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Iran

Treibt Trump einen Keil zwischen Moskau und Teheran?

Der neue US-Präsident Donald Trump will eine Politik der Eindämmung Teherans. Das könnte auch weitreichende Folgen für die Beziehungen zwischen dem Iran und Russland haben.

Iran Teheran Verteidigungsminister Russland Shoigu bei Dehghan (picture-alliance/dpa/V. Savitskii)

Der iranische Verteidigungsminister Hossein Dehghan (r.) mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Schoigu in Teheran (2015)

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump werden die Karten auf der politischen Weltbühne neu gemischt. Plötzlich wird ein altes Feindbild wieder hervorgeholt: Der neue US-Präsident beschuldigt den Iran nicht nur, der Hauptsponsor des internationalen Terrorismus zu sein - sondern auch die Wurzel allen Übels im Nahen Osten. Dem stimmen nicht nur Israel und Saudi-Arabien zu. Auch die Türkei zeigt sich davon überzeugt, dass Trump richtig liegt und der Iran unter anderem am syrischen Bürgerkrieg schuld ist, am Aufstieg der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) im Irak oder am anhaltenden Widerstand der Huthi-Rebellen im Jemen.

Donald Trump will eine Politik der Eindämmung Teherans. Dafür könnte auch Russland mit ins Boot geholt werden, der wichtigste regionale Partner Teherans: Laut einem Bericht der Zeitung "Wall Street Journal" soll die US-Regierung nach Möglichkeiten suchen, der militärischen und diplomatischen Kooperation zwischen Moskau und Teheran ein Ende zu setzen - mit dem Ziel, den Konflikt in Syrien zu beenden sowie den Kampf gegen die Terrormiliz IS zu verstärken.  

Abwegig ist das nicht, meint Ali Vaez: "Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Russland in seinen Verhandlungen mit den USA immer wieder die Iran-Karte gespielt hat." Der Iran-Experte von der International Crisis Group in Washington erläutert im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Der Iran und Russland sind keine strategischen Verbündeten. Ihre Partnerschaft beruht auf taktischen Überlegungen - zum Beispiel in Syrien."  

Iran fürchtet Annäherung zwischen USA und Russland  

Teheran und Moskau würden das Assad-Regime in Syrien aus unterschiedlichen Gründen unterstützen, betont Vaez: "Für den Iran ist es wichtig, dass Assad an der Macht bleibt und Syrien nicht aufgeteilt wird." Denn Assad sei für den Iran ein wichtiger Verbündeter in der arabischen Welt. "Russland dagegen ist bereit, zu verhandeln und Kompromisse zu vereinbaren", so der Iran-Experte.

Eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und den USA hänge aber nicht so sehr von Syrien ab. "Eine größere Rolle spielen die Ukraine, die Annexion der Halbinsel Krim, die Sanktionen gegen Russland", erklärt Vaez. "Für Präsident Trump wird es nicht einfach sein, Russland entgegenzukommen. Der US-Präsident steht wegen Verbindungen enger Mitarbeiter zu Russland noch vor seiner Amtsübernahme am 20. Januar unter Druck." Außerdem stehe der Verdacht im Raum, Russland habe die Wahl Trumps durch Hackerangriffe und anschließende Leaks massiv unterstützt.

Donald Trump (Reuters/l. Jackson)

Nach dem Sieg von Donald Trump werden die Karten neu gemischt

Im Iran beobachtet man diese Entwicklungen mit Sorge. Die iranische Botschaft in Moskau ist bemüht, die Beziehungen zu Russland zu stärken. Mitte Februar kündigte die iranische Nachrichtenagentur "Mehr" unter Berufung auf den iranischen Botschafter in Moskau den Besuch des russischen Vizepremiers Dmitri Rogosin in Teheran an. Dort sollte er den iranischen Verteidigungsminister Hossein Dehghan treffen. 

Kurz darauf sagte Rogosin seine Reise nach Teheran ab. Angeblich aus "technischen Gründen". Anlass für die Absage soll aber nach Angaben der russischen Zeitung "Kommersant" die Veröffentlichung von Informationen über Rogosins Reise durch die iranische Seite sein. Beide Seiten hätten "ziemlich heikle Themen" erörtern sollen, darunter auch, warum die iranischen Partner Flugzeuge bei westlichen Ländern kaufen wollen, schreibt die Zeitung. 

Rohani unter Druck 

Die Konservativen in Teheran werfen der reformorientierten Regierung von Hassan Rohani vor, nach dem erfolgreichen Atomabkommen das Verhältnis zu Russland vernachlässigt zu haben. "Das Verhältnis zwischen Russland und dem Iran hat sich in den letzten Jahren signifikant verbessert. Es gibt sogar eine militärische und geheimdienstliche Zusammenarbeit. Das darf der Iran nicht aufs Spiel setzen", meint auch Shoaib Bahman. Der Politologe aus Teheran erklärt im Gespräch mit der DW: "Bessere Beziehungen zu Russland sind eine große Herausforderung für Donald Trump. Weder die Demokraten noch die Republikaner haben ein Interesse daran, die Beziehungen zu Moskau zu verbessern. Für das US-Militär und die Geheimdienste ist Russland immer noch der Feind Nummer eins. Der Iran muss die Zeit nutzen und sein Verhältnis zu Russland ausbauen." 

Auch Ali Vaez sieht kaum Möglichkeiten für Donald Trump, die taktische Allianz zwischen Moskau und Teheran zu schwächen. Umgekehrt weist er auf die gemeinsamen Interessen von Washington und Teheran in der Region hin: Beim Kampf gegen den IS im Irak oder beim Einsatz für mehr Sicherheit in Afghanistan. "Der Iran soll eine umfassende Politik für den Umgang mit dem neuen US-Präsidenten entwerfen. Er sollte, so wie Russland, seine Prioritäten deutlich machen und letztendlich bereit sein, mit den USA zu verhandeln", empfiehlt Vaez. 

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