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Studieren in Deutschland

Traumjob China-Experte

Ob Lateinamerika, Afrika oder Asien – Regionalstudien sind bei Studenten beliebt. Besonders China ist als Wirtschaftspartner Deutschlands attraktiv. Doch Theorie und Praxis klaffen im Studium oft auseinander.

Zeigefinger deutet auf chinesische Schriftzeichen. Betonungen, Umschrift - Chinesisch lernen ist eine große Herausforderung (Foto: Janina Treude)

Regionalwissenschaften China Josephine Kummer

Die chinesischen Schriftzeichen, der Singsang der asiatischen Sprache - all das hat Josephine Kummer schon während ihrer Schulzeit fasziniert. Daher begann sie schon als Schülerin, die chinesische Sprache zu lernen, und es war für sie klar, dass sie nach dem Abitur "irgendetwas mit China" studieren wollte. Ihren Traum hat Josephine Kummer inzwischen wahr gemacht. An der Universität Köln studiert sie bereits im dritten Semester "Regionalstudien China" am Ostasiatischen Seminar der Hochschule.

Die Studentin paukt nicht nur chinesische Schriftzeichen und Betonungen, sie belegt auch Kurse zu Gesellschaft, Recht und Kultur des Landes und kann zusätzlich ein ergänzendes Nebenfach wählen, wie Betriebswirtschaftslehre, Jura oder Sozialwissenschaften. "Mit den zusätzlichen BWL-Kenntnissen kann man viel machen", erzählt die angehende Asien-Expertin. "Ich würde später gerne in einer großen Firma mit Chinabezug arbeiten."

China als wichtiger Wirtschaftspartner

Die angehende China-Expertin Josephine Kummer (Foto: Janina Kummer)

Josephine Kummer wollte schon als Schülerin "irgendwas mit China" studieren

Schon seit 1991 gibt es an der Universität zu Köln Chinesische Regionalstudien. Auch das Fach Betriebswirtschaftslehre hat hier einen guten Ruf. Immer mehr deutsche Unternehmen kooperieren mit dem bevölkerungsreichsten Land der Welt, darauf hat die Uni schnell reagiert. Doch werden auf dem Arbeitsmarkt wirklich so viele Regionalwissenschaftler gebraucht? "Nein", sagt Sinologin Susanne Preuschoff vom Akademischen Auslandsamt der Uni. "Dieser Studiengang führt nur dann in den Beruf, wenn man vorher eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat oder durch Praktika und Jobs in Unternehmen Kontakte hat." Außerdem müsse man auch bereit sein, gesamtwirtschaftlich zu arbeiten, etwa so wie nach einem reinen Studium der Betriebswirtschaftslehre.

Für viele Studierende ein ernüchterndes Urteil. Das exotische Studienfach werde häufig in seiner Bedeutung überschätzt, sagt Susanne Preuschoff. Wichtig sei, zu Beginn des Studiums zu erkennen, dass man Chinesisch wie ein Instrument ein Leben lang lernen müsse, um es dann im richtigen Moment "aus dem Ärmel" zu schütteln. "Mit Chinesisch allein kommt man aber nicht weit, daher gibt es in Köln die Ergänzung mit einem Nebenfach", so die Sinologin.

Der Kulturschock ist wichtig

Dieser erweiterte Studiengang hat auch Josephine Kummer dazu bewogen, sich für das Studium der Regionalstudien an der Kölner Universität zu entscheiden. Während ihrer Schulzeit hatte sie bereits neun Monate in einer chinesischen Gastfamilie in Shanghai gelebt und dort viele Erfahrungen gesammelt, die sie in ihrem Studienwunsch bestärkten. Auch wenn sie oft Schwierigkeiten hatte, die neuen Eindrücke zu verarbeiten: "Es ist eine riesige Metropole, 28 Millionen Menschen, und alle sprechen eine fremde Sprache." Josephine verstand anfangs kaum etwas. "Ich habe mir aber das Niveau nicht zu hoch gesetzt und versucht mitzukommen, so gut es ging", erzählt sie.

Gruppenfoto von der chinesischen Gastfamilie bei der Feier des Neujahrsfestes (Foto: Josephine Kummer)

Eine "unvergessliche Zeit" hatte Josephine Kummer mit ihrer chinesischen Gastfamilie - hier bei der Feier des Neujahrsfestes

Ein Kulturschock bleibe nie aus, wenn man China besuche, betont Susanne Preuschoff. Richtig darauf vorbereiten könne das Studium nicht, das müsse es aber auch nicht . "Entweder die Studenten hassen den Auslandsaufenthalt so, dass sie wieder nach Hause fliegen oder sie lernen dieses fremde Land lieben."

Letzteres trifft auch auf die angehende Regionalwissenschaftlerin Josephine Kummer zu. Durch ihr Studium habe sie auf jeden Fall einen Vorteil gegenüber Studierenden, die Jura oder Wirtschaft im Hauptfach studieren und nebenbei vielleicht einen Sprachkurs gemacht haben, meint die Studentin. "Ich kenne das Land besser und ich spreche die Sprache besser, weil ich sie über einen längeren Zeitraum intensiver gelernt habe." Einen Dolmetscher braucht Josephine nicht mehr. "Man hat einen engeren Kontakt zu seinen Geschäftspartnern, als wenn jemand BWL studiert hat, sich aber vielleicht nicht mit dem Rechtssystem in China auskennt."

Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Sinologin Susanne Preuschoff koordiniert Austauschprogramme zwischen der Uni Köln und ihren chinesischen Partnerunis. (Foto: Janina Treude)

Sinologin Susanne Preuschoff koordiniert Austauschprogramme zwischen der Uni Köln und ihren chinesischen Partnerunis.

Absolventen des interdisziplinären Studiengangs in Köln sollen vielseitig einsetzbar sein. Sie können in der Wirtschaft, der Entwicklungszusammenarbeit oder in den Medien arbeiten. Gerade wegen des breit gefächerten Studiums müssen die Regionalwissenschaften sich aber auch immer wieder gegen den Vorwurf behaupten, dass man alles ein bisschen studiere, aber nichts richtig. "Das Vorurteil kann ich schon verstehen, weil es wirklich ein Potpourri an Dingen ist", bestätigt Susanne Preuschoff vom Akademischen Auslandsamt. Doch gerade dieses "Potpourri" sei in vielen Firmen inzwischen eine gefragte Schlüsselqualifikation.

Immerhin habe sich das Studium in den vergangenen Jahren stark verbessert, meint Preuschoff. Die Qualität des Sprachunterrichtes sei beispielsweise viel höher als zu ihrer Studienzeit. Wer einmal testen möchte, ob der Studiengang das Richtige ist, der kann mit der Teilnahme an einer Summer School in China einen leichten Einstieg wagen.

Josephine Kummer hat ihre Entscheidung längst getroffen. Sie blickt positiv in ihre berufliche Zukunft und der nächste Auslandsaufenthalt im chinesischen Nanjing ist schon geplant, denn ein Auslandsjahr in China ist an der Kölner Uni für alle Studierenden Pflicht.

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