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Kultur

Traurig im Traumjob

Ein fester Arbeitsplatz und noch gut bezahlt - das ist für viele schon Luxus. Doch Luxus heißt nicht Spaß. Manche Menschen halten deshalb strikt Kurs auf ihren Traumberuf. Und ihre Umwelt erklärt sie für verrückt.

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Geld und Ansehen sind nichts wert, wenn der zündende Funke fehlt

Kirsten quält sich jeden Morgen an einen Arbeitsplatz, den sie sich nicht freiwillig ausgesucht hat. Die Eltern setzten fest darauf, dass sie eines Tages ihre Apotheke übernimmt. Sie beugte sich dem Wunsch, genießt nun Ansehen und gutes Einkommen. Und ist trotzdem todunglücklich: weil sie zehn Stunden Tag für Tag ohne Freude, ohne Sinn erlebt. "Im Prinzip denke ich seit zehn Jahren darüber nach, was ich denn eigentlich mal werden möchte", sagt sie. "Wenn man einmal da steht, und es läuft einmal, dann ist das okay. Nur wenn man anfängt zu denken, dann fängt's an weh zu tun! Und dann weiß man, dass man da eigentlich vollkommen falsch ist!"

Von Papa oder Arbeitsamt in einen Job gedrängt

Rezept und Medikament in der Apotheke

Rezepte annehmen, Medikamente raussuchen - manchen macht das Spaß, anderen nicht

Coaches und Karriereberater müssen sich immer häufiger mit denen beschäftigen, die bereits psychosomatische Beschwerden entwickeln durch die tägliche Frustration. Einige suchen sich professionelle Hilfe bei so genannten "Berufsfindern" wie Uta Glaubitz.

Sie bietet Seminare an und hat festgestellt, "dass bestimmt 80 Prozent der Leute nicht in ihrem Beruf sind, weil sie das für genau den richtigen Beruf halten." Sondern weil sie sich haben überreden lassen: "Dann hat das Arbeitsamt gesagt, da gibt's keine Stellen. Oder die Eltern haben gesagt, damit kann man kein Geld verdienen. Oder die Großtante hat gesagt, das ist kein richtiger Beruf." Oft gebe es auch einen Betrieb, der übernommen werden müsse. Wie bei Kirsten. Lehrer, Beamte und Banker sind, so Uta Glaubitz, die häufigsten Seminarteilnehmer.

Elan prallt an Traditionen ab

Auch Nadine hat einen Beruf, von dem viele nur träumen: Sie ergatterte einen der wenigen hochbegehrten Ausbildungsplätze als Industriekauffrau in einem Zeitungsverlag. Und das bei dramatischem Lehrstellenmangel. Nach der Ausbildung war sie voller Energie, sprühte nur so vor Ideen - und rannte gegen Mauern aus verkrusteten Strukturen. Enttäuscht warf sie das Handtuch.

"Da war ich dann 28 und hatte schon drei Arbeitgeber gesehen", erzählt Nadine. "Ich wusste, dass was Neues kommen sollte." Nämlich ein Job, der ihr Spaß macht "und mir vielleicht auch gar nicht so als Arbeit vorkommt."

Mit Mut in die andere Richtung

Ballettaufführung von Les Indes Galantes in Zürich

Tanzen als Beruf - das kann ein Traum sein

Kirsten hat so einen Beruf beim Seminar tatsächlich gefunden. Sie denkt, "dass es mich dann wohl doch in die Tanzerei ziehen wird". Ein Kindheitstraum, der aber Mut braucht, um Realität zu werden. Kirsten schwankt zwischen "Um Gottes Willen!" und "Oh, ist das toll!" - "und ich hoffe, dass das 'Oh, wie toll!' überwiegen wird."

Eine Apothekerin als Tänzerin? Jahreslanges Studium umsonst - dafür brotlose Kunst? Jeder, der späte Schritte in Richtung Traumberuf wagt, muss sich für diesen radikalen Kurswechsel verteidigen. Auch Kirsten.

Unglückliche kosten Geld

Dabei sehnen sich die Unternehmen nach Mitarbeitern mit diesem gewissen Leuchten in den Augen. Immerhin verursachen unmotivierte Arbeitnehmer einen wirtschaftlichen Schaden von über zwei Milliarden Euro, weil sie schlechter arbeiten und öfter fehlen. Das meldet die Unternehmensberatung Gallup, die jährlich den so genannten "Engagement-Index" ermittelt. Industriekauffrau Nadine beschloss, ihre eigentliche Berufung zum Beruf zu machen: Bücher lesen, mit Menschen kommunizieren. Sie wurde Verlagsvertreterin. Das hat sie zwar anderthalb Jahre Knochenarbeit gekostet: Buchmesse, Seminare, viele Aushilfsjobs. Und Zweifel hatte sie bis zum Schluss. Aber egal: "Diese Vorstellung, man bereist jetzt Buchhandlungen, spricht mit Buchhändlern und zeigt denen die neuen Bücher - das hat einfach so ein Wohlgefühl ausgelöst."

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