident Wladimir Putin verurteilte die Veröffentlichung der Karikaturen als "unzulässige Provokation" von Muslimen. "Bevor man etwas veröffentlicht, (...) sollte man hundert Mal nachdenken", sagte Putin.

Chamenei droht mit Abbruch der Atomgespräche mit EU-Trio

Ajatollah Ali Chamenei (Archivfoto vom Februar 2004)

Der oberste Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, rechtfertigte die Proteste. "Diese Wut ist gerechtfertigt und sogar heilig. Sie wendet sich jedoch nicht gegen die Christen weltweit, sondern gegen einige diabolische Kräfte, die an dieser teuflischen Affäre beteiligt sind." Chamenei, der in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort hat, beschuldigte stattdessen Israel. Die Affäre um die Karikaturen sei eine "Verschwörung der Zionisten, um Spannungen zwischen Muslimen und Christen zu erzeugen".

Als Reaktion auf die umstrittenen Zeichnungen plant die große iranische Zeitung "Hamschahri" nun einen "internationalen Karikaturen-Wettbewerb zum Holocaust." (kas)

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