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Kunst

Traumwelten der Postimpressionisten im Kunstmuseum Moritzburg

Hedy und Arthur Hahnloser-Bühler hatten einen berühmten Freundeskreis: Bonnard und Matisse zählten dazu. Ihre guten Kontakte ermöglichten ihnen, eine imposante Kunstsammlung aufzubauen. Diese ist nun in Halle zu sehen.

Sie hatten ein besonderes Gespür für die Gemälde ihrer Zeit. Die Leidenschaft ging zunächst von Ehefrau Hedy aus, ihr Mann, ein Augenarzt, unterstütze sie später beim Aufbau der Sammlung. Angefangen hatte es mit einer Freundschaft zu Félix Vallotton, der das Schweizer Ehepaar 1908 portraitierte. Der französische Maler war seitdem oft zu Gast in der Villa des Paares in Winterthur bei Zürich. Im Gegenzug stellte er ihnen zahlreiche Künstler in Paris vor. Daraus entstanden Freundschaften mit Pierre Bonnard, Édouard Vuillard, Henri Manguin und später Henri Matisse.

Die Hahnloser-Bühlers waren nicht nur finanzielle Förderer, sie standen auch in einem intensiven Austausch mit den Malern. Sie bekamen dadurch einen unschätzbaren Einblick in Schaffenswelten, Künstlerkrisen und die Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die später der Moderne den Weg ebnen sollten. Kein Wunder, dass zu ihrer fachkundigen Sammlung sowohl - für die damalige Zeit - sehr fortschrittliche und provokante Gemälde als auch wichtige Spitzenwerke gehören. Gemälde von Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Auguste Renoir und Édouard Manet wurden gesammelt.

In der Villa Flora, v.l.n.r.: Arthur Hahnloser, Jeanne Manguin, Hedy Hahnloser-Bühler, Henri Manguin, 1910, copyright: Archiv Hahnloser

Enger Austausch: Hedy (2.v.r.) und Arthur Hahnloser (l.) mit Jeanne und Henri Manguin in der Villa Flora

Mutiges Streben nach neuem Stil

Frankreich und insbesondere Paris waren zwischen 1880 und 1905 Zentren dieser Kunstepoche, die den Übergang vom Impressionismus zur Klassischen Moderne vollzog. In der satten Farbgebung ähnelte der neue Stil noch dem Impressionismus, dessen Darstellung der Natur lehnten die Post-Impressionisten aber ab. Stattdessen stellten sie Emotionen und Wahrnehmungen von Szenen, Stillleben oder Landschaften in den Mittelpunkt und schafften farbgewaltige, traumhafte Werke.

Auf der Suche nach neuen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten, die nun oft auch die Gefühlswelten der Künstler in den Mittelpunkt stellten, ebneten die französischen Post-Impressionisten den Weg zur Moderne. Einzigartig ist daher die Sammlung Hahnloser-Bühler, die dieses stetige Ausloten und Überschreiten von Grenzen dokumentiert.

Museum auf Reisen

Die gesammelten Meisterwerke waren wie selbstverständlich Bestandteil des Wohnsitzes im schweizerischen Winterthur. Als das Ehepaar verstarb, zog zunächst die Tochter in die "Villa Flora". 1995 wurde das Gebäude schließlich zu einem Museum, das die Sammlung weiterhin in den Wohnräumen präsentierte.

Wohnsitz von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler in Winterthur, Schweiz, Foto: Peter Engeler

Villa Flora in Winterthur, einst Wohnsitz des Sammlerpaars, dann Museum, derzeit geschlossen

Aufgrund kommunaler Sparmaßnahmen wurde die "Villa Flora" 2014 vorübergehend geschlossen. Seitdem sind die Meisterwerke auf Ausstellungsreise und werden in immer wieder veränderter Zusammenstellung auch in Zukunft zu sehen sein. 2015 gastierten sie in Hamburg und Paris, nun in Halle an der Saale. Danach geht es nach Stuttgart.

Wie gemacht für die Moritzburg

Eine derart große und renommierte Ausstellung nach Halle zu bekommen, schien zunächst unwahrscheinlich. Schließlich hatte die verwaltende Stiftung zahllose Anfragen aus der ganzen Welt. Doch Thomas Bauer-Friedrich, Direktor des Kunstmuseums Moritzburg, muss die Erben letztlich mit guten Argumenten überzeugt haben. Er fuhr sofort nach Winterthur, nachdem bekannt wurde, dass die Sammlung auf Tour gehen sollte.

Halle an der Saale, Moritzburg Burgtor als Hauptzugang, Foto: Imago/Westend61

Moritzburg in Halle an der Saale

Bauer-Friedrich präsentierte ein durchdachtes Konzept. Einer der Schwerpunkte der ständigen Sammlung in der Moritzburg gilt dem Expressionismus. Die Sammlung Hahnloser-Bühler sei daher eine perfekte Ergänzung, die eine Brücke zwischen französischen Post-Impressionisten und deutschen Expressionisten schlagen könnte, so der Kurator.

Das Kunstmuseum Moritzburg und die "Villa Flora" teilen außerdem noch eine Gemeinsamkeit, wenn auch keine erfreuliche: In Halle wartet das Museum ebenfalls seit 2012 auf kommunale Zuschüsse. Die renommierte Ausstellung der Post-Impressionisten könnte daher auch aus finanzieller Hinsicht eine Chance für die Zukunft darstellen, versprechen sich die Museumsmacher in Mitteldeutschland.

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